Thon, Constantin

Thon, Constantin, Architekt , und Professor an der kaiserlichen Akademie in St. Petersburg , von Geburt ein Deutscher, machte seine Studien an der genannten Anstalt, und ging dann als Pen- siönar des Kaisers Alexander nach Rom , wo er mehr als ein De- cennium verweilte, und mit der klassischen Architektur vollkommen vertraut wurde. Er zeichnete viele architektonische Denkmäler aus der römischen Kaiserzeit, und stellte mehrere in ausgeführten Zeichnungen her. Seine Restauration des Tempels der Fortuna in Präneste war es namentlich, welche den Künstler in weiterem Kreis bekannt machte. Er hatte die Zeichnungen selbst radirt und ge- stochen, und unter folgendem Titel herausgegeben: Il Tempio della Fortuna Prenestina ristaurato da Costantino Thon, Architetto pensionato da S. M. Imperatore della Russia, descritto da Ant. Nibby publico Professore di Archeologia nella universitä della Sapienza. Roma 1825. Hierauf schritt Thon zur Herausgabe seiner Restauration der Kaiserpaläste auf dem Palatin in Rom, welche unter folgendem Titel mit eigenhändigen Radirungen und Stichen erschien: Il Palazzo dei Cesari sull' monte Pala- tino restaurato da Costantino Thon, Architetto della corte di Russia, Socio delle romane accademie di S. Luca e d'Archeologia e de' belle arti di Firenze . IHustr. da V. Ballanti, Roma 1828.

Diese beiden Werke erwarben dem Künstler Ruf, und öffne- ten ihm die Thore von Akademien; Bald nach dem Erscheinen des ersteren trat er in die Reihe der kaiserlich russischen Archi- tekten, und 1828 berief ihn der Kaiser nach St. Petersburg, wo er als Hofarchitekt auch die Stelle eines Professors der Baukunst an der k. Akademie übernahm. Er hat das Verdienst, den Sinn für die alte byzantinische Baukunst wieder erweckt zu haben, wel- che dann auch in Kaiser Nikolaus einen hohen Beschützer fand. Thon fertigte eine grosse Anzahl von Plänen in diesem Style, und einige wurden auch in prächtigen Bauten ausgeführt, wie sein Plan zur Kirche des Erlösers in Moskau und zum neuen Palast im Kreml. Im Jahre 1841 befahl der Kaiser, dass beim Entwurfe von Plänen zu Kirchen so viel möglich der byzantinische Styl bei- behalten werde, und dass dabei die von Thon herausgegebenen Umrisse von Cultusgebäuden bei Neubauten zu Rathe zu ziehen seien. Dieses Werk über byzantinische und russisch kirchli- che Architektur ist das Dritte des Meisters. Er unternahm meh- rere Reisen in Russland, um die merkwürdigsten alten und neuen russischen Kirchen zu zeichnen. Eine Sammlung solcher Zeich- nungen überbrachte er 1845 als kaiserliches Geschenk der Köni- gin von England. Bei seiner Rückkehr begann er in Moskau nac

seinem Plane den Bau einer bestimmten Kirche, die erst in zwölf Jahren vollendet seyn wird. Der Kaiser stellte der Stadt für die innere und äussere Ausschmückung 24 Millionen Rubel zu Ge- bote. Thon fertigte auch die Zeichnungen zu den Verzierungen in Stucco, die in grossem Reichtum erscheinen.

; Ritter Constantin Thon ist Ober-Architekt des Kaisers Ni- colaus.