Tiepolo, Giov. Battista, Maler, geboren zu Venedig 1695 (nach anderen 1697), war Anfangs Schüler von G. Lazarini, schloss sich aber dann an Franceschini an, und hatte bereits als Jüng- ling von sechzehn Jahren den Ruf eines reifen Meisters, sowie er denn auch in Wahrheit als der letzte venetianische Maler zu betrachten ist, der sich einen grossen Namen erworben hat. An- fangs schlug er die Richtung Franceschini's ein, was nach Lanzi für ihn von Bedeutung war, da sein feuriges Genie ausserdem vielleicht die Grenze überschritten hätte. Hierauf ahmte er einige Zeit den Piazzetta nach, unterscheidet sich aber durch eine frischere Färbung, während jener Meister durch mächtige, ins Rothbraune fallende Schatten zu wirken suchte. Die Mittel zur Erreichung starker Gegensätze sind daher bei beiden Meistern verschieden. In seiner besseren Zeit offenbart sich indessen der Einfluss des Paolo Veronese, welchem er, wenn nicht im Ausdruck der Köpfe, doch im Faltenwurf und in der Färbung nahe steht. In Göthe's Winckelmann kommt aber Tiepolo nicht gar gnädig weg, indem er mit Piazzetta und anderen Meistern auf dem Irrwege der Zeit ergriffen wird. Schwäche der Gedanken, fehlerhafte Zeichnung, Mangel an Charakter und Ausdruck wird ihnen vorgeworfen, so wie auch, durch heftige Gegensätze die möglichste Wirkung zu
erzielen. Darin findet aber Lanzi III. 270 gerade einen Vorzug
des Meisters, der nach seiner Ansicht durch das Studium der Na- tur, besonders durch die Beobachtung des Licht- und Schatten- spiels in schlagenden Gegensätzen Bewunderungswürdiges geleistet hat, und in Plafonds eine Sonne erzielte, die vielleicht ohne Bei-
Zuviel ist, In grössräumigen Werken findet Lanzi freilich auch Zeichnungsfehler, studirt ist der Künstler in Oelbildern. Darun- ter nennt Algarotti die Marter der heil. Agatha in S. Antonio zu Padua sogar ein Muster des seltensten Ausdrucks. Es finden sich auch Genrebilder von ihm, die in jeder Hinsicht lobenswerth sind und grosses Interesse haben. Mit strengem Maassstabe gemessen, verfällt Tiepolo freilich der Critik, man kann ihm aber für die Zeit, in welcher er lebte, keineswegs die Verehrung versagen. Es ist auch wohl erklärlich, dass der Künstler seine weniger strer- gen Zeitgenossen zur Bewunderung hingerissen hat. Graf Alga- rotti preist ihn oft, und Bettinelli dedicirt dem Meister seine Ge- dichte über Malerei. Er nahm keinen Anstand, ihn als denjen- gen zu bezeichnen, welcher der Kunst wieder eine schöne Zeit bereitet hat.
Die Werke dieses Meisters sind zahlreich und weit verbreitet.
In der Capelle des heil. Satyrus oder S. Vittore in Ciel d'oro bei S. Ambrogio zu Mailand sind Fresken von ihm, welche die Schiffbruch des heil. Satyrus und die Marter des heil. Victor dar- stellen, im Style Piazzetta's gemalt, aber mit hellerer Färbung. Bei den Theresianern zu Venedig malte er an einem Plafond das Heil. Haus von Engelsgruppen getragen und in einem Lichtgeflecht, welches nach Lanzi sich mit dem Firmament zu vereinigen scheint. Dieses Werk ist in Fresko ausgeführt, und mit einer Fertigkeit, welche in Tiepolo's Gemälden überhaupt zu bewundern ist. In grossen Rathssaale zu Venedig ist ein Bild, welches den Sieg des Generals Giorgio Cornaro und d'Alviano über die Deutschen vor- stellt. In der Capelle der Madonna vom Berge Carmel bei den Car- melitern daselbst ist ein gerühmtes Bild der Himmelfahrt Mariä. In der Capelle Colleoni im Dome zu Bergamo sieht man Fresken von ihm. In S. Faustino und Giovita zu Brescia malte er die Marter der Kirchenheiligen unter Kaiser Trajan, und machte sich eines Anachronismus schuldig, indem der römische Statthalter ihm beiseite seine Pfeife schmaucht. In der kleinen Kirche S. Massimo zu Padua sind drei schöne Altarbilder von Tiepolo. Auch die oben- genannte Marter der heil. Agatha ist noch in einer Capelle vor S. Antonio daselbst. Algarotti pries sie als Muster des Ausdrucks, sah aber nicht auf die Unrichtigkeit der Zeichnung. Auch in römi- schen Gallerien findet man Bilder von ihm, so wie in italieni- schen Sammlungen.
Im Sommer des Jahres 1750 wurde der Künstler nach Würz- burg berufen, wo daselbst der bischöfliche Palast seiner Voll- endung entgegen ging. Er malte da den Plafond des grossen Tru- menhauses, und erhielt dafür 12000 Gulden Venediger Währung. Der Künstler stellte an der Decke den Olymp und die vier Wul- theile dar, und vollendete zur allgemeinen Bewunderung das Werk. Mehrere Figuren sind Porträite der beim Baue beschäftigten Kunz- ler, und auch sein eigenes brachte er bei. Dann verzierte Tiepolo auch den Kaisersaal, wofür ihm 6000 Gulden ausbezahlt wurden. An der Decke ist ein grosses Frescogemälde, welches in historisch- mythologischer Auffassung die Vermählung des Kaisers Friedrich Barbarossa darstellt. Apollo fährt ihm auf dem Sonnenwagen zu, seine Braut zu, und Bacchus, Venus und Ceres folgen nach. In der Tiefe harret der Rothbart umgeben von seinen Würdenträgern. Selbst eine obscöne Darstellung ist zu bemerken. In der Nähe der Braut treibt ein Alter mit der Nymphe ein arges Spiel. Rechts vom Hauptbilde stellte der Künstler die Trauung des kaiserlichen Paares durch Bischof Harold von Würzburg dar, und gegenüber...
Von Würzburg aus begab sich der Künstler wieder nach Ita- lien, wo er jetzt wahrscheinlich das grosse Gemälde ausführte, welches das Gastmahl des Antonius und der Cleopatra vorstellt, Fiorillo II. 487 behauptet, Algarotti habe dieses Bild für den säch- sischen Hof erstanden; allein es kam in den Besitz des Grafen von Brühl. Algarotti hält es eines Paolo Veronese würdig, und weiss nicht genug Rühmens. Später wurde es nach St. Peters- burg verkauft, wo es einige Zeit am Plafond des Saales im Gliämilow'sdnm Palast befestiget war, Nach der Umwandlung des Gebäudes wurde es wieder eingerahmt. Ein zweites Gemälde, welches Fiorillo ebenfalls am Hofe in Dresden sucht, stellt den Julius Cäsar auf dem Markte in Alexandrien dar, wie ihm der Kopf und der Ring des Pompejus dargereicht wird. Aus dieser Zeit könnte auch ein grosses Bild in der Gallerie zu Schleissheim _ stammen, welches die Anbetung der Könige vorstellt. Daselbst ist auch die Skizze zu einer Kaiserkrönung, und ein kleines Bild des Opfers der Iphigenia.
Im Jahre 1763 berief ihn König Carl III. nach Madrid, um den neuen Palast mit Gemälden zu verzieren. Das Deckenstück im Saal der Garde stellt Vulkan dar, wie er auf Bitten der Venus die Waffen des Aeneas schmiedet, und im Vorzimmer des Königs malte er das allegorische Bild der spanischen Monarchie auf den Löwen gestützt, Apollo und andere Gottheiten zur Seite. Die Me- daillons sind grau in grau behandelt. Sein Hauptwerk ist aber im Salon de los Reyes. Hier schilderte er unter allegorischen Gestal- ten alle spanischen Provinzen mit reichen Beiwerken und in glän- zendem Farbenschmucke. Auf der anderen Seite stehen die Bilder der Religion, der Macht und der spanischen Grösse, Die Supra- orten führte er in Helldunkel aus. In der Kirche des Klosters St. Pascal in Aranjuez sind Altarbilder von Tiepolo. Auf dem Hauptaltare sieht man die Anbetung der Könige, und auf den Seitenaltären die Empfängniss Mariä, St. Joseph, St. Franz, St. Carl, St. Anton von Padua und St. Peter von Alcantara. Tiepolo starb zu Madrid 1770. A. Longhi malte und stach sein Bildniss, Cattini stach sein Bildniss nach einem Gemälde von B. Nazzari.
Stiche nach diesem Meister.
Die Blätter, welche Gio. Dom. Tiepolo nach ihm geliefert hat, folgen im Artikel desselben,
Die Flucht in Aegypten, mit einer Erscheinung von Engeln, gest. von F. Berardi für Wagner's Verlag, gr. fol.
Zwei Engel ermahnen den Joseph an die Rückkehr nach Ju- daea, gest. von Berardi, gr. fol.
Christus im Oelgarten, gest. von P. Scataglia, für P. Mo- naco's Storie sacre etc., gr. qu. fol.
Die Kreuztragung, gest. von Scataglia für dasselbe Werk, gr. qu. fol.
Christus nach Golgatha geführt, gest. von G. Giampicoli, qu. fol.
Christus am Oelberge vom Engel gestärkt, nach dem schö- nen Bilde in der Gallerie Lichtenstein von A. G. Richter gesto- chen, s. gr. qu. fol.
Die heil. Catharina von Siena, gest. von J. Wagner, gr. fol.
St. Franz von Assisi, gest. von P. Monaco für die Storie sa- cre etc., gr. fol.
Die heil. Theresia, für dasselbe Werk, gr. fol.
Der heil. Michael, für dasselbe Werk, gr. fol.
St. Moriz von Engeln getragen. Ohne Namen des Stechers, fol.
Die Niederlage der Deutschen unter Anführung von Georg Cornaro und Bart. d'Alviano, das Plafondgemälde im grossen Raths- saale in Venedig, gest. von A. Zucchi, s. gr. qu. fol.
Il Convito di Napoli, gest. von P. Monaco, qu. fol.
Eine Prinzessin auf dem Throne, wie sie die schönen Künst- ler empfängt, gest. von Leonardis, gr. qu. fol.
Die Göttin Flora, gest. von Leonardis, gr. qu. fol.
Eine Carnevals-Scene in Venedig, mit nackten Figuren, nach dem Bilde aus dem Cabinet Algarotti, gest. von Leonardis, gr. qu. fol.
Eine andere Carnevals-Scene mit maskirten Figuren, nach dem Bilde derselben Sammlung von Leonardis gestochen, gr. qu. fol.
Zwei Polichinell-Scenen, gest. von G. F. Schmidt 1751, qu. fol.
Verschiedene Studien, nach Zeichnungen von Oesterreich und Balzer gestochen, 8. u. 4.
Brustbild eines alten bärtigen Mannes mit Turban und einer Buche in der Rechten. Innocens Alessandri et Petrus Scattaglini, Sculp. In Crayon-Manier, s. gr. fol.
Ein anderer Kopf eines Greises, ohne Buch, von demselben gestochen. In Crayon-Manier, gr. fol.
Mehrere Büsten von Orientalen in Tiepolo's Manier radirt, 8. und 12.
Eigenhändige Radirungen.
Die geistreichen, aber etwas manierirten Blätter dieses Meis- ters und seiner Söhne sind in einem eigenen Cataloge beschrieben, unter dem Titel: Catalogo di varie opere inventate dal celebre Gio. Batta. Tiepolo al Servigio di S. M. C. morto a Madrid il 27. Marzo 1770, e incise in N. 25 dallo stesso, e l'altra incise dalli Figli Giandominico coll' aggiunta d'altra sue opere. Dieses Verzeichnis ist nicht genau, und unvollständig.
Die Empfängniss Mariä, das Bild im Kloster zu Aranjuez, fol.
Die Anbetung der Könige, oben Cherubim, J. B. Tiepolo inv. et fec. Das Hauptblatt des Meisters, nach dem Gemälde im Kloster zu Aranjuez, gr. fol. Im ersten Drucke nur bezeichnet: Tiepolo.
Die Taufe des Kaisers Constantin, oben rund, N. 142. Br. 8 Z. 3 L.
Ein knieender Ordensbruder, welchem ein Engel mit der Monstranz erscheint. Ohne Zeichen, aber dem Tiepolo zugeeignet.
St. Pascal, das Altarbild im Kloster zu Aranjuez, fol.
St. Carl, das Bild in demselben Kloster, fol.
Eine heil. Familie, wo zwei Engel das Bett des Kindes bestreiten, qu. fol.
Gruppe verschiedener Köpfe zu einer Kreuztragung, leicht radirt und ohne Namen, qu. 8.
Der Evangelist Matthäus, In der Mitte unten das Mono- gramm, kl. 4. Es existirt eine Folge der vier Evangelisten, an welcher auch die Söhne Theil haben.
Ein Zauberer bei einem Monumente, fol.
Scherzi di Fantasia Nr. 24 del celebre Sig. Gio. Batta. Tie- polo Veneto pittore etc. Mythologische und andere Dar- stellungen, von 1 — 24 numerirt, 4.
Varj Capricci Inventati ed Incisi dal celebre Gio. Battista Tiepolo etc. Folge von 10 Blättern mit Titel, Charakter- köpfe und Skizzen enthaltend, 4.
Eine Folge von Ruinen römischer Gebäude, zum Theil mit Figuren, 8 geistreich radirte Blätter. Gio. Bapt. Tiepolo inv. et sc, 8.