Thevenin, Charles, Maler, geb. zu Paris 1760, wahrscheinlich der Sohn des Architekten und Kronbauverständigen Thevenin, war selbst Schüler von Vincent, und wurde als solcher 1780 beim Concurse dem berühmten Gerard vorgezogen, welcher damals in David's Schule des Preises sich gewiss fühlte. Thövenin wählte eine figurenreiche Composition, welche die Einnahme der Bastille vorstellt, und ein anderes Bild führte in die Tuilerien , wo am 12. Juli der Fürst von Lambeg der Gegenstand der Aufmerksamkeit war. Diese Gemälde erregten damals den Beifall der Kunstrichter, der Künstler gewann den Preis, und war in den Stand gesetzt, in Rom seine Studien fortzusetzen, wo Thevenin als Pensionär der Akademie einige Jahre verlebte, und durch seine Werke Aufsehen erregte, obgleich er im Ganzen die Verdienste eines Gerard und anderer gleichzeitigen Meister nicht erreichte. In der Kirche auf St. Trinita de Monte ist ein Bild aus jener Zeit, welches in der Composition lobenswerth, aber in der Ausführung schwach erscheint. Es stellt den heil. Ludwig vor, wie er auf dem Altare eine Dornenkrone aus dem heil. Lande niedersetzt. Später erlangte Thövenin auch in der Technik grössere Uebung, und somit hatte von dieser Seite die Kritik wenig mehr auszusetzen. Vorzüglichen Beifall fand sein Bild des Oedipus, der sich beim Sturme in der Wüste auf seine Tochter Antigone stützt. Der Pausanias français p. 113 findet darin einen Beweis, dass Thevenin auch antike Stoffe mit Vortheil zu behandeln versteht, deren aber der Künstler selten gewählt zu haben scheint. Unter seinen früheren Werken finden wir nur ein Bild des Narcissus erwähnt, ausserdem gewöhnlich glänzende Episoden aus der modernen französischen Geschichte. Im Jahre 1803 malte er das Föderativfest, und die Einnahme von Gaeta durch General Ney. Hierauf lieferte er ein historisches Bildniß des General Duchesne, wie er gegen ein Österreichisches Corps anrückt. Dieses Gemälde war nicht ohne Fehler in der Zeichnung, und die Färbung fiel ins Röthliche. Im Jahre 1805 wurde sein Bild des General Augereau bei der Brücke von Arcole von der Regierung angekauft, und im Saale des Corps legislatif aufgestellt. Gleiche Ehre wurde 1807 auch dem grossen Gemälde zu Theil, welches den Uebergang der französischen Armee über den St. Bernhard vorstellt. Der Pausanias français ff. 553 beschreibt dieses Bild ausführlich, und hebt die Schwierigkeiten hervor, welche dem Künstler bei der Darstellung dieses militärischen Wunders zu überwinden hatte. Den Raum füllen zahllose Figuren in halber Lebensgrösse, und die handeln-
Thevenin behauptete mehrere Jahre entschiedenen Ruf; zu- Jetzt wurde er aber von der jüngeren Generation überflügelt. Er war Mitglied der k. Akademie, Conservator des Kupferstich-Cabi- nets an der k. Bibliothek, Ritter der Ehrenlegion, und starb 1830.
Armanow stach nach ihm Hero und Leander in Punktirmanier.
Die Uebergabe der Stadt Ulm und die Einnahme von Regensburg sind in Gavard's Galleries historiques de Versailles gestochen, er- stere von Bruneliere, letztere von Aubert. Dann hat er selbst ein Blatt radirt: die Erstürmung der Bastille den 14. Juli 1789, gr.
quo fol.