Teichs, Friedrich Adolph, Maler, geb. zu Braunschweig 1812 musste sich nach dem Willen seines Vaters, eines Finanzrathes, den gelehrtten Studien widmen, und bezog im neunzehnten Jahre die Universität Göttingen, um die Rechtswissenschaft zu studi- ren. Nach Verlauf einiger Semester begab er sich zu gleichem Zwecke nach München, allein da erregten die großartigen Kunst-
schöpfungen die lange unterdrückte Neigung zur Kunst in dem Grade, dass er zuletzt die Jurisprudenz vernachlässigte, und er-
muntert vom Professor von Gärtner mit rastlosem Eifer für Archi- tektur. Er entwarf Pläne zu Gebäuden, und schmückte die Aufrisse mit geschmackvollen Ornamenten und im Fries mit Compositio- nen verschiedener Art. Aber bei aller Liebe für die Architektur zog er zuletzt doch die Malerei vor, da sie seinem Drange zur künstlerischen Produktion schnellere Befriedigung versprach. Drei Jahre waren bereits in München unter mannigfaltiger Übung ver- flossen, als er eine Reise nach Ungarn , Ober-Italien und Tirol unternahm, um Studien zu sammeln. Endlich kehrte er über Dresden nach Braunschweig zurück, wo er jetzt, um den mit sei- nen Kunstbestrebungen unzufriedenen Vater zu versöhnen, die ju- ristische Prüfung bestand. Indessen führte er während eines halb- jährigen Aufenthaltes in der Vaterstadt auch ein Gemälde aus: Auerbach's Keller in Leipzig , wie Mephistopheles und Faust den Studenten die Geschichte vom grossen Floh erzählen. Dieses Bild wurde allenthalben mit Beifall aufgenommen und in öffentlichen Blättern gerühmt, und von nun an war der Vater mit der Kunst einverstanden. Nachdem Teichs noch einige Compositionen aus Goethe's Faust und anderen deutschen Dichtern vollendet hatte, be- gab er sich nach Düsseldorf, wo er 1835 den Ritter auf der Burg- zinne malte, wie er zweien Jungfrauen mit Begleitung der Leier ein Lied singt. Dieses fröhliche Bild, das zweite des Meisters in Öel, fand wieder entschiedenen Beifall. Hierauf ging er an ein grosses Gemälde, welches das Studium der Werke Bendemann's kult gab, und seinen Namen weithin bekannt machte. Es stellt Evangene Thessalonier von Mameluken bewacht vor, sieben le- bensgrösse Gestalten in schön geordneteten Gruppen. Hierauf unter- nahm er einen Ausflug nach Amsterdam, und begann 1830 ein grosses Bild für den Herzog von Braunschweig, welches den Pfalz- grafen Heinrich den Langen vorstellt, wie er Berythus in Brand aufgehen lässt und den gefangenen Christen die Freiheit schenkt. Dieses Gemälde fand allgemeinen Beifall, sowohl wegen der schö- nen Anordnung des Ganzen und der einzelnen Gruppen mit ihren charakteristischen Gestalten, als wegen der trefflichen Farbenge- bung und musterhaften Durchführung. Man erkannte ein unge- wöhnliches Talent für reiche Composition, für dramatische Hand- lung, und einen reinen Farbensinn. Gleichzeitig führte er für den Römersaal in Frankfurt das Bildniss des Kaisers Otto II. aus, wo- mit er seine Tüchtigkeit für das historische Portrait beurkundete. Teichs versuchte sich in allen Zweigen der Malerei; so führte er auf einer Reise nach Paris auch einige kleine Architekturbilder aus, und an diese reihten sich dann später mehrere kleine Genre- bilder. Im Jahre 1840 verweilte Teichs wieder in München, und das erste Bild, welches er malte, stellt aus Shakespeare's Hamlet die Ophelia vor, die Unglückliche im stillen Wahnsinne, phantastisch mit Blumen und Ähren geschmückt, wie sie Blumen streuend auf der Terrasse des Schlosses daherwandelt. Hinter ihr sieht man den König und die Königin in inniger Theilnahme, während der Burgwächter ungerührt die Scene betrachtet. Im ähnlichen lyri- schen Geiste, ohne Haschen nach malerischem Effekt, ist auch das grosse Bild ausgeführt, welches den Abschied Heinrichs des Lö- wen von seiner Gattin Clementine vorstellt, eine Scene, die sich ohne Commentar klar und bestimmt ausspricht, wenn auch der Ritter ohne bestimmten Namen als solcher genommen wird. Wir finden daher dieses Bild als Abschied des Ritters von seiner Gat- tin nach Th. Körner bezeichnet. Ein anderes, in seiner Auffassung höchst lebendiges und charaktervolles Bild von 1840, zeigt in um-
Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVIII. 161
Arabern, welche gefangene Griechen bewachen, ein Bild von mäßigem Umfange.
Von München aus begab sich der Künstler 1844 wieder nach
Braunschweig, wo er jetzt das ziemlich grosse Gemälde ausführte, welches Kaiser Carl V. vorstellt, wie er nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 dem Herzog von Alba die Ausgrabung und Ver- brennung der Leiche Luther's verweigert. Die Scene geht in der Schlosskirche zu Wittenberg vor, wo die Gruft bereits geöffnet ist, der Kaiser aber die Profanation verhindert, indem er sagt: Lasst ihn ruhen, ich führe nur Krieg mit den Lebenden, dieser Luther steht bereits vor seinem Richter. Daraus ist der Eindruck der Figuren zu erklären, welcher sich auf verschiedene Weise mo- tiviert. Das Bild hat viele Schönheiten, die Kritik wollte es aber keineswegs zu den gelungensten Werken des Meisters zählen.