Thier, Bernh. Heinr., Maler und Radierer , geb. zu Lu- dinghausen im Münster'schen (nach anderen 1751 in Mün- ster), stand bei seinem Bruder Evert , einem Glasmaler und Glas- er in der Lehre, und reiste dann als Geselle nach Amsterdam , wo er sich ausschliesslich der Malerei widmete. Er malte einige Jahre Blumen und Früchte, fing aber dann unter P. Barbiers' und H. Meyer's Leitung an Landschaften zu malen, worin er es aber zu keiner grossen Vollkommenheit brachte. Im technischen Theile sind diese Bilder lobenswerth, der Mangel der Zeichnung und Composition machte sich aber zu fühlbar, als dass diesen Bildern eine ehrenvolle Stelle eingeräumt wurde. In der letzteren Zeit seines Lebens arbeitete er in Leyden, und starb daselbst 1814.
Wir haben von diesem Künstler einige schön radirte Blätter, die in guten Preisen stehen. Es gibt auch mehr oder weniger vollendete Aetzdrücke. P. Kikkert radirte nach ihm eine Land- schaft mit ländlicher Scene.
Landschaft mit zwei Bauern bei einem Wagen, an welchen ein Pferd und drei Ochsen gespannt sind. Sie ziehen an einem Hügel hin, wo man eine Hütte sieht. Links ist eine Erhöhung, die durch verfallene Zäune getheilt wird. Im Rande: B. H. Thier inv, et fec, 1780, qu. fol.
Landschaft mit zwei Bauern, welche das Pferd und den Ochsen im Flusse tränken. Links sind grosse Bäume, ein steinerner Bogen und eine Hütte. Rechts sieht man eine Scheune und Bauern, welche einen Karren mit Heu über die Brücke schaffen. Das Gegenstück zu obigem Blatte, ohne Namen.
Diese beiden Blätter werthet R. Weigel auf 2 Thl. Sechs unvollendete Aetzdrücke und Gegendrücke schätzt er auf 4 Thl. 18 gr.
Landschaft mit einem Wege, der am Berge sich verliert. Links ist Ebene, und rechts ein kleiner Fluss. Am Wege sitzt ein Bettler und vom Berge herab gehen zwei Bauern mit einem Hunde. Ein Reiter und ein Fussgänger sind oben, In der Ferne ist Regen. B. H. Thier fec. H. 9 Z. 5 L., Br. 8 Z. 1 1 L.,
Landschaft mit dem auf dem Hügel sitzenden Hirten, Am Fusse des ersteren sind zwei Kühe und zwei Schaafe, und rechts vom Hirten eine Ziege. Vor dem Hirten ist der Hund., In der Ferne sieht man Bauern und Pferde auf der Brücke, neben welcher eine Thurmruine ist. Ohne Namen. H. 6 Z. 30 L., Br. 8 Z. 8 L.
Ein Viehstück in W. Romayn's Manier, qu. fol.
Diess ist wohl jenes Blatt, von welchem Füssly sagt, es stelle einen ruhenden Schäfer, eine liegende und eine stehende Kuh dar.
Eine Folge von fünf Blättern mit Köpfen von Schafen, Widdern, Ziegen, Kühen und Ochsen. B. H. Thier f. 1773, 77, 80. Diese seltene Folge wurde in einer Versteigerung zu München mit 8 fl. 6 kr. bezahlt. In 4. und qu. 8.
Landschaft mit einer Gruppe von vier Pferden an der stei- nernen Brücke. B. J. Thier inv. et fec. 1780, qu. fol.