Tempesta, Antonio, Maler und Kupferstecher , wurde in Florenz geboren, und von Santo di Tito unterrichtet, welchem er aber weniger verdankt, als dem Stradanus, der in ihm einen ge- fährlichen Nebenbuhler heranwachsen sah. Auch Ludovico Cardi hatte Einfluss auf ihn, da Tempesta oft in Gemeinschaft desselben arbeitete. Im Allgemeinen steht er aber in grosser Selbstständigkeit da, welche ihm ein reiches Talent bereitete. Schade nur, dass ihn die Fülle seiner künstlerischen Kraft zu Ausschweifungen verlei- tete, welche jedoch selbst wieder das Gepräge einer geistreichen Originalität tragen. Nur gestattete ihm seine rege Phantasie nicht die gehörige Ruhe zur vollkommenen Durchbildung, und er er- scheint deswegen oft manierirt. -
Tempesta war in Italien einer der ersten, der sich im Land- schafts- und Schlachtenfach einen Namen machte. Seine Gemälde sind aber nicht häufig, da der Künstler eine Unzahl von Zeich- nungen fertigte, die er grossentheils selbst radirte. Mehrere sei- ner Compositionen führte er auch in Cartons für Tapetenwirker aus. Der Marchese Niccolini, die P. P. dell' Annunziata u. a. be- sassen Schlachtbilder auf Alabaster von ihm, worin er sich als Vorgänger des Bourguignon zeigt, welcher die Werke unsers Mei- sters studirt haben soll. Im dritten Stockwerke der vatikanischen Loggien zu Rom sind Frescobilder von ihm, welche die feierliche Procession vorstellen, in welcher im Pontificate Gregor's XIII. die Ueberreste des heil. Gregor von Nazianz nach der St. Peterskir- che gebracht wurden. Im Schlosse Caprarola sieht man schöne Arabesken von seiner Hand gemalt, in welchen Pferde vorkom- men, die in weibliche Körper ausgehen. Besonders schön sind jene am Gewölbe der Treppe. Zu Tivoli, in der Villa d'Este und in anderen Palästen findet man ähnliche Arbeiten mit Landschaften, architektonischen Darstellungen u. s. w. vermischt, die mei- sten hat aber die Zeit verzehrt.
Den grössten Reichthum seiner Erfindungen haben uns aber seine radirten Blätter erhalten. Er arbeitete in Kupfer, auch in weicheres Metall, und offenbart in Führung der Nadel grosse Übung. Diese Platten sind stark vorgeätzt, wodurch die Abdrü- cke ein rohes Ansehen erhielten, welches keinen gefälligen Ein- druck macht, wofür aber die Sicherheit der Umrisse und die Leb- haftigkeit der Touche entschädigen. In der Zeichnung ist er nicht immer korrekt, in der Anordnung und Durchführung lassen aber seine Blätter immer eine geistreiche Leichtigkeit erkennen. Zu seinen Hauptwerken dieser Art gehören die Blätter mit Schlachten, Reiterscharmützeln, Zügen und Jagden. Die Pferde sind zwar im Allgemeinen zu beleibt, es herrscht aber in ihren Stellungen und Bewegungen mannigfaltiges Leben, und die Köpfe sind edel und ausdrucksvoll. Die Zahl dieser Blätter ist sehr bedeutend. Bartsch P. gr. XVII. 127 ff. beschreibt deren 1460, und glaubt damit ein vollständiges Verzeichniss geliefert zu haben, während Gori das Werk des Meisters auf 1510 Blätter schätzt. Jedenfalls sind dem Verfasser des Peintre graveur mehrere entgangen. Die unten fol- genden Nummern sind jene bei Bartsch, mit etlichen Zusätzen, und am Schluss folgt ein Anhang von Blättern, welche dem genann- ten Schriftsteller entgingen. Die Blätter dieses Meisters sind theils mit dem Namen des Radirers, theils mit dessen Monogramm be- zeichnet.
Zu den vorzüglichsten Stichen und Holzschnitten nach Zeich- nungen dieses Meisters zählt man folgende, welche theilweise nur als Copien zu betrachten sind, wie die Blätter von M. Merian u. A.
Moses am Felsen. C. Lasinio fec., Nach einem Gemälde auf Schiefer in der Sammlung Niccolini zu Florenz. In Marco Lastri's Etruria Pittrice, gr. fol.
Testamentum novum, arabice et latine. Romae in Typographia Medicea 1501. Dieses typographische Prachtwerk enthält 150 schöne Holzschnitte von Lionardu Norsini Parassole, nach A. Tempesta's Zeichnungen. Die erste Ausgabe von 1501 hat die 8 Seiten starke Vorrede nicht, und fängt gleich mit pag. 0, mit dem Evangelisten Matthäus' und dem Worte: Incipit an.
Das Abendmahl des Herrn, gest. von F. Villamena, {fol.