Testelin, Henry, Maler, der Bruder des Obigen, wurde 1616 in Paris geboren, und von S. Vouet unterrichtet. Er huldigte aber später dem C. le Brun, und malte unter dessen Leitung einen grossen Theil der bekannten Schlachten Alexanders des Grossen. Im Jahre 1650 wurde er Sekretär der Akademie, und 1655 an der Stelle seines Bruders Professor dieser Anstalt. Dann war er auch in der Manufaktur der Gobelins thätig, und hatte eine Wohnung daselbst. Die Kunstgeschichte nennt von ihm nur Bildnisse, wel- che gut gemalt sind. Nach ihm, und nicht nach seinem Bruder, hat Edelinck wahrscheinlich das Bildniss des Bibliothekars Pierre de Carcavy gestochen, da es die Jahrzahl 1675 trägt. Oval fol.
Dann haben wir von ihm ein jetzt seltenes Werk über Pro- portion, über den Ausdruck der Köpfe, über Zeichenkunst und die Anordnung eines Gemäldes. Es sind dies Vorträge, welche er von 1607 — 1679 in der Akademie gehalten hatte. Sie erschienen unter dem Titel: Sentimens des plus habiles peintres sur la pra- tique de la peinture et de la sculpture, mis en tables de preceptes avec plusieurs discours academiques, ou Conferences tenues en L'Academie royale des dits arts etc. 40 Seiten Text mit 6 eigen- händigen Radirungen, welche d'Argensville u. a. dem Louis Te- stelin beilegen; der beim Erscheinen dieses Werkes längst todt war. Es ist 1606 zu Paris gedruckt, mit der Adresse: V.e Marbre- Cramoisy. Die Exemplare in grossem Formate, und mit den vor- züglichsten Abdrücken sind ausserst selten, gr. fol. Robert-Du- mesnil, P. gr. fr. III. 103. kennt nur die Ausgabe von 1606, G. v. Murr, Bibliotheque de peinture I, 185, nennt aber auch eine von 1680, welche nicht zu existiren scheint, da eine der Vignet- ten die Jahrzahl 1681 trägt. Mr. d'Argensville lässt diesen Kunst- ler 1655 sterben, und zwar in Holland, wohin sich Testelin nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes begeben hatte.
Die Radirungen in dem oben genannten Werke des Meisters.
Diese Blätter beschreibt Robert-Dumesnil 1. c. 105 — 107, und legt sie d'Argensville entgegen unserem Künstler bei. Eines der Blätter trägt die Jahrzahl 1681, und auch die andern Blätter dürften um diese Zeit gefertigt seyn, während Louis Testelin 1655 starb. Keines der unten folgenden Blätter hat den Namen des Radirers.
Studien von Köpfen, als Beispiel seiner Lehre vom Aus- druck. Unter einer Vignette in Friesform, gestochen von einem der Audran, anscheinlich nach Louis Testelin, sieht man eine Nase, einen Mund, eine Büste en face, und neun Köpfe, welche die Freude, die Bewunderung, das Staunen, den Schmerz, das Lachen etc. versinnlichen. Mit Dedica- tion an die Liebhaber der Malerei. H. 12 Z., Br 10 Z. 3 L.
Studien nach den antiken Statuen des Herkules Commodus, des farnesischen Herkules, des Faun, des Apollo von Bel- vedere und des Ganymed, in Hinsicht auf Proportion. Links oben: Exemple touchant les Proportions et les Contours, —
Die Israeliten in der Wüste Manna lesend, nach einem Gemälde von Poussin verständlich und geistreich radirt. In Mitte des Randes steht: Exemple touchant L’ORDONNANCE., Etwas tiefer: Avec privilège du Roy, Zu den Seiten zwei Lehrsätze: La liaison des groupes — —; De l'autre côté du tableau — —. H. 11 31i L. mit 16 L. Rand, Br. '6 z. 40 Lo '.
R. Weigel werthet dieses Hauptblatt auf zwei Thl.
Die heil. Familie mit den Blumen streuenden Engeln, nach Rafael's berühmtem Gemälde im Musée royal zu Paris, be- kannt durch G. Edelink's herrlichen Stich. Im Umriss ra- dirt. H. 11 Z. 41 L., Br.82. .
St. Michael mit dem Dämon zu den Füssen, nach Rafael's Bild im Museum des Louvre im Umriss radirt: Raphael pinxit: H. 11 Z. 10 L., Br. 7 Z.