Texier, Charles

Texier, Charles, Architekt , begann seine Studien in Paris , und betrieb dieselben mit einer solchen Ausdehnung, dass er schon als

Texier, Charles. * 287 junger Mann den Ruf eines gelehrten Künstlers hatte. Die Werke der klassischen Kunst und ihre Geschichte waren der Gegenstand seiner höchsten Verehrung, und dieser verdanken wir jetzt die Kunde einer großen Anzahl von Monumenten, die in Kleinasien die Zeit und die Barbarei mit Vergessenheit bedeckt hatte. Nachdem Texier als Pensionär des Königs in Italien seine Studien vollendet hatte, trat er auf Kosten der Regierung seine Reise an, und kam 1834 in Constantinopel an, wo es ihm gelang, die Gunst des Seraskier-Pascha in dem Grade zu gewinnen, dass ihm die Pforten sämmlicher Moscheen, darunter auch jene der ehemaligen Sophienkirche geöffnet wurden, in welche noch wenige Europäer gedrungen sind. Es ward ihm auch gegönnt, diese Denkmäler der byzantinischen und arabischen Kunst zu zeichnen, zu messen und zu beschreiben, und somit bereicherte er schon am Anfange sei- ner Reise die Geschichte der Baukunst mit einer großen Anzahl von Zeichnungen und Rissen, welche die Kenntniss dieser Style erweiterten. Ausserdem zeichnete er die Obelisken Constantinopels, und in jenem des Theodosius fand er die Balgorgel wieder auf, deren Erfindung man den Arabern zuschreibt, und die im Abend- lande erst zur Zeit Carl's des Grossen bekannt wurde. Im Mai des genannten Jahres reiste er von Constantinopel nach Asien ab, wo er die merkwürdigsten Entdeckungen machte, und einem reichen Schatz von Zeichnungen sammelte. Er zeichnete die Ruı- nen und Inschriften von Nicaea, Nicomedia, Prusa ad Olympum (Brussa) in Bythinien, und in der alten phrygischen Stadt Azan fand er noch fast alle antiken Gebäude vorhanden, darunter einen prachtvollen Tempel mit jonischem Säulenumgange von grösster Reinheit des Styls. Er ist noch wohl erhalten, so wie das Thea- ter. Neben diesem steht ein grosser Portikus, wahrscheinlich Ueberrest des Gymnasiums. Texier hat diese Stadt gleichsam wie- der entdeckt, und die Wunder ihrer alten Kunst in genauen Zeich- nungen festgehalten. Er hatte auch das Glück, das alte Pessinus in Galatien aufzufinden, eine wegen des Tempeldienstes der Cy- bele berühmte Stadt. In der Nähe derselben ist die alte Necro- polis der phrygischen Könige. Zwei der merkwürdigsten dieser Gräber zeichnete der Künstler. Auf dem Wege nach Neo-Cäsa- rea, der Hauptstadt Kapadociens, zehn Stunden vom Flusse Halys, fand er eine ungemein wichtige Stadt auf, die er für Tavıa halten möchte, wenn nicht die alten Geographen diese Stadt an den Ha- Iys setzten. Da sind noch wohl erhaltene Gebäude cyclopischer Art, und ein gewaltiger Tempel. Von diesen Denkmälern nahm Texier detailirte Zeichnungen, so wie von einem anderen im Gebirge, welches Alles übertrifft. Da ist eine Ringmauer von natürlichen, durch Kunst geglätteten Felsen, die mit Sculpturen aus den Zeiten der Perser bedeckt sind, mit theilweise colossalen Figuren. Weiter hin besuchte der Künstler Adramisium, Assos, Pergamum, Teos, den Tempel des Didymäischen Apollo, Kos, Kyme, Smyrna, Tralles, Nysa, Philadelphia, Sardes und den Tmolus. Im Jahre 1836 untersuchte er die Küsten des schwar- zen Meeres, ging dann nach Kurdistan, und durchwanderte so- mit Kleinasien nach seiner ganzen Breite. Ein Gegenstand ge- nauer Untersuchung waren ihm die Denkmäler Kariens, das Grab- mal des Mausolus zu Halicarnass, Aphrodisias (Cunna) mit seinem noch vollständig erhaltenen Tempel der Venus, dem Stadium, dem Theater und der Basilica. Dann ging er nach Lycien, wo Tel- missus eigenthümliche Monumente bietet, in dem grossen in eine Bergwand gehauenen Theater, der Necropolis etc. In Patara fand er noch viele ziemlich erhaltene Monumente mit einem von Ha-

Nach seiner Rückkehr bereitete Texier ein Prachtwerk vor, welches auf Kosten des Ministeriums in 50 Lieferungen mit Ku- pfern und mit 3 Bänden Text erschien, unter dem Titel: Descrip- tion de l'Asie-mineure. Im Jahre 1838 überreichte er dem Kö- nige die erste Lieferung, wofür dieser ihm den Orden der Ehren- legion zutheilte. Im Jahre 1840 wurde er an Huyot's Stelle Mit- glied des Instituts. 1841 übernahm er die archäologischen Vorle- sungen des Mr. Letronne am College de France als Suppleant, und 1843 wurde er Commissär bei den Anstalten der schönen Künste. Texier, Victor, Kupferstecher, wurde um 1785 in Paris geboren und von den beiden Laurent in seiner Kunst unterrichtet. Wir haben von ihm mehrere schöne Blätter, welche aber grössten- theils in Prachtwerken vereiniget sind, so dass sie einzeln selten vorkommen.

  1. Der Dreifuss des Apollo und der Altar des Mars, Beide auf einem Blatte, Musee francais par Laurent et Robillard.
  2. Ein Candelaber und eine Fontaine, für dasselbe Werk.
  3. Das Cabinet der Königin in der Alhambra zu Granada.
  4. Ansicht einer maurischen Capelle zu Cordova, 1810.
  5. Der Saal der Justiz in der Alhambra, 1812.
  6. Ein Alchymist in seinem Laboratorium, 1822.
  7. Das Innere eines chemischen Laboratoriums, nach Th. Wilcke 1824.
  8. Eine grosse Anzahl von Umrisse für Clarac's Musée de sculpture antique et moderne.