Tauriscus, Bildhauer aus Tralles in Lydien

Tauriscus, Bildhauer aus Tralles in Lydien , Schüler des Menecra- tes, einer der berühmtesten Meister der Rhodischen Schule, knüpfte seinen Namen an ein grosses Werk, welches er mit seinem Bru- der Apollonius ausführte. Es ist dies die unter dem Namen des Farnesischen Stieres bekannte colossale Gruppe, welche Amphion und Zethus vorstellt, wie sie, um ihre Mutter Antiope zu rächen, die Dirce, welche Lycus nach der Verstoßung derselben zur Ehe genommen hatte, an einen wilden Ochsen binden. Die Künstler trachten an diesem Werke eine Inschrift an, in welcher sie sich als Verfertiger nannten, und zugleich den Namen ihres Meisters Menekrates hinzufügten. Diese Inschrift ist aber nicht mehr vor- handen, da der grösste Theil der Gruppe neu ist. Sie wurde nach Plinius aus Rhodus nach Rom gebracht, er bestimmt aber die Zeit nicht, in welcher dieses geschah. Plinius sagt nur, dass diese aus einem Steine (ex eodem lapide) gefertigte Gruppe neben anderen Werken im Museum des Asinius Pollio war (quae omnia in Asinii Pollionis monumentis erant). Zur Zeit des Kaisers Augustus, dessen Freund A. Pollio war, scheint also dies Werk noch unversehrt gewesen zu seyn, mit der Inschrift, aus welcher er nicht herausfinden konnte, ob die Künstler Söhne des Artemidorus oder des Menecra- tes gewesen seyen, während man in dem Letzteren den Kunstvater erkannte. Später wurde diese Gruppe in den Bädern des Caligula aufgestellt; wenigstens wurde sie in den Ruinen derselben aufgefunden, und man glaubte ursprünglich den Herkules zu er-

Im Jahre 1786 wurde dieses Denkmal der Pietät der Söhne gegen ihre Mutter von Rom nach Neapel gebracht, und daselbst auf einem öffentlichen Platz aufgestellt. Jetzt ist es im königl. Museum. Es ist von alten anonymen Meistern gestochen, gr. 8 und fol., dann von Diana Ghisi Mantuana 1581, gr. fol., von F. Perrier, fol., von Caspar Reverdinus (C. R. f.) gr. fol., von R. v. Audenaerd (Maffei, Racc. 48) gr. fol., von Gius. Vasi 1772, gr. fol., von Piranesi (Statue etc.), gr. fol., von Collin (Sandrarts Akademie), fol.

*) So sagt er in der neuen Ausgabe seiner Kunstgeschichte, in der ersten Ausgabe dehnt er die Ergänzung bis auf die Schenkel aus. Auch den Kopf des Stieres erklärt er für neu.

Dann nennt er auch einen berühmten Ciseleur aus Kyzikos,