Tieck, Christian Friedrich

Tieck, Christian Friedrich, Bildhauer und Professor an der Aka- demie in Berlin , wurde 1776 daselbst geboren, und nach dem Wil- len seines Vaters dem Bildhauer Heinrich Bettkober auf sechs Jahre in die Lehre gegeben. Tieck hatte schon als Knabe verschiedene artistische Versuche gemacht, welche Liebe und Talent zur Kunst verriethen, nur war es nicht Bettkober, der in seinem handwerks- mässigen Streben einen Künstler heranbilden konnte. Er erhielt daher unter diesem nur einige Übung im Formen und in der mechanischen Bearbeitung des Gesteins. Uebrigens legte er ihm französische Kupferstiche zum Nachzeichnen vor, und alles war gethan, wenn der Zögling auch noch nach Gypsabgüssen gezeich- net hatte. Von wissenschaftlicher Bildung war bei Bettkober keine Rede, und er wollte auch nicht leiden, dass Tieck an Sonntagen sich mit der Lectüre beschäftigte, welche nach seiner Ansicht wohl ei- nem Gelehrten, aber keinem Künstler anstehe. Tieck las daher meist des Nachts, wofür ihn zum Verdruss des Meisters am Tage der Schlaf mahnte. Durch diese Bemühungen verschaffte er sich aber Kenntnisse in der Geschichte, so wie in dem was er zur Theorie für nothwendig fand, und so stand Tieck bei seinem noch immerhin geringen Wissen dem Bettkober und seinen anderen Schülern ge- genüber als Gelehrter da. Seine Kunstanschauung erweiterte auch die Kupferstichsammlung des Lehrherrn. Cunego's Blätter nach den Deckengemälden der Sixtina, und Dorigny's Kreuzabnahme nach Daniel da Volterra machten einen Eindruck auf ihn, der ihn weit über das Kleinliche seiner Umgebung erhob. In seinem fünf- zehnten Jahre fing er an auf der Akademie nach der Natur zu modelliren, und von dieser Zeit an kann man Schadow als sei- nen eigentlichen Lehrer betrachten, welcher ihm eine besondere Aufmerksamkeit bewies. Durch das Studium der Natur lernte er jetzt auch die Antike sehen, und bekam einen Begriff von der Ana- tomie und deren Nutzen. Er blieb aber bis in sein neunzehntes Jahr in der Werkstätte Bettkober's, wo ihn seine beiden Mit- schüler gleichsam als ihren Lehrer ansahen, und der Meister selbst

Im Sommer 1801 verliess der Künstler Paris, und verweilte unterwegs in Weimar, wo er Goethe's Büste modellirte, die er aber später in Rom bei der Ausführung in Marmor änderte, da ihm früher Haare und Draperie nicht gelangen. Im December desselben Jahres ging er nach Berlin, wo er einige Büsten aus- führte, worunter jene der jungen Gräfin von Voss, ihrer Tochter, der Tochter des Ministers Haugwitz, der Gräfin Kalkreuth und der Schauspielerin Unzelmann zu nennen sind. Die Büste der letzteren fand besonderen Beifall. Diese Werke gaben Gelegen- heit jene des Professors Schadow in Vergleich zu ziehen, was für Tieck unangenehm war, da er dem genannten Meister als Schü- ler sich verpflichtet glaubte. Er vermied es desswegen sogar, die Büste der verstorbenen Königin zu übernehmen, weil Schadow sie früher ausgeführt hatte.

Im Frühjahr 1802 ging Tieck nach Weimar, um das grossher- zogliche Schloss mit Bildwerken zu verzieren. Hier führte er zu- erst drei grosse Basreliefs in Gyps aus, welche im Treppenhaus aufgestellt werden sollten. Das erste stellte einen Fürsten auf dem Throne dar, welchem die Stände des Landes Geschenke brin- gen, als Anspielung auf die Beiträge der Stände zur Herstellung des Schlosses. Im zweiten Basrelief stellte er den Fürsten als Be- schützter der Künste und Wissenschaften dar, und im dritten schil- derte er die Bestimmung des Hauses, wie Spiele und Feste das- selbe beleben, und befreundete Fremde als Gäste bewirthet wer- den. In den Metopen des dorischen Frieses des Treppenhauses brachte er eine Menge kleiner Basreliefs an, mit Kränzen und anderen Verzierungen abwechselnd. Das Gesellschaftszimmer der Erbgroßherzogin zierte er mit acht Basreliefs, welche auf weibli- che Tugenden anspielen. Zu den vier grösseren wählte er Elektra in Trauer über der Asche des Orestes, Orestes und Iphigenia aus

Im Jahre 1805, nach einem kurzen Aufenthalte in Berlin, begab sich Tieck nach Rom, wo jetzt sein Auge die Kunstschöpfungen schaute, nach welchen er sich längst gesehnt hatte. Er machte reichliche Studien, und ging daher nur nach langen Zwischenräumen an eigene Arbeiten. Ausser seinem eigenen Bildnisse, welches er für einen Freund gemalt hatte, modellirte er die Büste des Alexander von Humboldt, und ein Basrelief für Necker's Grabmal, welche dessen Tochter, die Frau von Staël-Holstein setzen liess. Der Verstorbene erhebt sich von der Erde, mitleidsvoll nach der am Grabe knicenden Tochter gewendet. Die Gattin schwebt schon höher, und winkt dem Gatten. Dieses Basrelief wurde in Marmor ausgeführt und in Coppet aufgestellt. Dann fertigte er auch die Büste des General-Vicars della Somaglia in Marmor, so wie jene der Erzherzogin Maria Anna von Oesterreich. Die Büste Goethe's bestellte der Kronprinz Ludwig von Bayern colossal in Marmor für die Walhalla, und sie wurde 1808 vollendet. Dann arbeitete er auch ein grosses Basrelief aus, welches die Heimholung der Alceste als Braut des Admet vorstellte. Diesen Gegenstand hatte Tieck schon im Schlosse zu Weimar, aber kleiner und etwas anders behandelt, die neue Bearbeitung kam aber nicht zu Ende. Guatani hat die genannten Werke in seiner Zeitschrift für Kunst und Alterthum mit grossem Lobe erhoben.

Im Jahre 1806 verliess Tieck, auf Einladung der Frau von Staël-Holstein Rom, und begab sich nach der Schweiz. In Coppet änderte er jetzt Einiges am Basrelief zum Grabmal des Herrn von Necker, besonders am Kopfe desselben. Dann fertigte er in Genf die Büste der Frau von Staël-Holstein, so wie jene des Wilhelm von Schlegel und des Präfekten der Stadt, des Herrn von Barrante. Von Genf aus begab sich der Künstler nach München, wo ihm mehrere Aufträge zu Theil wurden. Er fertigte die Büsten des Kronprinzen Ludwig, der Frau von Montgelas, des Pri-

Im Jahre 1812 begab sich Tieck wieder nach Rom, wo er in den folgenden Jahren sich der Aufträge des Kronprinzen Ludwig von Bayern für die Walhalla entledigte, und in mehreren ande- ren Compositionen sein vielseitiges Talent erprobte, welches, jetzt frei von den früheren hemmenden Fesseln, mit grösster Freiheit sich bewegte. Zu den genannten Büsten gehören jene des Wil- helm von Oranien, des Stifters der niederländischen Freistaaten, des Kurfürsten Moriz von Sachsen, des Kaisers Friedrich Barbarossa, des Königs Karl X. von Schweden, des Albrecht von Wallenstein, Herzogs von Friedland, des Kurfürsten Johann Philipp von Mainz, aus dem Hause Schönborn, des Herzogs Bernhard von Sachsen, der Landgräfin Amalie von Hessen, des Prinzen Moriz von Ora- nien, des Herzogs Ernst des Frommen von Sachsen, des Herzogs Karl V. von Lothringen, des Admirals Michael Ruyter, des Gra- fen von Zinzendorf, Stifters der Brudergemeinde, jene des gros- sen Gelehrten Hugo Grotius, Aegidius von Tschudi, Erasmus von Rotterdam, Gottfried Ephraim Lessing, Gottfried August Bürger und Johann Gottfried Herder. Alle diese Büsten wurden von 1812 bis 1818 in carrarischem Marmor vollendet, im letzten Jahre jene des Grafen von Zinzendorf. Sie sind jetzt in der Walhalla aufgestellt, bis auf jene des Kaisers Friedrich Barbarossa, welche 1835 Schwanthaler ersetzte. Im Jahre 1832 kam noch jene des Feldmarschals Wilhelm Grafen von Gneisenau, und dann die des Rudolph von Habsburg und des Malers Jan van Eyck hinzu.

Im Jahre 1810 kehrte Tieck nach Berlin zurück, wo er im folgenden Jahre die Stelle eines Professors der k. Akademie an- trat, und zum Mitglied des akademischen Senates ernannt wurde. Später wurde er auch Direktor der Sculptur-Gallerie, wovon er 1830 eine Beschreibung herausgab. Auch bekleidete der Künst- ler, der inzwischen auch zum Ritter des rothen Adler-Ordens ernannt wurde, zu wiederholten Malen das Vice-Direktorat, da diese Stelle unter den Mitgliedern des akademischen Senates wechselt. Tieck fertigte von 1810 an bis auf die neueste Zeit viele Werke in grossartig einfachem, und doch zugleich zartem und elegantem Styl. Seine Büsten zeichnen sich durch charakte- ristische Auffassung aus, und geben in Marmor ein lebendiges und seelenvolles Bild. Er verbindet aber in allen seinen Wer- ken Tiefe des Ausdrucks mit Schönheit und Würde der Gestalt, Auch der Sinn für Grazie fehlt ihm nicht, so dass sich neben den Werken von ernster und grossartiger Auffassung auch Bilder von zarter Schönheit von ihm finden. Dann ist allen Arbeiten dieses

Zu den früheren Werken, welche er nach seiner Feststellung in Berlin ausführte, gehören die 15 Statuen in halber Lebensgrösse, welche das Geschäftszimmer der Kronprinzessin zieren, und die 1820 aufgestellt wurden. Diese Gestalten sind der ersten und der zweiten Epoche der griechischen Mythe entnommen; Im Giebel- felde des neuen Theaters in Berlin ist ein grosses Relief von ihm, welches die Niobe und das tragische Ende ihrer Kinder vorstellt, wobei sich der Künstler mit wenigen Aenderungen an die berühmte Gruppe der Niobe in Florenz hielt. In der Vorhalle des Concert- saales in diesem Schauspielhause ist die Statue Island's sein Werk, für die in Eisen gegossenen Thüren der Werderschen Kirche fer- tigte er die Modelle zu den zwanzig Engeln in Hochrelief. Frü- her als diese Thüren ist der Eisenguss der colossalen Dioscuren auf den Ecken des oberen, die Cuppels einschliessenden, Quadrats des Museum in Berlin. Es sind diess die beiden Pferdebändiger auf Montecavallo, welche er zum Gusse modellirt hatte. Unter den Bi- sten, welche der Künstler vor 1830 ausführte, nennen wir beson- ders jene der Kronprinzessin, der jetzigen Königinn, welche in Marmor von Tieck's Hand, und von Fischer in Erz gegossen vor- handen ist. Das Brustbild des Feldmarschals von Gneisenau, welches Tieck in jener Zeit fertigte, ist ebenfalls von Fischer in Erz gegossen, und mit der Büste der Kronprinzessin ein Mei- sterwerk dieser Art. Dann ist auch noch der grosse und kunst- reiche Leuchter zu nennen, welcher an Rauch's Denkmal der Ko- nigin Charlotte zu sehen ist, und von Tieck modellirt wurde. Die Statue der Hoffnung am Grabmale der Baronin von Humboldt im Schlussgarten zu Berlin hat der Künstler nach Thorwaldsen copirt. Das Original besass bekanntlich diese Dame, wie wir im Leben Thorwaldsen's angegeben haben.

Im Jahre 1830 vollendete Tieck ein monumentales Werk, das über sechs Fuss hohe bronzene Standbild des Königs Frie- drich Wilhelm II. in Ruppin. Der Künstler bewährte hier neuer- dings sein Talent für edle und charakteristische Auffassung, zu welcher sich der Ausdruck ruhiger Milde gesellt. Ferner fer- tigte er im Auftrage des Königs für das Universitätsgebäude die Büste Niemayer's. Auch jene von August Wilhelm Schlegel, und die des Kaisers Rudolph von Habsburg führte er um diese Zeit in Marmor aus, letztere im Auftrage des Königs von Bayern für die Walhalla. Ein Relief in Gyps stellt die Charitas dar, eine liebliche Gestalt. Unter den vielen Portraitmedaillons, welche der Künstler inzwischen grösseren Arbeiten ausführte, nennen wir aus dieser Zeit das Bildniss des Herrn von Knebel in Marmor. Hierauf schmückte Tieck den Sarkophag des General Scharnhorst auf dem Invaliden-Kirchhofe in Berlin mit drei Basreliefs, wel- che sich auf dessen Verdienste um das preussische Kriegswesen beziehen. Der bronzene Löwe ist von Rauch, und die Zeichnung zum Monumente fertigte Schinkel. Dieses Werk erhielt 1835 seine Vollendung, und im Kunstblatt 1835 S. 75 ist es beschrie- ben. Im Jahre 1836 fanden wir die Statue des Heilandes mit der Weltkugel gerühmt, eine würdevolle Gestalt von mildem Aus- drucke, in schön stylisirtem Gewande. Diese Statue ist unter Le- bensgrösse, und in einer Kirche aufgestellt. Ein Meisterwerk der Plastik wurde in demselben Jahre auch seine Clio mit dem Genius der Liebe genannt, welcher in dieser Hinsicht die genannte Cha- ritas gleichgestellt wurde. Im Jahre 1837 fertigte er das Modell zum vergoldeten Adler auf dem Denkmale, welches von den mäh-

Von den von Tieck selbst gemalten Bildnissen erwähnen wir hier auch einer Zeichnung mit dem Bildnisse des Meisters, welche Professor Vogel von Vogelstein 1836 in Dresden fertigte. Sie ist ein Bestandtheil der Portraitsammlung des Letzteren, jetzt im Besitze des Königs von Sachsen.

Thiellmann, s. Thiellmann. 1818, Jo, 40, 8 Tile, Thielmann, s. Thielen,