Testelin oder Tethelin, LOUIS, Maler, geb. zu Paris 1615, trat in St. Vouet's Schule ein, und gab schon frühe Beweise eines tüchtigen Talentes. Später machte er die Werke der italienischen Meis- ter in Fontainebleau zum Gegenstande seines Studiums, ward aber zuletzt genöthiget, an C. le Brun sich anzuschliessen, welcher be- kanntlich das Schicksal der damaligen französischen Kunst leitete. Testelin hatte nicht Energie genug, um seinen eigenen Weg zu verfolgen, und zu viel Bescheidenheit, um sich geltend zu machen. Er bedurfte daher des Schutzes des mächtigen Kunsttyrannen le Brun, der die Originalität Testelin's der seinigen unterordnete. Dieser Meister fand auch an dem liebreizenden Umgange seines fügsamen Schützlings Gefallen, was ihm von einer Seite Neid, von anderer Seite Zurücksetzung bereitete. Eines seiner vorzüglichsten Werke ist die Erweckung der Tabitha in der Cathédrale zu Paris, ein gerühmtes Gemälde von , in welchem der Idee und Aus- führung nach der Einfluss le Brun's zu erkennen ist. Ein anderes
Testelin war eines der zwölf Mitglieder der 1648 gegründeten Akademie zu Paris, und wurde 1650 Professor an dieser Anstalt. Im Jahre 1655 starb er.
Stiche nach diesem Meister.
Das Bildniss des Künstlers. G. C. Kilian sc. Auch bei d'Ar- gensville kommt es vor.
Die Erweckung der Tabitha, gest. von A. Bosse, qu. fol.
Dieselbe Darstellung, gest. von Etienne Picard le Romain, qu. fol.
- Christus am Kreuze, unten am Fusse desselben die Schlange mit Apfel und Todtenkopf, in drei Blättern, gest. von B. Kilian, 8, gr. roy. fol.
Der gekreuzigte Heiland, gest. von M. Mouzyn, fol.
Mehrere Folgen von Kinderspielen, nach der Angabe von d'Argensville im Ganzen 50 Blättern, die er unserm Künstler selbst zuschreibt, während sie nach seinen Zeichnungen von L. Ferdi- nand radirt sind. Wir finden folgende Abtheilungen erwähnt.
Les Vertus innocentes ou leurs symboles sous des figures d'en- fans necessaires aux amateurs de la peinture parlante. A Paris 1654. Ferdinand sc. Van Merlen exc. 6 Blätter mit Titel, von Testelin nach G. van Opstal gezeichnet, rund in 4. Auch mit Mariette's Adresse.
Folge von Kindergruppen mit Guirlanden und Festons, in Friesfeston zu Stuckarbeiten. L. Ferdinand fec, 6 seltene Blätter, qu. Ols
Eine ähnliche Folge. P. Mariette exc., fol.
Cornischen mit Kindergruppen. 6 Blätter. Ferdinand fec, et exc., kl. fol.
Eine Folge von Kinderspielen in gut gestellten Gruppen. L. Ferdinand exc. 6 Blätter, kl. qu. fol.;
Der Erfolg der Jagd, durch Kinder vorgestellt. L. Ferdinand sc., Mariette exc. Fries, gr. qu. fol.
Inventiones von Kindlein, 15 Blätter, Copien nach Testelin und L. Ferdinand. Wolff et Leopold excud. Aug. Vind. [fol. G. v. Murr, Bibliotheque etc. p. 480, legt dieses Werk dem Henry Te- stelin bei. Es erschien auch unter französischem Titel: Les vertus innocens etc., wie die oben genannte Folge.
Bei J. Wolff in Augsburg erschienen noch mehrere andere Copien nach Testelin.
Eigenhändige Radirung.
Die heil. Familie, Maria sitzt mit dem vor ihr stehenden Kinde. Links betrachtet Anna das Kind, und rechts im Grunde steht Jo-
sep. Links an der Terrasse steht: L. Testelin in. et fec. H. 6 Z., Br. 7 Z. 3 L.; II. Wie oben beschrieben. Bei Weigel 2 Thl. II. Von der verkleinerten Platte. daz Jesuskind erscheint im Anfangstück und der Name des Künstlers fehlt. H. 4 2 7 L., Br. 0 Z.