Teoscopoli oder Theotocopuli, Domenico, genannt il Greco, Maler, Bildhauer und Architekt , soll nach der gewöhn- lichen Angabe 1548 in Griechenland geboren, und von Titian un- terrichtet worden seyn, während es in den Lettere pittoriche VI. 314 heisst, dass Domenico von Kindheit auf in Spanien erzogen wurde, so dass der Künstler vielleicht nur durch die griechische Ableitung seines Familiennamens, oder durch eine willkürlich angenommene griechische Tracht den Beinamen »el Griego« er- halten haben konnte. Dass auf einer satyrischen Darstellung im spanischen Museum zu Paris griechische Inschriften stehen, wird wohl nicht so hoch anzuschlagen seyn, um die griechische Ab- kunft des Künstlers heraus zu demonstrieren. Auch sein Aufent- halt bei Titian in Venedig ist nicht streng nachzuweisen, und die Sage könnte vielleicht auf der Verwechslung mit dem Vene- tianer Domenico delle Greche bestehen, der von mehreren Schriftstellern mit Teoscopoli für Eine Person gehalten wurde, worauf wir unten bei der Erwähnung eines Formschnittwerkes zu- rückkommen. In jedem Falle hatte Teoscopoli die Werke Titian's studirt, und sich die Weise desselben so zu eigen gemacht, dass seine Arbeiten mit jenen dieses Meisters verwechselt wurden. Viele seiner Bilder haben die Vorzüge der Titian'schen Schule, bis er endlich in einem missverstandenen Streben nach Originalität in eine ausschweifende Manier verfiel, und kaum mehr dem Schein- nach den Prinzipien ächter Kunst entsprach. Diess ist um so auf- fallender von einem Manne, der über das Wesen derselben so fleis- sig nachgedacht, und durch Wort und Schrift in wahrem Sinne sich ausgesprochen hatte. Seine Liebe zur Kunst, und die grosse Ach- tung für ihre Heiligkeit verwickelte ihn in viele Streitigkeiten, in welchen er jedoch immer den Sieg behauptet haben soll. Seine spätere Kunstrichtung dürfte ihn aber in manchen Widerstreit ge- bracht haben, der nicht immer zu seinen Gunsten ausfiel. Er war bis in sein hohes Alter thätig. Pacheco sagt, dass er 1611 bei ei- nem Besuche im Hause des Künstlers einen grossen Saal voll Ent- würfe zu Gemälden und eine zahllose Menge von Thonmodellen
gefunden habe. Teoscopoli starb aber erst 1625 in Toledo. Die erühmtesten Schriftsteller und Dichter der Zeit ergossen sich jetzt in Lobeserhebungen. Seine vorzüglichsten Schüler sind J. B. Maino, L. Tristan, P. Orrente und J. T. Teoscopoli, der Sohn unsers Künstlers.
Die Werke dieses Meisters sind in Spanien sehr zahlreich, in den letzten Jahren dürften aber mehrere verschwunden seyn, da französische und englische Kunstliebhaber einen Titian-Teoscopoli nicht verschmähten. Mehrere Bilder erwarb 1837 der König Louis Philipp, und darunter sind auch die schon von Oberst Scheppeler (Beiträge zur spanischen Kunstgeschichte. Aachen 1828, S. 118) erwähnten Meisterwerke. Das eine stellt die Tochter des Meisters dar, eine abgemagerte, krankhafte Gestalt, das andere ist eine Skizze zu einem figurenreichen satyrischen Gemälde auf Carl V. Mit griechischen Unterschriften. In Deutschland sind die Werke die-