Tesauro, Jacopo oder Andrea

Tesauro, Jacopo oder Andrea, auch Bernardo und Te- sauro II genannt, wurde um zu Neapel geboren, und von Silvestro Buono unterrichtet. Die Natur hatte ihm ein reiches Talent verliehen, es sind aber nur wenige Werke mehr übrig, nach welchen dasselbe beurtheilt werden kann. Die vaterländi- schen Schriftsteller rühmen ihn unbedingt, besonders Rossi (Le belle arti in Napoli II, 58), welcher behauptet, Tesauro, auf wel- chen durch Buono die Lehre Zingaro's übergegangen sei, habe alle seine Zeitgenossen verdunkelt, keiner habe so schön er- funnen, so schöne Tinten zu geben gewusst, und mit grösserer Leichtigkeit und Freiheit gearbeitet. Auch Lanzi sagt, Tesauro nähere sich der neueren Manier mehr, als irgend einer seiner Zeitgenossen, keiner habe verständiger componirt, und in Stell- lung und Faltenwurf mehr die Natur zu Rathe gezogen. Er be- wundert die ausdrücksvollen Köpfe, die harmonische Färbung, die geschickte Vertheilung von Licht und Schatten, und beson- ders das Relief bei einem Künstler , der, soviel bekannt, keine an- dere Schule als die seinige kannte. Auch Luca Giordano gestand bei der Betrachtung von Tesauro's Fresken in S. Giovanni de Pap- pacoda, dass er es nicht besser machen könne. Hier stellte der

Künstler die sieben Sakramente dar, welche Domenici ausführ-

lich beschreibt. Im Sakrament der Ehe schliessen Alfonso II. und

Hippolita Sforza den feierlichen Akt, woraus auf die Zeit der

Entstehung des Werkes geschlossen werden kann. In der Capella

di S. Aspremo im Dome zu Neapel malte er Darstellungen aus

dem Leben des heil. Aspremus in Fresco, allein diese Bilder wur-

den 1730 von einem Schüler Solimena's, der sie im Auftrage des Prin-

zen Montemileto restauriren sollte, unglücklicher Weise fast ganz

übermalt. In der Sakristei von St. Maria Maggiore ist eine Him- melfahrt der heil. Jungfrau von Tesauro, wie Grossi behauptet.

Mehrere andere Malereien dieses Meisters wurden im Verlaufe der

Zeit übertüncht, ohne vorher eine Zeichnung davon zu nehmen.

Das Todesjahr dieses Meisters ist unbekannt. Seine Blüthe- zeit reicht nicht weit über 1480 herab. Grossi behauptet, dass er nach 1500 gestorben sei, was wir dahin gestellt seyn lassen.