Tessin, Carl Gustav Graf von, Architekt und Staatsmann , geb. zu Stockholm 1694, trat als Künstler in die Fussstapfen sei- nes Vaters Nicodemus jun., machte überdiess auch gelehrte Stu- dien, und erlangte zuletzt nicht allein den Ruhm eines ausge- zeichneten Künstlers, sondern stand auch als Staatsmann im ho- hen Ansehen. Er leitete den Bau des grossen Schlosses in Stock- holm, welchen schon sein Vater begonnen hatte, der aber nach dem Brande des Gebäudes ins Stocken gerieth, der Plan, dessen er sich bediente, war jener seines Vaters, im reinen italienischen Styl des 14. Jahrhunderts, welcher aber damals dem französischen Baustyl gegenüber bereits der verdorbene genannt wurde, was eher auf den neueren Styl passte. Graf Tessin hielt aber an der klassischen Bauweise fest, und schuf somit eine Zierde der Resi- denzstadt. Leider ging es mit dem Baue sehr langsam, so dass ausser dem Grafen C. G. Tessin auch noch drei andere Oberin- tendanten: Die Barone Hoalemans, Cronstedt und Adlercrantz daran gearbeitet hatten.
Zur Zeit unseres Künstlers war in Schweden ein beständiges
Carl Gustav von Tessin suchte im Geiste desselben eine wei- tere Regeneration der Kunst zu bewirken, da er die Mängel und die Abwege derselben erkannte. Er gab desswegen 1733 die Ver- anlassung zur Gründung der Akademie in Stockholm, es verfloss- en aber noch viele Jahre, bis eine neue Morgenröthe am Kunst- himmel erschien. Inzwischen wurde er diesem Gebiete immer wei- ter entrückt. Er bereiste in diplomatischen Sendungen Deutsch- land, Frankreich und Italien, und entschied dann den Sieg der Partei der Hüte. Im Jahre 1728 zum Reichsmarschal ernannt ver- anlasste er den Anschluss Schwedens an Frankreich, befestigte ihn als Gesandter in Paris, leitete von 1747 — 52 die auswärti- gen Angelegenheiten und war zugleich Erzieher des Prinzen (Gu- stav III.). An diesen richtete er seine Briefe eines alten Mannes an einen jungen Prinzen. Er starb 1770 zu Akeröe in dürftigen Umständen, da er bei seinen Gesandtschaften alles Vermögen zu- samt hatte. Reich war er aber an Ruhm und wahrer Ehre. edlinger fertigte eine Medaille zu seinem Andenken, mit der Legende im Revers: Conscius Recti. Ein Jetton hat auf der Rückseite die Devise: Constanter et sincere, und ein zweiter: Arctos ubique scopus. 5 Oct. 1751. In diesem Jahre wurde Graf Tessin in den Ruhestand versetzt, und es lag ihm nur noch die
Erziehung des Prinzen ob. Sysang stach sein Bildniss für den europäischen Staatssecretär.