Thorwaldsen, Bertel

Thorwaldsen, Bertel, waldsen betrachtete diese Bestellung als eine der grössten Ehren- bezeugungen, die ihm noch zu Theil geworden waren. Den Be- stimmungen zufolge sollte dieses Monument aus der Portraitstatue des Papstes in natürlicher Grösse, und den zwei allegorischen Fi- guren der Sapientia coelesta und der Fortitudo divina bestehen. Im Jänner 1824 modellirte er die erste Skizze, in welcher der Papst sitzend mit einem Palmzweige in der Hand, und zwei Engeln, die eine Sternenkrone über seinem Haupte tragen, dargestellt war. Diese Skizze wurde nicht angenommen, da Palmzweig und Krone die Würde eines Heiligen andeuten. Am Schlusse desselben Jah- res scheint Thorwaldsen vollkommen mit sich selbst einig gewor- den zu seyn, und Bienaimé sen. bereitete das colossale Modell vor. Der Kopf wurde nach einer Büste modellirt, die er schon früher ausgeführt hatte, und bei der Ausführung der Draperie be- nützte er den päpstlichen Ornat. Im Februar 1825 war das Werk so weit ausgeführt, dass man auch in diesem jenein Ausdruck der Grösse erkannte, der alles characterisirt, was aus Thorwaldsen' Geist hervorging. Im April war die colossale Hauptfigur im Ther- modelle vollendet, und wurde in Gyps abgegossen. Er ist in vol- lem Ornat auf dem päpstlichen Stuhle sitzend dargestellt, sitzen- den mit erhobener Rechten. Das vollendete Gypsmodell gehörte zu den wichtigsten Kunstneuigkeiten in Rom ; einige meinten aber, es sei ein Scandal, dass ein Ketzer dem Oberhaupt der Christen- heit ein Denkmal in der ersten christlichen Kirche setzen wollte. Allein Thorwaldsen errichtete sein Meisterwerk in der Clementine der Peterskirche, und es war das letzte Monument, welches dem- selbst seine Stelle fand. Die Sapientia coelesta stellte er unter der Minerva des Christenthums dar, mit der Eule zu ihren Füssen, und die Fortitudo divina erscheint als Jule der christlichen Kunst, wo- bei sie mit nach dem Himmel gerichteten Blick die Keule, das Sym- bol der irdischen Kraft, mit Füssen tritt. In diesen beiden Figuren hat der Künstler gewiss Alles übertroffen, was die Symbolik in dieser Art aufzuweisen hat. Das ganze Denkmal wurde 1830 in Marmor vollendet; bei der Aufstellung boten sich aber Schwierig- keiten dar. Er scheint erst jetzt in Erfahrung gebracht zu haben, dass die Leiche in dem Monumente selbst ruhen sollte, welches zur Folge hatte, dass die ganze Masse desselben vorgeschoben werden musste, um die gehörige Tiefe nach der Länge der Leiche zu gewinnen. Dadurch wurde die Ausladung der Resalite, welche die Seitenpi- laster bilden, vergrössert, so dass die Vorschiebung gegen den Hin- tergrund gar zu auffallend war. Diesem musste durch die Meister- ung der Resalite abgeholfen werden. Dann war ihm auch das Maass der Höhe des Bogens, unter welchem das Monument auf- gestellt werden sollte, um 5—6 Palmen zu klein angegeben wor- den. Dadurch entstand in der Höhe ein gar zu grosser leerer Raum, und er modellirte daher in unglaublicher Eile zwei Engel, die bei der am 2. April 1831 erfolgten Enthüllung des Monuments in Gyps abgegossen und hineingestellt, aber unverzüglich in Marmor ausgeführt wurden. Das Monument mit den allegor- ischen Figuren und den Engeln gibt Thiele Nr. 147—152. Am 26. August 1824 wurde Thorwaldsen Honorary Member of the American Academy of the fine arts, und am 13. December Socio correspondente per le classe di litteratura e belle arte del Accademia Labronica di Livorno. In diesem Jahre nahm ihn die Gesellschaft der Arkadier als Pastore fra gli Arcadi auf, und bei der Krönungsfeier in Berlin wurde er mit dem rothen Adler- orden beehrt. Ausser dem Monumente des Papstes erwähnen wir aus jenem Jahre auch noch das lebensgrosse Modell eines Löwen.

Zeit des Künstlers vollendet, und in der Grabkapelle des Fürsten zu Neapel aufgestellt wurde. Das Modell vollendete der Künstler im Laufe des erwähnten Jahres. Hierauf beschäftigten ihn zwei andere monumentale Werke, die in ihrer Ausdehnung von grö- ßerer Bedeutung sind. Schon im Jahre 1833 erhielt er den Auf- trag zu einer Statue Gutenberg's, welche die Stadt Mainz dem Erfinder der Buchdruckerkunst setzen liess. Die Statue er- reichte eine Höhe von 12 Fuss, und wurde von Fayardt zu Paris in Bronze gegossen. Die Einweihung erfolgte 1853, bei welcher Gelegenheit dem Künstler das Diplom als Ehrenbürger von Mainz in einem reich verzierten Futteral überreicht wurde. Lorenz von Berlin schnitt unter Thorwaldsen's Leitung eine Denkmünze, wel- che Faust und Gutenberg vorstellt. Auch J. J. Neuss fertigte eine Denkmünze mit der Statue Gutenberg's. Das zweite Monument ist jenes von Friedrich von Schiller, des nationalsten der deutschen Dichter. Im Jahre 1836 ging das Gypsmodell nach Mün- chen ab, wo Stiglmayer damit ein Meisterwerk des Erzgusses her-

nen wir unten. Im Jahre 1830 gingen auch zehn Apostelstatuen in Marmor nach Copenhagen ab, mit zwei und dreissig verschie- denen Basreliefs in Marmor und Gyps, grösstentheils schon früher begonnene Werke. Von neuen Werken, welche um jene Zeit die Vollendung erhielten, nennen wir aus dem Jahre 1834 das Bas- relief der Parzen, welches alle übrigen bis dahin erschienenen Bildwerke dieser Art übertreffen soll. In den zu Glogau bei Flem- ming erschienen Werken Thorwaldsen's ist es gestochen. Für die gräflich Potocki'sche Capelle in Krakau vollendete Thorwaldsen ein Christusbild, und für die Schlosskirche in Copenhagen fert- igte er ein Basrelief, welches den erstandenen Heiland und die drei Marien in der Ferne vorstellt. Für das Stadt- und Ge- richtshaus daselbst lag 1834 das Basrelief mit dem Urtheil Sa- lomons fertig da. Beide sind in Frontispizform behandelt. Bei Gelegenheit der Entdeckung der Gebeine Rafael's im Pantheon fand er sich zu einer Apotheose dieses unsterblichen Künstlers begei- stert. Rafael sitzt mit der Tafel in der Hand auf den reich ver- zierten Resten eines Architravs von der Siegesgöttin bekrönt, wäh-

rend Amor ihm eine Rose bietet. Dieses liebliche Basrelief ist in

der Glogauer Ausgabe der Werke Thorwaldsen's gestochen. Aus dieser Zeit ist auch das Basrelief der Nemesis nach Herder's Idee. Die geflügelte Göttin wird auf einem Wagen von zwei Pferden ge- zogen, wovon das eine widerspenstig ist. Hinter dem Wagen ge- hen zwei geflügelte Genien, und über der Gruppe wölbt sich der Zodiacus, in dessen Höhepunkt die Waage erscheint, Dike, die Tochter der Nemesis als Göttin der Gerechtigkeit. Abgebildet in der bei Flemming zu Glogau erschienenen Ausgabe der Werke Thorwaldsen's. Andere Reliefs aus derselben Zeit von 1837: Merkur, Psyche, Ganymed, Hebe und Ganymed, die vier Jah- reszeiten, sind ebenfalls im ersten und zweiten Hefte der Glo- gauer Ausgabe gestochen. Im Jahre 1830 vollendete er ein Bas- relief, welches Hektor's Abschied von Andromache vor- stellt, ein Werk im Geiste der griechischen Kunst. Eine Statue der Nymphe Salmacis in Marmor, welche sich in der letzteren Zeit in der Gallerie Aguado zu Paris befand, ist von Bernardin gestochen. Ein kleiner, sitzender Merkur wurde 1835 von Fi- scher zu Berlin in Bronze gegossen. Ausserdem erreichten bis zum Jahre 1837 mehrere frühere Arbeiten ihre Vollendung, worauf wir schon oben hingewiesen haben. Dann restaurirte der Künstler in dem bezeichneten Jahre auch eine antike Bronzestatue, welche 1824 bei Volci aufgefunden, vom Könige Ludwig von Bayern für die Glyptothek in München angekauft wurde. Es fehlte der Kopf und Thorwaldsen modellirte daher einen neuen. Er wählte den Junonischen Typus, während vermuthlich nur eine Portraitstatue vorhanden ist. Stiglmayer goss diesen Kopf in Erz. Die Abbil- dung findet man im Kunstblatt 1838. Nach dem Ablauf des Jahres 1837 waren die meisten Arbei- ten, welche Thorwaldsen für das k. Schloss und die Frauenkirche

in Kopenhagen ausgeführt hatte, bereits an Ort und Stelle, und da er immer einen Theil seiner anderen Bildwerke in Gips oder Marmor mitfolgen liess, so entstand jetzt bei der Nation der Wunsch, ein eigenes Museum für seine Kunstschätze zu bauen. Ein Verein von seinen Bewunderern liess die Aufforderung zu Beiträgen ergehen, und bald war eine Summe zusammengebracht, welche das schöne Unternehmen in erfreuliche Aussicht stellte, ohne dass man noch von der bedeutenden Schankung des Künstlers gewisse Gewissheit hatte. Der König gab den Bauplatz her und der Ar- chitekt Bindesbøll fertigte einen Plan zum Museum, welchen Thor- waldsen vor anderen für zweckmässig und würdig erkannte. Das Gebäude stand aber erst beim Tode des Künstlers vollendet da, so dass wir später darauf zurückkommen. Die Liebe, welche er sich im Vaterlande erworben hatte, bewog ihn endlich selbst zur Rückkehr, und den 7. August 1838 reiste er von Rom ab. Die Fregatte Rota brachte ihn am 17. September in den Hafen von Kopenhagen. Es war bei seiner Ankunft ein allgemeiner Jubel, ein so wahrhafter Enthusiasmus, welchen man in Kopenhagen erlebt hatte. Tausende strömten hinunter, um den heimkehrenden Landsmann, den ruhmgekrönten Künstler jubelnd zu empfangen, welcher neunzehn Jahre die Vaterstadt nicht mehr gesehen hatte. Im Triumphe wurde er in seinem Wagen vom Volke nach der Charlottenburg gezogen, welche ihm zu seiner Wohnung eingerichtet ward. Jetzt folgten Feste auf Feste, bei welchen Freude und Begeisterung einzogen, so dass der greise Künstler mit dem weißen Haar einmal selbst die Polonaise tanzte. Allein wenn ihn auch die Huldigung freuen musste, so war sie doch von der Länge drückend, und er sehnte sich nach der gemächlichen Ruhe des Hauses. Er fand diese auf Nysøe, dem Sitze des Baron Stampe, welcher durch Thor- waldsen in Dänemark berühmt geworden ist. Hier fand er sich heimisch, hier schien er fest zu wachsen, hier sind eine Reihe seiner schönsten Werke geschaffen. Der kindliche Sinn der Baronin Stampe lauschte ihm jeden kleinen Wunsch ab, machte ihm den Aufenthalt zu einem Paradiese, wo lauter Freunde ihn umfingen. Im Garten zu Nysøe hatte er ein kleines Atelier, wo er sich noch als Greis mit jugendlicher Frische den Eingebungen seiner Phantasie hingab, wenn nicht Besuche, Concerte, Spazierfahrten und Spielparthien seine Zeit- ausprüche nahmen. Beim Lottospiel konnte er recht aufgeräumt seyn, und manchen Scherz treiben.

Thorwaldsen's schöpferische Kraft sprach sich auf Nysøe in mannigfaltigen Bildern aus, zuerst in einer Anzahl der lieblichsten Basreliefs nach griechischen Dichtungen, besonders der mythi- schen Mythe. Neu und romantisch ist eine Darstellung der Frei- ung der Andromeda, Perseus hat das Unthier getödteit und die Gerettete auf den Rücken des Pegasus gehoben, neben welchem er bereits fortschwebt, hin über das Ungethüm. Amor eröffnet mit dem Schwerte des Helden den Flug. Eben so schön auch die Fabel der Leda behandelt. Der Schwan ist durch die Wellen ziehend gedacht, aber schon empfängt ihn Leda liebend am Ufer, während Amor mit dem Donnerkeil entflieht, der zu den menschlichen Schwächen des Gottes nicht passt. Für die Ba- ronin Stampe fertigte er ein liebliches Relief, welches Diana vor stellt, wie sie schmeichelnd den Jupiter um jungfräulichen Schutz und das Geschäft der Jagd bittet. Bei der Feier der silbernen Hochzeit der dänischen Majestäten überreichte er der Königin ein Medaillon, auf dem Hymen und Amor ihre Fackel durch Ranken- gewinde verbinden. Ein anderes Relief, welches die Baronin

In der letzteren Zeit verliess Thorwaldsen gerne die Welt der alten Götter, um auf christlichem und biblischem Gebiete seine Thätigkeit zu zeigen, und so entstanden in Copenhagen auch Werke dieser Art, welche zu den schönsten des Meisters gehören. Diess ist unstreitig die Composition der Fall, welche Rebecca am Brunnen vorstellt, eine lebendige Scene von hoher Anmuth. Von kleineren Reliefs aus dem neuen Testamente gehören folgende dieser Zeit an: Die Samariterin am Brunnen, Christus und die Kindlein, Christus in Emaus. Im Grossen sind diese Compositionen als Altarschmuck des Asylgebäudes zu Neu- münster ausgeführt. Von ausgezeichneter Schönheit sind auch zwei Basreliefs, welche über den beiden Armenkästen in der Frauen- kirche angebracht sind. Das eine derselben stellt einen Engel mit einem armen Knaben vor, und ist von solcher Lieblich- keit, dass sich seit der Aufstellung am Gotteskasten die Beiträge verzehnfacht haben. Für ein Grabmal in Lübeck modellirte er einen knieenden Engel, welcher auch in Marmor ausgeführt wurde. Vor dem Altare der Frauenkirche ist der Taufengel von der Erfindung dieses Meisters, und eine Gestalt von grosser Schönheit. Als Meisterwerke der christlichen Richtung sind aber zwei grosse Basreliefs zu betrachten, wovon das eine den Einzug Christi in Jerusalem (L. 24 Ellen, H. 2 Ellen), das andere den Zug des Heilandes nach Golgotha darstellt. (L. 30 El- len, H. 3 Ellen). Die Wahl der Gegenstände ist grandios und classisch; die Idee, dass das Volk von Jerusalem den Herrn ein- mal jubelnd empfängt, und das andere Mal kreuzigen lässt, ist in so tragischer Tiefe und in solcher Hoheit nie zur Anschauung gekom- men, selbst nicht in Rafael's berühmter Kreuztragung. Der Gang nach Golgatha ist Thorwaldsen's Hauptwerk der christlichen, so wie der Alexanderzug jenes der historischen Richtung ist. Beide sind epische Kunstwerke, durch eine fortlaufende Reihe von Bas- reliefs gebildet; die Natur derselben ist aber eine ganz verschie-

ihn umgebenden Frauen und den Verbrechern die mittelste Haupt- gruppe, die römischen Centurionen und das Kriegsvolk die erste,

Silatus und die reitenden Pharisäer die letzte Abtheilung bilden,

Im Herbst des Jahres 1840 wurde dieses in Auffassung wie in Ausführung vorzügliche Werk in der Frauenkirche über der ziem- lich hohen vergoldeten Altarnische, in welcher das knieende Chri- stusbild sich befindet, angebracht. Die Figuren sind sechs Fuss hoch, also höher, wie wohl bei einem Basrelief der neueren Zeit, aber dennoch ist der Platz zu hoch, um es mit blossen Augen deutlich zu sehen. Zugleich mit ihm wurde der Einzug in Jeru- salem unter dem Säulenportal* der Kirche über den Eingangsthü- ren aufgestellt, ebenfalls keine Stelle, wie sie weisse Figuren auf gleichfarbigem Grunde erfordern.

Ausserdem enthält jetzt die Frauenkirche von Thorwaldsen die zwölf Apostel zu beiden Seitenwänden des Schiffes; zwei lieb- liche Basrelief über den Armenkästen rechts und links, wenn man eingetreten ist, und einen Taufengel vor dem Altar. Im Fronti- spice des Portals ist der Täufer Johannes predigend in der Wüste, Figuren von Thon. Diese Werke sind aber zu ausgedehnt, als dass sie Thorwaldsen allein hätte ausarbeiten können, und er musste daher tüchtige Gehilfen wählen. So wurde der Einzug Christi im Atelier des Bildhauer's Freund ausgeführt, aber von Thor- waldsen sorgfältig überarbeitet, wie dies auch mit dem Zuge nach Golgatha der Fall ist, welchen der Künstler in seinem Attelier auf Nysoe ausarbeiten liess. Die Bildhauer Mathäi, Bo- rup, Petersen, Fräulein Herbst und andere waren bei der Aus- führung der grösseren Sculpturen thätig.

Damit ist aber das Verzeichniss der Werke, welche Thor- waldsen bis zu seiner zweiten Abreise nach Italien zu Copenha- gen ins Daseyn rief, noch nicht geschlossen; es sind noch deco- rative und monumentale Arbeiten zu erwähnen, und Bildnisse grosser Männer. Mathäi modellirte unter seiner Leitung Deco- rationen für das Schloss Christiansburg. Für die Nischen neben dem Hauptportale wurden vier Statuen bestellt, wovon er alsobald Skizzen machte, die er aber später verwarf, indem er die Statuen ummodellirte. Für den grossen Fronton modellirte er andere Fi- guren. Jene des Okeanos wurde 1840 ausgeführt. Ferner erhielt er den Auftrag zur Anfertigung eines grossen Reliefs für den Fronton des neuen Rathhauses. Dann fertigte er das Modell zu einer lebensgrossen Statuette des Königs Christian IV., die im Erz gegossen im Dome zu Roeskilde aufgestellt wurde. Dann fertigte er auch das Modell zur Statue des Königs Frede- rık IV. von Dänemark, welchen er sitzend auf dem Throne vor- stellte, wie er die Institution der Stände in der Rechten hält. Diese Statue wird in Erz gegossen, und im Rosenburger Garten aufge- stellt. Für die Medaillen auf den Regierungsantritt und die Ju- belhochzeit Christian's VIII. von Dänemark lieferte er zwei Skiz- zen, nach welchen die Revers der Denkmünzen ausgeführt wur- den. Für das Denkmal des Predigers Hans Massen führte er ein Relief aus, welches denselben vorstellt, wie er dem Grafen Ranzow die Pläne der Feinde mittheilt, um einen schlim- men Anschlag zu vereiteln. Im Auftrage der Stadt Glasgow fer- tigte er ein Modell zur Statue Wellington's, welche daselbst errichtet werden sollte. Dann überschickte er der Stadt Frankfurt zwei Skizzen zum Denkmal Göthe's, welchen er sitzend und stehend vorstellte. Die letztere dieser Skizzen wurde vom Co-

—, Launitz, andere für Professor Tieck aussprachen, und zuletzt

führte der bayerische Thorwaldsen Schwanthaler das Werk aus, Dann sind auch noch einige Büsten zu nennen, welche Thorwald- sen in Copenhagen modellirte. Die Büste des Dichters Holberg ist des erste Werk, welches er bald nach seiner Ankunft unter- nahm. Weiter folgten die Büsten von Oelenschläger, Stef- fens, und jene des Grafen Danneskjold. Endlich folgte noch sein eigenes Bild in lebensgrosser Figur, allein es soll ihm schwer geworden seyn, es auszuhalten, sich selbst zum Ge- genstande seiner künstlerischen Thätigkeit zu machen, und nur den Bemühungen der Frau von Stampe verdanken wir dieses schöne Bild. Er stellte sich mit dem Hammer in der Rechten dar, wie er sich auf den jugendlichen Genius der Hoffnung stützt, Im Mai des Jahres 1841 reiste Thorwaldsen in Begleitung der Freifrau von Stampe von Copenhagen ab, um durch Deutschland wieder nach Italien zu gelangen, da in Rom noch mancherlei Verrichtungen seine Gegenwart nothwendig machten. Diese Reise ist in der Kunstgeschichte einzig, denn sie glich einem Triumphzuge, In allen grösseren Städten, die er berührte, zumal in denjenigen, welche durch öffentliche Monumente seiner Hand geschmückt sind, bereitete ihm der Enthusiasmus einen Empfang und Festlichkeiten, wie sie sonst nur Fürsten in ihrem eigenen Lande zu Theil wur- den. Ueber die Reiseroute gibt das Kunstblatt 1841 S. 202 Nach- richt, und auch über den Empfang und die Feste, welche ihm in Berlin, Dresden, Leipzig, Frankfurt, Mainz, Stuttgart, Mün- chen bereitet wurden, finden wir in den Nummern des genann- ten Kunstblattes ausführlichen Bericht. Von München aus begab sich der Künstler nach Hohenschwangau, von da über Lindau nach Luzern, dann über Bern und den St. Gotthard nach Mail- land, und weiter nach Rom, wo er den 13. September eintraf. Künstler und Verehrer aller Nationen gingen ihm entgegen, die Professoren und Mitglieder der Akademie von St. Luca begrüss- ten ihn am folgenden Tage feierlich, und Feste wurden ihm zu Ehren vorbereitet, Er wurde überall mit einer früher nie gese- henen Auszeichnung behandelt. Sein thätiger Geist liess ihn aber nicht lange ruhen. Er beschäftigte sich anfangs meistens mit Zeich- nen, und lieferte einige herrliche Compositionen, unter denen vorzüglich die sieben Wochentage, durch Genien versinnlicht, bewundert wurden. Hierauf fertigte er für den König von Württemberg sechs Basreliefs, Vier derselben stellen die Jahre- zeiten vor, eines die Hirtin mit den Liebesgöttern in Nestle, und das sechste zeigt Amor, wie er sich bei der Venus über den Stich der Rose beklagt. In den Weihnachtstagen 184 machte er ein Basrelief, welches die Anbetung der Hirten vor- stellt. Im Jahre 1842 modellirte er die letzten zwei Statuen der Apostel, welche zu Rom in Marmor ausgeführt wurden, und jetzt in der Frauenkirche zu Copenhagen aufgestellt sind.

Anfangs wollte ihm das römische Clima nicht mehr zusagen, und er dachte an eine baldige Rückkehr; allein nach kurzer Zeit fasste er den Entschluss, in Rom seine Tage zu beschliessen, und er nannte einen Bevollmächtigten, welcher die für das Thorwaldsen Museum in Copenhagen bestimmten Kunstschätze dahin bringen sollte, was aber alles der Bestimmung des Ewigen entgegen war; denn der Künstler kehrte später doch in die Heimath zurück. Auch in Copenhagen harrte man seiner Ankunft entgegen, und als mit

Endlich dachte der Künstler mit Ernst an die versprochene Abreise nach Rom, die sich wider seinen früheren Entschluss in die Länge gezogen hatte. Er wollte in Rom an einige Werke seine letzte Hand legen, namentlich an die Apostelstatuen und an das Standbild des unglücklichen Conradin, so wie an die Basreliefs am Königsmonumente. Allein der Rathschluss des Ewigen lautet anders. Der noch von den schönsten Hoffnungen beseelte eifrige Greis starb den 24. März 1844 unerwartet schnell in Folge eines Schlaganfalles, in einem Alter von 73 Jahren und vier Monaten. Er war bis zum Ende in voller Thätigkeit. Die colossalen Statuen des Herkules und Aesculap für die Christiansburg und mehrere Basreliefs gehören zu seinen letzten, zum Theil unvollendeten Arbeiten. Herkules wurde noch fertig, Aesculap nicht. Noch an seinem Todestage hatte er den ganzen Vormittag an einer Büste Luther's gearbeitet, die eine Vorarbeit für oben genau lebensgroße Statue seyn sollte, welche er für die Frauenkirche ausführen gedachte. Sie war bis auf einige unwesentliche Kleinheiten der Vollendung nahe. Am 30. März war die Leichenfeier so groß, wie nie eine solche in Copenhagen gesehen wurde. Die Leiche wurde aus dem Antikensaale nach der Frauenkirche getragen. In dieser nahm sie der König in Empfang, und auch der König und die königl. Familie wohnten der Feier bei. Seine Ruhestätte fand er in Mitte seines Museums, und zum Grabsteine hatte er seine eigene Statue, auf die Hoffnung gelehnt, modellirt *), In seinem Testamente vom 5. Dec. 1838 schenkte er alle seine Kunstgegenstände der Stadt Copenhagen, unter der Bedingung, dass sie ein Museum zu ihrer Aufnahme errichten lasse. Diess ist auch geschehen. Der Künstler selbst unterzeichnete zu dem Baue 3200 Thaler. In kurzer Zeit waren 60000 Thl. beisammen, und was noch fehlte, trug die Stadt bei. Anfangs wollte man die sogenannten

*) Ueber die Leichenfeier s. Altonaer Merkur, und Kunstblatt 1844, Nr. 42. Auch der Sectionsbericht ist da zu lesen.

Marmorkirche benutzen, später aber gab der König ein mit Flügeln versehenes, zum Christiansburger Schloss gehöriges Gebäude zu diesem Zwecke her, welches aber nach dem Plane des Architekten Bindesböll ganz umgebaut wurde. Beim Tode des Künstlers ging dieser schöne, im pompejanischen Style verzierte Bau seiner Vollendung entgegen. In einem Codicill vom 25. Jänner 1844 setzte der Künstler dieses Museum auch zum Erben seines Nachlasses ein *). Auch verfügte er darin, dass die Ausführung seiner unvollendeten Werke gegen Vergütung aus dem Fonds des Museums dem Professor Bissen, einem der berühmtesten Schüler des Meisters, anvertraut werden solle, dem überhaupt die specielle künstlerische Aufsicht des Museums übertragen worden ist. Das Museum ist ausserordentlich reich an Kunstsachen von diesem Meister, da sich nicht allein seine eigenen Arbeiten daselbst befinden, sondern auch die von ihm erkauften Vasen, Bronzen, Marmore, Gemmen, Terracotten, Lampen, Münzen, Schmucksachen, Kupferstiche und Zeichnungen, Bücher u. s. w. befinden. Es kamen vom 1837 an mehrere Ladungen in Copenhagen an. Zu Ende des Jahres 1844 brachte die Fregatte Gession den Rest mit sich, der noch aus mehr denn hundert Kisten bestand. Sein Meublement und die zurückgelassenen Effekten wurden 1845 in Rom versteigert. Alles ging zu hohen Preisen weg, so dass sich die Verehrung des Meisters bis auf das Kleinste erstreckte. Drei einfache Meissel wurden von Engländern mit 400 und 600 Frs. bezahlt. Im Jahre 1845 fertigte Lic. Müller, Inspektor des k. Münzkabinets, ein Verzeichniss dieses an antiken Denkmälern aller Art reichen Museums, das 1846 im Drucke erschien. N. Hoyen gab schon 1837 eine Schrift über das Museum des Künstlers heraus: Ueber Thorwaldsen und sein Museum. Aus dem Dänischen von G. F. von Jenssen. Hamburg 1837, 8.

Ueber die Verdienste dieses Meisters herrscht nur Eine Stimme; grossartig, unerschöpflich und allgeheert wie er war, wird sein Ruhm unsterblich seyn. Er stand lange hoch über alle Zeitgenossen, denn keiner wusste wie er den Adel und die Keuschheit der griechischen Kunst in sich aufzunehmen, und mit eben so reichem Geiste, wie mit tiefem und innigem Gefühle zu durchaus neuen und eigenthümlichen Schöpfungen zu beleben. Sein Stern stieg im fernen Norden empor, er leuchtete aber in erster Grösse über Rom, und verdunkelte jenen eines Canova, welcher in seiner lebensvollen, oft sinnlichen Weichheit nur noch von einem Theile seiner Landsleute über Thorwaldsen gesetzt wird,