Tavernier, Melchior, Kupferstecher und Geograph , wurde 1514 in Antwerpen geboren, wo sein Vater Gabriel einen Kunsthandel trieb, und selbst im Stiche erfahren war. Melchior studirte unter Leitung des J. B. Marinus Mathematik, und Ab. Ortelius erregte seine Liebe zur Geographie, nach dessen Vorbilde er den Plan zur Herausgabe von Landkarten fasste, welche in ganz Europa Staunen erregten. Schon sein Vater befasste sich mit der Topo- graphie und trieb einen Handel mit Karten, welchen er von 1575 an in Paris fortsetzte, und wo er der erste gewesen sein soll, der dieselbst Karten in Kupfer stach, wobei ihm sein Sohn Hilfe lei- stete. Er legte auch eine Druckerei an, welche Melchior in vor- züglichen Stand setzte, so dass dadurch in Paris die Kupferste- cherkunst grossen Umschwung erlangte. Im Jahre 1618 wurde er Kupferstecher und Kupferdrucker des königlichen Hauses, als wel- cher er einen Handel mit Kupferstichen, Landkarten und Büchern trieb. An seinem Hause am Quay de l'Espee d'or befestigte er eine Sphäre von Messing, und brachte diese Figur selbst auf seinen Verlagswerken an, mit der Firma: Sub insigno Sphaerae. Ludwig XIII. beschützte dieses Unternehmen nach Kräften, und be- zahlte die Arbeiten des Künstlers königlich. Anfangs lieferte er Karten in gewöhnlichem Formate, später aber arbeitete er solche im grössten Formate aus, zu drei Ellen im Quadrate. Seine gros- sen Plane und Karten sind jetzt sehr selten, und werden, als zu den ältesten französischen Werken dieser Art gehörig, von den Kunstfreunden gesucht. Er war bis in sein höchstes Alter thätig. Zu seinen letzten Arbeiten gehört der Belagerungsplan von Ro- chelle, welchen er zu Ehren des Cardinals Richelieu zeichnete. Ueber der neuen verbesserten Karte von Engelland überraschte ihn 1641 der Tod. Der Künstler war damals 67 Jahre alt. Der be- rühmte Geograph Nicolaus Sanson brachte die Zeichnungen dieses
Meisters an sich, und konnte erst nach Tavernier's Tode zu An-
sehen gelangen.
Uebrigens findet man auch kleine Porträits seiner Hand, die von keinem grossen Werthe sind, aber selten vor- kommen. Dann finden sich auch alte Stiche und Formschnitte mit den Buchstaben MT., welche auf M. Tavernier bezogen werden,
Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVIII. 10
Duc d'Alençon, mit Lorbeer bekränzt. Unten vier franzö- sische Verse, 8.
Francesco Cardinal Barberinus. Das Fleisch punktirt, in Olo. 180 Manier, Büste, 4.
Francois de Loberan de Montigny. Obiit 12. Maii 1619, 4.
Alexander Francini Florent, Ludovici XII Reg. Christ. In- geniosus 1631. Melchior Tavernier sc. 1631, gr. fol. Dieses seltene Blatt wird ihm im vierten Bande des Stern- berg'schen Cataloges beigelegt, es ist aber von Abraham
Bosse, und dient als Titelkupfer zu dem unten folgenden Werke von Francini.
Die Reiterstatue Heinrich's IV. von Frankreich, mit der Schrift: Melchior Tavernier & Paris, graveur et imprimeur de Roi pour les tailles-douces, demeurant a l'Isle du Palais sur le Quay de l'espy d'or 1627, gr. fol.
Die Ritter vom Orden des heil. Geistes, welche 1633 creirt wurden, Folge von 57 Blättern, kl. fol.
Christus am Kreuze, Holzschnitt von zwei Platten, mit der Initialen M. T., gr. fol.
St. Petrus mit den Schlüsseln, von Füssly erwähnt.
Figures au naturel tant des vestiments que de postures de gardes frangoises du Roy —, 8 Bl. A, Paris chez M. Taver- nier etc, kl. fol.
Livre d'architecture contenant plusieurs portiques de diff- rentes Inventions sur les cinq ordres de colonnes, par Ali
Les Plans et profilz de toutes les principales Villes et lieux considerables de France, ensemble les cartes generales de chascune Province, Faictes, par Sr. Tassin Geographe ordi- naire de Sa Majeste. Paris 1638. Folge von 65 Blättern, welche in Karten, Plänen und Ansichten bestehen: Picardie 45 Bl., Champagne 52 Bl., Lorraine 27 Bl., Bretagne 28 Bl., Normandie 27 Bl., Isle de France 48 Bl., darunter zwei An- sichten von Paris, Brie 16 Bl., Bourgogne 22 Bl., Dau- phine 40 Bl., Provence 18 Bl., Orange 5 Bl., Languedoc Bl., Foix et Bearn 7 Bl., Guyenne 23 Bl., Poictou 26 Bl., Loire 17 Bl., Beauce 20 Bl., gr. qu. 4. Der Text füllt 83 Seiten. Sehr selten.
Cartes generales de toutes les Provinces de France, Folge von 68 Blättern, 1633, gr. qu. 4.
Cartes generales des Royaumes et Provinces de la haute et basse Allemagne, 52 Blätter, 1632, gr. qu. 4.
Descriptions de Tous les Cantons, villes, bourgs, villages et autres particularitez du Pays des Suisses, Paris 1630. Folge von 37 Blättern mit 32 Blättern Text, gr. qu. 4.
Cartes generales des Royaumes de l'Italie, 32 Blätter, gr. qu. 4.
Das alte und neue Rom, in grösstem Formate.
Der Plan von Venedig, in grösstem Formate.
Der Plan von Paris, in ähnlichem Formate.
Der Plan von London, in grösstem Formate.
Plan der Inseln St. Honorat und St. Marguerite, nach St. Clairs' Zeichnungen, gr. roy. fol.
Die Karte von Orleans, gr. roy. fol.
Die Karte von Spanien 1638, gr. imp. fol. N. Sanson gab diese Karte 1643 vermehrt und verbessert heraus.
Die Karte von Deutschland 1638, gr. imp. fol.
Die Karte von England 1638, gr. imp. fol.