Timanthes, Maler von Kythnos (Sikyon), war Zeitgenosse des Zeuxis und Parrhasius, und lebte demnach im Zeitalter der vollkommenen Malerei , in welchem die Kunst zu sinnlicher Illusion und äusserem Reiz gelangt war. Die Neuheit dieser Leistungen verleitete die Künstler selbst zu unerhörrtem Hochmuth, wie wir schon im Le- ben des Parrhasius bemerkt haben. Von solchem Uebermuth er- zählen die Alten zwar nicht von Timanthes, er setzte sich aber den ersten Meistern der Zeit gleich, denn er überwand sogar in einem Maler-Wettkampf den stolzen Parrhasios. Timanthes malte damals das Opfer der Iphigenia, in welchem er den Ausdruck des Seelen- zustandes erschöpft zu haben schien. Das arme Opfer stand vor dem Altare. Calchas der Priester war selbst in Trauer versunken, Ulysses und Menelaus erschienen nach Massgabe in noch höherem Grade ergriffen, und den Schmerz des Agamemnon glaubte der Künstler gar nicht erfassen zu können, wesswegen er ihn mit verhülltem Gesichte darstellte. So meint Cicero, Orat. XXII. 74, Plinius aber sagt, Timanthes habe verzweifelt, bei so gesteigertem Affekt den Schmerz im Vater und Helden mit Würde zu paaren. Auch Quintilian II. 13 glaubt, der Künstler sei nicht mehr im Stande gewesen, auf würdige Weise das Antlitz des Vaters zu zeigen. Die Alten lehrten, dass die Kunst Grenzen habe, welche man nicht überschreiten könne oder dürfe. Eustathius (ad Iliad, v. 163) ist der Meinung, dass der Künstler das Motiv aus dem Homer entlehnt habe. Im Museum zu Neapel ist ein Bild aus Pompeji, welches man für Copie, oder wenigstens für eine Nachahmung dieser Darstellung des Timanthes halten möchte. Zahn's Wandgemälde Nr. 19; Museo Borbonico IV. 3.; Gell, Pompejana pl. 46. Die Idee dieses Meisters ist aber im Alterthume nicht einzig. In Florenz ist eine Ara von Kleomenes, wo Agamemnon sich verhüllt abwendet. Vgl. O. Müller's Handbuch S. 655.
Der geistreiche Timanthes fertigte auch noch andere Gemälde, welche von ausgezeichnetem Talente zeugten. Plinius erwähnt das kleine Bild eines schlafenden Cyclopen, dessen Grösse er dadurch bezeichnete, dass er Satyrn anbrachte, welche mit dem Thyrsus den Daumen des Riesen messen. Und so, sagt Plinius, habe der Künstler in einem Gemälde immer mehr ausgedrückt als er gemalt habe; denn obgleich sich die Kunst zur höchsten Stufe empor- schwingen könne, so stehe das Genie doch über ihr. Dann spra- chen die Alten auch von einem gebundenen Marsyas (Marsyas
Von dem berühmten Timanthes, dem Zeitgenossen des Parrhasios, ist ein anderer Meister dieses Namens zu unterscheiden, der zur Zeit des Aratos lebte, welcher dessen Treffen mit den Aetol iern bei Pellene in Arcadien malte, wovon Plutarch erzählt. Da sers Treffen fiel Ol. 135, 1. vor.