Thomas, Antoine Jean Baptiste, Maler, geb. zu Paris 1701, war Schüler von Vincent und erhielt schon als Jüngling von 16 Jahren durch sein Bild der Segnung Jakobs den vom Grafen Caylus gestifteten Preis der Spezialschule. Im Jahre wurde ihm der zweite Preis des französischen Instituts zu Theil, auf welchen 1810 jene Belohnung erfolgte, in Folge deren er als Pensionär des Königs sechs Jahre in Rom den Studien obliegen konnte. Der Gegenstand der Bewerbung um den grossen Preis war der grie- chischen Mythe entnommen. Es musste Paris dargestellt werden, wie er im trojanischen Kriege verwundet nach dem Ida eilt, um bei seiner ersten Gattin Oenone Hülfe zu suchen, die ihn aber mit Stolz zurückweist. Thomas' Composition wurde des Preises würdig erkannt, und er ging nach Rom. Hier malte er das jetzt in der Kirche des heil. Rochus befindliche Bild, welches den Hei- land vorstellt, wie er die Verkäufer und Wechsler aus dem Tem- pel jagt. Dieses Gemälde ist 12 Schuh hoch und 10 Schuh breit, und gehört zu denjenigen Werken, welche dem Künstler eine ehrenvolle Stelle sicherten. Es herrscht darin Leben und Bewe- gung, ohne Ueberschreitung des Maasses, wie dies in der fran- zösischen Schule häufig der Fall ist. Besonders schön und wür- devoll ist die Gestalt des Heilandes. Auf dem Salon wurde dieses Bild mit der goldenen Medaille beehrt. Hierauf malte der Künstler die Prozession des heil. Januarius in Neapel während
Nach seiner Rückkehr aus Italien erhielt der Künstler den Auftrag zur Ausführung zweier Gemälde im zweiten Saale des Staatsrathes im Louvre. Er malte da Achille, de Harlay, wie er in den Parlaments-Saal dringt und den ersten Präsidenten zwin- gen will, ein Gesetz einzutragen, nach welchem der königlichen Familie die Anerkennung versagt werden sollte. Das zweite Bild ist eine Revolutionsscene, wie ein Aufrührer dem Präsidenten Molé das Pistol auf die Brust setzt. Diese Scene ist besonders male- risch und geistreich componirt. Im Jahre 1830 malte er im Auf- trage der Präfektur der Seine für die Kirche des heil. Ludwig in der Chaussée d'Antin ein Altarbild, welches den heil. Ludwig vorstellt, wie er in Sens die Dornenkrone empfängt. Von diesem Gemälde ist eine sehr schöne Skizze vorhanden.
Dann hinterliess dieser Künstler auch schöne Zeichnungen in Aquarell und Sepia, und ein eigenhändig lithographirtes Werk, welches die Sitten und Gebräuche, Einrichtungen und Festlichkei- ten etc. der modernen Römer zum Gegenstande hat. Er fertigte die Zeichnungen an Ort und Stelle, und machte sie 1823 durch den Steindruck bekannt, unter dem Titel: Un an a Rome et dans ses environs, Recueil de dessins lith. repres. les costumes, les usages et les ceremonies civ. et relig. des 6tats Romains, * Dessin, et publ. par Thomas, Ex-Pensionair du Roi a l'Academie de France à Rome., Paris 1824. 72 geistreiche Blätter, gr. fol. Thomas starb zu Paris 1833.