Ternite, Wilhelm, Maler und k. preussischer Hofrath, geb, zu Neustrelitz 1780, widmete sich schon in früher Zeit mit Vorliebe der Zeichenkunst , fand aber zuletzt durch die Kriegsjahre einen anderen Beruf, und trat als Offizier in die Reihen der Vaterlands- vertheidiger. Er griff aber noch vor dem hergestellten Frieden ın Paris seine unterbrochenen Kunststudien wieder auf, und übte sich, unter Leitung des Baron Gros mit Eifer in der Malerei , wo- rin er jedoch schon vor seiner Ankunft in jener Stadt Vortheile erlangt hatte. Aus dieser Zeit stammt eine schöne Capie des unter der Last des Kreuzes sinkenden Heilandes aus Rafael’s berühmtem Spasimo di Sicilia, und als Gegenstück malte er den jungen Tiäu- tor Jukannes mit dem Kreuze au der Brust, ein schönr durä:gefüht-
tesBild; Auch eine treffliche Copie von Rafael's St. Michael im Museum des Louvre fertigte er, wobei der Künstler vom Originale eine Kalke nahm, und sie mit durchsichtigen Farben ausmalte, Dann verdanken wir seinem Aufenthalte in Paris auch ein Werk über Angelico da Fiesole . Er fertigte nach dessen Krönung Mariä aus S. Domenico in Fiesole 15 Zeichnungen, welche von Profes- sor Forsell gestochen, unter folgendem Titel erschienen: Mariä Krönung und die Wunder des heil. Dominicus, nach Johann von Fiesole. Nebst einer Nachricht vom Leben des Malers und Erklä- rung des Gemäldes von A. W. Schlegel. Paris 1817, gr. fol.
Die genannten Werke erwarben dem Künstler Ruf, und die Gnade seines Königs, so dass er 1823 durch diesen in den Stand gesetzt wurde, in Italien seine weiteren Studien fortzusetzen. Kurz vor seiner Ankunft in Rom wurden Frescogemälde Mantegna's entdeckt, welche von der Kuppel der Kirche de' S. S. Apostoli beim Abbruche derselben (nach anderen in der alten Basilica des heil. Petrus) ausgesagt, und in der neuen St. Peterskirche in Ver- gessenheit gerathen waren *). Ternite erhielt durch besondere Ver- günstigung Gelegenheit, fünf grosse Bilder zeichnen zu dürfen, welche er sofort in trefflichen Kreidezeichnungen darstellte. Ein an- deres Werk dieser Art unternahm Ternite in Portici. Er copirte die Wandgemälde aus Pompeji und Herculanum in Gouache, um sie durch die Lithographie bekannt zu machen. Das Werk war ursprünglich auf 24 Hefte berechnet, und 1827 hatte der Künstler selbst 9 Blätter lithographirt, wie wir aus der beifälligen Anzeige des Unternehmens in Göthe's Kunst und Alterthum 1827 VI. 169, erscheinen. Die Herausgabe seines Prachtwerkes erfolgte aber erst von 1839 an, unter dem Titel: Wandgemälde aus Pompeji und Herculanum. Nach den Zeichnungen und Nachbildungen in Far- ben von W. Ternite, Mit einem erläuternden Texte von C. O. Mül- ler, Berlin 1836, roy. fol. Das I. Heft enthält 9 Blätter von H. As- mus lithographirt, und zum Theil prächtig in Farben gedruckt. Nach Müller's Tod schrieb F. G. Welker den Text. Im Jahre 1845 erschien das vierte Heft mit 8 Blättern,
Im Jahre 1826 kehrte Ternite nach Deutschland zurück, und wurde Inspektor der k. Gallerie in Potsdam, wo er die Herausgabe der antiken Wandgemälde besorgte. Als weitere Anerkennung sei- ner Verdienste ertheilte ihm der König den Rang eines Hofrathes. Nach seiner Rückkehr aus Italien malte der Künstler auch meh- rere Portraits, welche sich durch Charakter und Leben, so wie durch Wärme der Färbung auszeichnen. Im Jahre 1827 fand ein lebensgroßes Bildniß der verstorbenen Königin von Preussen grossen Beifall, so wie später jenes des Königs, das lebensgroße Kniestück des Herzogs von Mecklenburg - Strelitz, des Grafen von Ingenheim u. a. Im Jahre 1832 malte er das Portrait des Gene- ral-Stabs- und Leibarztes Dr. von Wiebel für das k. medicinische Friedrich - Wilhelms - Institut in Berlin, ganze lebensgroße Figur, im Hintergrunde das Bildniß des Stifters der Anstalt, des Gene- rals - Stabsarztes Dr. Goerike. Im Auftrage des Königs malte er 1837 für ein Zimmer des k. Schlosses das lebensgroße Portrait des Kaisers Franz I. von Oesterreich in Oesterreichischer Feldmarschalls- Uniform. Gleichzeitig ist ein sehr schönes Kniestück des Prinzen Wilhelm von Preussen nach der Natur. An diese Bildniß reihen
*) Cav. V. Camuccini; erklärte sie als Werke Mantegna's, Hof- rath Hirt hielt sie aber für Bilder des Michelozzo da Forli, eines Zeitgenossen des genannten Künstlers.
Auch eigenhändige Lithographien haben wir von diesem Künst- ler, äusserst sorgfältige Blätter nach antiken Bildwerken und nach Wandgemälden aus Herculanum und Pompeji.
Ternley » s. Fearnley.