Thulden, Theodor van

Thulden, Theodor van, Maler und Radirer, geboren zu Her- venbusch. 1607, war Schüler von Rubens, und ein würdiger Nach- folger desselben, der aber mit der Richtung des Meisters das Stre-

Mit ihm und anderen seiner Zeitgenossen verliert sich allmählich der Rubens'sche Geist, doch hat ihre sinnliche Frische und Wahrheit Bedeutung und In- teresse. Dies ist auch mit Th. van Thulden der Fall, dessen wei- chere und zartere Farbentöne mehr an A. van Dyck, wie an die lebensstrotzende Weise des Rubens erinnern. Zu seinen früheren Werken, in welchen sich noch ganz die Weise des Rubens findet, aber mit einer entschiedenen Neigung zum Silbertone, der in den besten späteren Werken des Meisters mit viel Klarheit hervortritt, gehören die Bilder im Schlosse im Haag, wo die Schüler von Rubens einen Saal mit Bildern in Ölzierten, wel- che das Haus Oranien verherrlichen. Die meisten Gemälde sind von Th. v. Thulden. Später begab sich der Künstler mit Rubens nach Paris , wo er an den berühmten Gemälden der Galerie Luxembourg arbeitete, und im Chore der Kirche der Mathurins nach eigener Composition das Leben des heil. Johann von Matha, des Stifters des Ordens der Trinitarier, malte; Diese Bilder, welche der Künst- ler in seinem dreiundzwanzigsten Jahre ausführte, wurden im vor- rigen Jahrhunderte fast ganz übermalt, so dass man danach denselben nicht beurteilen kann. Nach Vollendung dieser Gemälde begab sich van Thulden nach Fontainebleau , um die Werke des Rosso und Primaticcio zu studieren. Bei dieser Gelegenheit zeich- nete er die Darstellungen aus der Odyssee, welche Primaticcio und seine Gehülfen in der grossen Galerie des Schlosses gemalt hatten, und erhielt dadurch diese Compositionen der Malwelt, da die Gemälde der Galerie des Ulysses zu Grunde gegangen sind. Thulden hatte seine Zeichnungen in Kupfer radirt, so wie jene der Gemälde in der Kirche der Mathurins. Die Werke der Schule von Fontainebleau erregten in dem Künstler den Wunsch, Italien zu bereisen, allein seine Aeltern beriefen ihn in das Vaterland zurück, wo er fortan der Kunst lebte. Zuerst übte er diese in Antwerpen, wo er den Meister Rubens traf, welcher 1635 beim Einzug des Erzherzogs Ferdinand die Zeichnungen zu den Fest- decorationen machte, welche von verschiedenen Künstlern in Far- ben ausgeführt wurden. Auch van Thulden war unter diesen, und er malte die Skizzen zu den Triumphbogen, welche sich jetzt im Museum zu Amsterdam befinden. Thulden hat uns die Zeich- nungen durch Radirungen erhalten, welche er für ein Prachtwerk ausführte, das wir unten näher beschreiben. Im Jahre 1638 wurde er zum Direktor der Akademie in Antwerpen ernannt, er ging aber in seine Geburtsstadt zurück, und führte da noch viele Werke aus, da der Künstler erst 1680 starb *),

Die Werke dieses Meisters sind mannigfaltig. Er malte histo- rische Darstellungen von grossem Umfange, und mit bewunde- rungswürdiger Fertigkeit. Dann finden sich auch kleine, fleissig vollendete Gemälde von ihm, meistens Märkte und Kirmessen im Geschmacke von Teniers. Dem P. Neefs, W. Kalf und anderen Meistern malte er oft Figuren in ihre Bilder. In der Kirche der Nonnen von Muisen zu Mecheln sah Descamps mehrere Gemälde von ihm, darunter eine Madonna in der Glorie, welche Milch aus ihrer Brust auf den heil. Bernhard träufeln lässt, 1650. Bei den Bethanier Nonnen daselbst malte er die vier Menschen- *) So lesen wir bei Balkema, Biographie de peintres flamands etc. Gand 1844. Frühere Schriftsteller lassen den Künstler 1660 sterben, Descamps setzt ihn aber noch 1662 unter die Lebenden.

Auch im Auslande findet man Werke von diesem Meister. Im Museum des Louvre ist ein Bild des Heilandes, wie er von meh- reren Heiligen begleitet nach der Auferstehung der Mutter Gott erscheint. Ein Engel trägt die Siegesfahne, andere auf Wolken w zirkuliren. In diesem Hauptwerke aus Thulden's früherer Zeit findet sich noch ganz die Charaktere des Rubens; doch sind die Formen der Körper etwas feiner, der Ton der Farbe silberner und für ihn seltene Klarheit. Der Eindruck des Ganzen hat indess etwas zer- streutes. In der Gallerie des Belvedere zu Wien ist ein Gemälde mit lebensgrossen Figuren, welches die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Throne vorstellt, wie ihr die allegorischen Gestalten von Flandern, Brabant und Hennegau huldigen, bezeichnet: T. van Thulden fec. 1654. Ein zweites Gemälde stellt in schwach lebensgrossen Figuren die Heimsuchung Mariä dar, und ein drittes (13'— 13') enthält eine Allegorie: die Rückkehr des Friedens über dem Bild eines jungen Helden, dessen Wagen vier allegorische Figuren ziehen, während zwei andere ihn krönen, und Menschen sedes Alters ihm huldigen. Bezeichnet: T. van Thulden fec. Ao. 1668. In der Gallerie des k. Museums zu Berlin ist ein Gemälde von bedeutender Dimension, der Triumphzug der Galathea über das Meer, ein Prunkbild in weichen zarten Farbentönen, ehedem Charlottenburg. Die Gallerie zu Schleissheim bewahrt von Th. van Thulden den heil. Joseph mit dem Kinde in einem Blumenlauben, eine lebensgrosse halbe Figur. In der Dresdner Gallerie sah man früher ein kleines Bauernstück in Teniers Manier. Im grossen Marmorsaale zu Potsdam sind zwei allegorische Darstellungen, die eine auf die Geburt des Churfürsten 1657, die andere auf den 1679 zu Nymegen geschlossenen Frieden. Diese beiden grossen und reichen Gemälde liess Friedrich I. fertigen. In der Gallerie zu Braunschweig sieht man das grosse Bild aus Salz- delen, welches Herse vorstellt, wie sie mit ihrem Gemahl zum Opfer geht. In der Gallerie zu Pommersfelden werden ihm drei gross

Ausserdem sind auch im Privatbesitze Gemälde von diesem Meister, und auch Zeichnungen kommen vor, so wie Stiche nach seinen Werken.

Das Bildniss van Thuldens, nach A. van Dyck von P. de Jode gestochen, halbe Figur, fol.

Herodias empfängt vom Henker das Haupt des Johannes, halbe Figur. Theodor van Tulden pinx. Quirin Marck sc. gr. qu. fol.

Der Heiland, die Apostel und die Evangelisten, mit den Mar- terscenen im Grunde, 17 Blätter von P. de Baillu u. A, kl. fol.

Mehrere Heilige von Baillu und R. Persyn gestochen.

Allegorischer Titel zu einem geistlichen Buche. De Justitia et jure — alus, gest. von J. Neeffs, kl. fol.

Venus mit den Waffen des Mars, nach dem Bilde im Ora- nier-Saal, gest. von P. Tanié, gr. fol.

Die Cyclopen in der Schmiede des Vulkan, gest. von dem- selben.

Eigenhändige Radirungen dieses Meisters.

Die Blätter des T. van Thulden sind meistens zu Folgen und in Prachtwerken vereiniget, welche selten vorkommen. Einige sei- ner Blätter sind mit einem Monogramme bezeichnet, wie jene aus der Odyssee nach Primaticcio, andere mit T. v. T., wie die Radi- rungen aus dem Leben des Johann von Matha.

  1. David auf der Harfe spielend, nach Bon Boulogne trefflich radirt. Seltenes Blatt, fol.

  2. Die heil. Familie. Maria hält das Jesuskind auf dem Schoosse, und dieses spielt mit einer Taube, welche ihm Johannes reicht. Links unten das Monogramm T. v. T. Hoch 4.

  3. St. Franz v. Sales, der das Kind aus der Hand der Ma- donna empfängt, nach Maratti, ohne Namen desselben, 4.

  4. Die Geschichte des verlorenen Sohnes. Folge von 6 nume- rirten Blättern. Auf dem ersten steht: A. Boudan excud. Cum Pri. Regis Theodor van Thulden Invent. et fecit, 8.

Es gibt Abdrücke mit dem Titel: De verlooren Soon, door P. P. Rubens, und mit der Adresse: P. v. de Berge exc., Frenzel, Catalog Sternberg III. Nr. 2350 sagt ferner, dass sich Drucke mit: Rubens fec., finden. Die drei ersteren Blätter weichen im Machwerk von den andern etwas ab, und sie wurden daher früher dem Rubens beigelegt. Diese Folge rührt indessen der Erfindung und der Radirung nach von unserm Künstler her.

  1. Das Leben des heil. Johannes von Matha und die Geschichte der Gründung des Ordens der Trinitatier durch denselben, schöne und reiche Compositionen in der Kirche der Mathu- rins zu Paris, 25 Blätter mit dem Titel: Revelatio Ordinis S. S. Trinitatis redemptionis captivorum sub Innocentio III.
  1. Parisiis 1509, gr. 8.
  1. Die Darstellungen aus der Odyssee, von Primaticcio und seinen Schülern in Fontainebleau gemalt, Folge von 58 Blättern unter dem Titel: Les travaux d'Ulysse dediez a

Monseigneur de Liancourt par Theodor van Thulden. Links

Naglers Künstler-Lex. Bd. XVIII, 29

  • Ein Ungenannter (Kilian?) hat dieser 58 Blätter von der Gegenseite copirt, und deutsche Verse darunter gesetzt. Mit u. fol. In verkleinertem Maasstabe schön radirt haben wir diese Composition von M. Küsell und A. Kraus, 58 Blätter in 12. Augsburg 1081, 1702.
  1. Quos Ego. Neptun befiehlt dem Meere und den Winden, Neptune stemmende — timores. P. P. Rubens inv. Theod. G. Thulden del., et sculp. qu. fol.

  2. Der feierliche Einzug des Erzherzogs Ferdinand von Oester- reich, Infanten von Spanien, in Antwerpen 1635, nach dem Entwürfen von Rubens, Folge von 43 Blättern mit Titel und dem Bildnisse des Cardinal-Infanten von J. Neeffs. Diese Blätter stellen den Einzug des Erzherzogs, die Triumphpor- ten mit ihren Gemälden, und letztere auf einzelnen Blät- tern in grösserem Formate dar, gr. fol.

Dieses seltene Prachtwerk kommt in Drucken auf Perg- ment und Papier vor. Die ersteren weichen in Etwas von den anderen ab, und haben auch die Jahrzahl 1641. S. H. J. van de Byure, Catalogue des livres imprimes sur vélin de la bibliotheque du Roy. A Paris 1822. Ein Exemplar auf Pergament hat den Titel: Pompa introitus honoris Sereniss- imi Principis Ferdinandi Austriaci Hispaniarum Infantis ex Anverpiae venientes exemplaria apud Theod. G. Thulden, 1. Iconum tabulas ex Archetypis Rubenianis delineavit et scul- sit. — Anno Salutis CI9.IDC.XLI.

Exemplare auf Papier haben den Titel: Pompa Introitus honoris Ferdinandi Austriaci Hispan., Infant. S. R. E. Card- inalis a. S. P. Q. Antverp. decreta et adornata, XV. Kal. Ma- jor. a. CI9.IDC.XXXV. Arcus, Pegmata Iconesq. a Pet. Paulo Rubenio inventas et delineatas, Inscriptionibus ornabit, comment. illustrabat Casperius Gevartius, Iconum Tabulas, ex Archetypis Rubenianis delineavit et sculpsit Theod. G. Thulden. Antverpiae apud Joannem Meursium. Am Ende: Antverpiae excudebat Joannes Meursius typographus iu- stus, anno salutis CIV.IDC.XLI. gr. fol.

Diesem Werke ist manchmal ein Blatt beigelegt, welches ebenfalls eine Triumphpforte enthält, die aber nicht ab- gebildet wurde. Die eine Hälfte des Blattes gibt die Vor- faccade mit gewundenen Säulen, die andere Hälfte die an- derarade Säulen, so wie sie die Rückseite des Bogens dar- stellt.

Dieses Blatt ist ohne Namen und kommt einzeln sehr sel- ten vor, gr. fol.