Thielo, Justus Anton

Thielo, Justus Anton, s. den obigen Artikel. Thielo, s., auch Thilo. Thieme, s. Thüme.

Die Kunstfertigkeit dieses Mönches bestätiget sein gleichzei- tiger Biograph im Thesaurus monumentorum eccles. et hist. sive H. Canisius lectiones antiquae. Antv. 1725. II. 2. 67—112. Auf diesen Biographen beruft sich auch Hund, Metropolis Salisb. p. 58, und das Chronicon antiqui monasterii ad S. Petrum p. 106. Neuere Schriftsteller, wie Günther (Gesch. der lit. Anstalten in Bayern I, 178), Lipowski (bayerisches Künstlerlexikon), Pillwein (Lexikon salzburgischer Künstler) wiederholen dasjenige, was schon früher gesagt wurde. Eine Uebersicht der sämmtlichen Kunst- werke Thiemo's verdanken wir dem Professor Stephan zu Salzburg im Archiv für Geschichte etc. 1829 Nr. 56. In der Schatzkammer des Benediktiner Stiles St. Peter zu Salzburg wird ihm das Bild des heil. Benedikt in Holz, und ein solches des heil. Stephan in Elfenbein zugeschrieben. Dann finden sich in dieser Stadt auch Bildwerke in Stein, welche nach der gewöhnlichen Annahme ge- gossen sind. Im Kloster von St. Peter ist eine Maria mit dem Kinde, mit Vergoldung und bemalt. Man sieht dieses Bild auf dem Seitenaltare nächst der Sakristeithüre der Kirche. In der St. Veitscapelle ist ebenfalls eine Statue der Maria, mit Streifen ro- ther Bemalung. In der auf dem Gottesacker am Mönchsberge angebauten Kreuzkapelle ist eine andere Steinfigur, die als Werk Thiemo's gilt. Im Capitelzimmer des adeligen Frauenstiftes auf dem Nonnberg wird ihm ebenfalls ein solcher Steinguss zuge- schrieben. Zu Gross-Gmain, zwischen Salzburg und Reichenhall, beim Schlosse der alten Grafen von Plain am Untersberge, wird am Hochaltare ein Steinbild der Maria als Gnadenbild verehrt. Es kam 1080 aus dem Schlosse in die Kirche. Bei den Kapu- zinern zu Radstadt und in der Kirche zu Altenmarkt bei Rad- stadt sind ähnliche Madonnenbilder, angeblich in Stein gegos- sen. In der Stadtkirche zu Ens ist eine leidende Maria mit dem Leichname des Sohnes auf dem Schoosse, ebenfalls in Stein, und ein Gemälde der Kreuzabnehmung, angeblich Werke Thie- mo's. Im Kloster zu Admont ist eine Schmerzensmutter mit dem Leichname des Sohnes und zwei Madonnen sind in den Gängen aufgestellt. Auf dem Hochaltare der Kirche auf dem Weizberge ist eine Madonna mit dem vom Kreuze abgenomme- nen Heiland in Lebensgrösse von Stein. Dieses wunderthätige

Tradition nach von Thiemo in Stein ausgeführt wurde, als er sich in jenem Kloster befand.

Die Werke dieses heil. Mönches gleichen sich nicht alle, so dass man nicht annehmen könnte, sie seyen aus derselben Form gegossen. Ueberhaupt ist die Geschichte von diesem Steingusse im Zweifel zu ziehen. Sie wiederholt sich öfter, auch noch an kunstreichen Steinarbeiten des 15. Jahrhunderts, aber ohne einen hinreichenden Grund dafür zu haben. An den oben genannten Werken Thiemo's haftet theilweise eine uralte Tradition, kein historischer Nachweis. Sie gehören vielleicht alle dem 11. Jahrhun- derte an. Die alte Klosterschule in Nieder-Altaich könnte eben- falls solche Werke geliefert haben, die sich dann in der Gegend, wie im Salzburgischen, in Ober-Oesterreich und in Steiermark verbreiteten. Einen nicht zu verwerfenden Anhaltspunkt schei- nen die Jahrzahlen 1064 und 1080 zu geben. Nach diesen Daten müsste Thiemo die Bilder als Mönch in Nieder-Altaich gefertigt haben, und nur wenige könnten in Salzburg entstanden seyn, da

er als Abt und Erzbischof sicher nur wenige Zeit der Kunst wei- ihen konnte.