Thiele, Johann Alexander, Landschaftsmaler und Radirer, geb. zu Erfurt 1685, trat in seiner Jugend in Kriegsdienste, fasste aber bald eine solche Neigung zur Kunst, dass er jede müssige Stunde derselben weihte. Er malte Landschaften in Wasserfarben oder mit Pastellstiften, welche vor ihm kein anderer Künstler in diesem Fache angewendet hatte, während einige die Anna Maria Haide als die Erfinderin der Kunst, Landschaften in Pastell zu malen, bezeichnen, wofür ihr indessen die Nachwelt nicht sehr dankbar ist. Diese Versuche machte Thiele ohne Anweisung, bis er end- lich an Carl Agricola einen Lehrer fand, dessen Gemälde er copirte. Hierauf ertheilte ihm Mänckey Unterricht in der Oelma- lerei, worin er so schnelle Fortschritte machte, dass er nach über- standenen Kriegsdienstjahren bereits zu den besten sächsischen Landschaftern gezählt wurde. Jetzt liess sich der Künstler in Dres- den nieder, wo anfangs F. P. Ferg seine Landschaften mit Figu- ren staffirte. Im Jahre 1730 musste er auf Befehl des Königs das Lustlager in Zeithayn malen, ein colossales Bild, welches in der k. Galerie aufgestellt wurde, aber mit vielen anderen Gemälden dieses Meisters längst daraus entfernt ist. Es sind diess Ansichten sächsischer Städte und Schlösser in ziemlich grossem Formate, Dann malte er auch viele andere Ansichten und Prospekte aus Sachsen und Mecklenburg , die damals in Gallerien aufgestellt wur- den, und auch ins Ausland gingen. Häufige Studien machte er an der Elbe und an der Saale , und darnach führte er dann viele Bilder in Oel aus. Diese Ansichten malte er mit Vorliebe und sehr fleissig. In der Gallerie zu Schwerin sieht man noch mehrere die- ser Bilder. Einige seiner Werke sind schätzbar, andere aber kalt und monoton, Mehrere der früheren Gemälde dunkelten stark nach, später wählte er dauerhaftere Farben, verfiel aber nicht sel- ten ins Graue, so wie auch seine meist dunklen Vorgründe keine angenehme Wirkung machen. Thiele wurde 1747 Hofmaler des Königs von Sachsen. Zugleich hatte er den Titel eines Hofcommis- särs und eines fürstlich Arnstädtischen Kämmerers. Er starb zu Dresden 1752. Fiedler malte sein Bildniss in gewaltiger Perücke und mit dem Pinsel in der Hand, Es ist in der fürstlichen Samm- lung zu Rudolstadt, Geyser hat es gestochen, 8. Der berühmte Dietrich war sein Schüler.
- Tardieu stach nach ihm die Ansichten von Königstein und Meis- sen, gr. qu. fol. Oeser, E. Kämmer, Wolfgang Göthe und sein Sohn Joh. Fried. Alexander Thiele haben ebenfalls nach ihm radirt. C. Wi- tzmann stach die Ansicht der Gegend von Rabenau, qu. fol. F. Schu- mann lieferte ein Aquatintablatt, welches die Kohlenbrennerhütte vorstellt, gr. qu. fol.
Eigenhändige Radirungen.
Die Blätter dieses Meisters sind in alten Abdrücken selten geworden. Es kommen auch neue Abdrücke vor. Sie sind theil- weise gut radirt, und finden daher ihre Liebhaber. Die besten Abdrücke setzt Weigel auf 10 — 12 gr. A
1 — 6) Die kleinen Landschaften mit Figürchen, sehr leicht
radirt und bezeichnet A. Thiele fec. (verkehrt). Drei dieser
- Eine heroische Landschaft mit Figuren und Gebäuden. Vorn ist eine grosse Vase mit einem Piedestal. Thiele fec. 4.
Es gibt auch Abdrücke im Helldunkel. 9) Heroische Landschaft mit zwei Figuren im Vorgrunde 1725,
fol. 10) Heroische Landschaft im Sturm, links ein Monument und zwei Figuren. Das seltene Gegenstück zu obigem Blatte, u. fol.
11 — 12) Das alte Elbethor zu Pirna, Landschaft mit Figuren und Gebäuden. Von zwei Seiten dargestellt. A. Thiele ad vivum del. et f. aqua fort. 43/4, 4.
Wilde Gebirgslandschaft mit fünf Figuren von Bauern im Vorgrunde, links in der Ferne eine Burg. Ad vivum del. et fecit. A. Thiele 1742, sg. qu. fol.
Der schöne Brunnen bei Schönburg. Ad vivum del., et fecit A. Thiele 1743, gr. qu. 4.
Der Wald. Links das Monogramm, qu. 4.
160 — 18) Drei schöne Gebirgslandschaften im Geschmacke von Jan Both, mit Figuren im antiken Costume, grossen Ge- bäuden und Ruinen. Ohne Namen. Seltene Blätter, kl. fol.
- Vier Landschaften mit ländlichen Figuren, bezeichnet: J. A. Thiele f. 1744, gr. qu. 4,
20 — 21) Gebirgslandschaften mit ländlichen Figuren im Vor- grunde und mit Gebäuden im Mittelgrunde. A. Thiele fecit aqua fort. 1725. Diese seltenen Blätter sind immer schwach in der Dicke, da das Aetzwater nicht durchgegriffen hat, u. fol.;
Landschaft mit Ruinen, im Vorgrunde der Hirt neben zwei Schafen laufend. Ex collect. Basan. Ohne Namen des Küs- ters, gr. qu. fol.
Gebirgslandschaft mit grossen Gebäuden und Ruinen. Im Vorgrunde ist eine Gruppe von Figuren und darunter ein Weib mit dem Milchtopfe auf dem Kopfe. A. Thiele fec. aqua fort. Dieses Blatt soll das erste des Künstlers seyn, und ist von der grössten Seltenheit, qu. fol.
Der Japan bei Moritzburg. Thiele excudit. Diese seltene Radirung ist nach R. Weigel von Thiele's Hand, obgleich sie nur seine Adresse trägt. Im Cataloge der Sammlung von J. C. Bögenheld, II. Abth. Leipzig 1846, ist ein Abdruck
mit der Adresse: C. C. Thiele exc., angegeben. Diess könnte auf Carl Christoph Thiele deuten, wenn das Blatt für die- sen Meister nicht zu gut ist. Schmal qu. fol.
Grosse Landschaft in Zuccarelli's Manier mit acht Landleu- ten und einem Reiter, im Grunde ein Fluss und Gebäude. Unten gegen rechts erkennt man ein Monogramm J. A. T. Fec., oder J. M. Fec. Ein seltenes, jedoch zweifelhaftes Blatt, gr. qu. fol.
Landschaft im antiken Styl mit drei Figuren bei antiken Fragmenten. Unten rechts: Thiele fec. Ausserst selten, be- sonders auf braunes und anderes farbiges Papier, kl. fol.
27 — 32) Die grossen numerirten Ansichten aus der sächsischen Schweiz und andern Gegenden Sachsen, mit Dedication an
Vue du château de Pillnitz.
Vue de la forteresse de Königstein du côté du couchant.
Vue de la même forteresse du côté du levant.
Vue de la ville royale de Dresde,
Vue de la ville et du château de Meissen en Saxe.
Vue de la forteresse de Sonnenstein et de la ville de Pirna,