Terwesten, August

Terwesten, August, genannt Snip, Maler, wurde 1649 im Haag geboren, und übte bis in sein zwanzigstes Jahr die Ciselir- kunst, bis endlich seine Liebe zur Malerei die Oberhand erhielt. Hierin ertheilten ihm Wieling und W. Doudyns Unterricht, denen er aber nur im Praktischen Vortheile verdankte. Seine Hauptstu- dien machte er in Rom, wo Terwesten drei Jahre verweilte und in der Schildergasse den Namen Snip erhielt. Von Rom aus ging er nach Frankreich und England , und brachte in diesen Ländern

weitere drei Jahre zu. Im Jahre kehrte er endlich ins Va- terland zurück, und gründete da den Ruf eines tüchtigen Mei- sters. Sein erstes bedeutendes Werk sind die Darstellungen aus Ovid's Metamorphosen, welche er in einem 'Salon des H. Baart- hout van Slingelandt zu Dort in Fresko malte, deren uns einige in den radirten Blättern des Meisters erhalten zu seyn scheinen. Auch im Haag zierte er auf ähnliche Weise Säle und Zimmer aus, die aber ihren Schmuck längst der Mode preisgaben. Er hatte auch Verdienste um die Reorganisation der dortigen Akademie, die bereits in Verfall gerathen war. Im Jahre 1680 berief ihn der Churfürst von Brandenburg nach Berlin , wo er viele Aufträge erhielt. Er zierte die Residenz und die churfürstlichen Lustschlos- ser mit Frescomalereien und mit Bildern, meistens mythologischen Inhalts. In Charlottenburg sind drei Plafonds von ihm gemalt, wobei er seine Darstellungen aus der Fabel der Psyche entlehnte. Terwesten hatte außerordentliche technische Fertigkeit, wovon Descamps III. 244 mit Bewunderung erzählt. Im Jahre 1689 grün- dete er auf Befehl des Königs die Akademie der schönen Künste in Berlin, wobei ihm Schlüter zur Seite stand. Diese beiden Künstler wählten auch geschickte Lehrer aus, und namentlich brachte Terwesten als Direktor einen guten Geist in die neuge- gründete Anstalt. Er war überhaupt ein Mann von feiner Bil- dung und von trefflichem Charakter, dessen Sanftmut und Be- scheidenheit alle Herzen gewann.

Er starb zu Berlin 1711. Bei Descamps, Weyermann und Houbracken findet man das Bildniss dieses Meisters.

Wir haben von Terwesten auch einige geistreiche Radirungen, die selten vorkommen. E. F. Blesendorf stach nach ihm das alle- gorische Titelblatt zu Beger's Thesaurus. Es stellt die preussische Geschichte vor, wie sie an der Seite der Wahrheit ihre Bücher auf die Flügel der Zeit legt, fol. K. Ein anderes Blatt nach der Zeichnung dieses Meisters stellt Jupiter auf einem Piedestal si- tzend vor, fol. Auch ein Zeichenbuch in 24 Blättern soll er herausgegeben haben.

Eigenhändige Radirungen.

  1. Der Tod des Adam. A. Terwesten fec., 12.

  2. Moses als Kind im Nil gefunden. Nach Paolo Veronese.

  3. Venus findet den todten Adonis. A. Terwesten inv. et fec. Romae, qu. 8.

  4. Narcissus sieht sich in der Quelle. A. Terwesten inv. et fec. a Roma, gr. qu. 8.

  5. Diana belauscht den Endymion. Id. fec., qu. 8.

  6. Pyramus ersticht sich am Brunnen. Id. fec., gr. qu. 8.

  7. Venus und Adonis. A. Terwesten fec. Al. 12.

  8. Jupiter's Adler und eine Nymphe. A. Terwesten, fec., 8.

  9. Bacchus mit Weinlaub bekränzt einen Becher in beiden Händen haltend, halbe Figur nach rechts. Links unten verkehrt: TW. H. 32 Z. 4 L., Br. 3 Z. 1 L.

  10. Eine Folge von Landschaften. Eine solche nennt Füssly, ohne nähere Angabe.