Tischbein, Johann Anton

Tischbein, Johann Anton, Maler, der vierte Sohn des Stamm- vaters dieser Familie, des Bäckers Joh. Heinrich Tischbein, wurde 1720 zu Heyna geboren, und sollte sich den gelehrten Studien widmen. Er brachte es indessen nur zum Schreiber , aber ohne die nöthige Geduld zu besitzen, und somit zog er es vor, Tapeten zu malen. Tischbein hatte Talent zur Kunst, gelangte aber in Folge seiner regellosen Phantasie nicht zur vollkommenen Durch- bildung. Er sah Italien und Frankreich , und machte zahlreiche Studien nach classischen Vorbildern, so dass mehrere seiner Werke sich vor anderen seiner Zeitgenossen auszeichnen; allein die Mehr- zahl ist nur skizzenhaft behandelt, da sein ideenschwangerer Geist sich nicht in eine regelmässige Ausführung fügte. Es finden sich viele Zeichnungen und geistreiche Skizzen von seiner Hand, in denen es immer auf Effekt abgesehen ist, weniger auf Regelmäß- sigkeit und Correctheit. Seine Zeichnungen sind wenig verfeinert, meistens in Helldunkel behandelt. Er bediente sich gewöhnlich der Feder zum Entwurf, und arbeitete dann mit Bister , Tusch und mit Wasserfarben aus. In Italien , wo er sich mit seinem Bruder Joh. Heinrich sen. befand, zeichnete er sehr viele antique Denkmäler und andere Ansichten, deren er dann in seinen Ge- mälden anbrachte. Sein Stoff wählte er gewöhnlich aus der rö- mischen und griechischen Geschichte, und auch die biblische Ge- schichte behandelte er. Darstellungen aus dem Volksleben finden sich selten von ihm. Auch seine Landschaften mit Thieren, in welchen er seinen oben genannten Bruder nachahmte, sind nicht häufig. Die Porträts dieses Meisters sind nicht ähnlich, da ihm sein feueriges Temperament das strenge Festhalten des Individuums nicht gestattet. Seine Werke sind alle flüchtig behandelt, beson- ders in den Nebensachen.

Tischbein eröffnete in Hamburg eine Zeichenschule. Zu die- sem Zwecke gab er folgendes Werk heraus: Unterricht zur mündlichen Erlernung der Malerei. Hamburg 1771. A. Beck liess nach seinen Zeichnungen vier Vignetten, die aber schlecht gerathen sind. Sie kommen in folgendem Buche vor: Die Ritter und Riesen, ein Rittergesang. Braunschweig 1759, 8. Der Künstler starb zu Hamburg 1784.