Taunay, Nicolas Antoine

Taunay, Nicolas Antoine, Maler, geb. zu Paris 1758, war Schüler von Casanova, und ein vielseitiger Künstler . Er malte zahlreiche Landschaften mit und ohne Staffage, welche gleichsam die Mitte bilden zwischen seinen historischen Werken, und den Schlacht- und Genrebildern, da sich von seiner früheren bis zu seiner späteren Zeit solche finden. Zu mehreren anderen sei- ner Gemälde wählte er den Stoff aus dem thatenreichen Leben Napoleon's, deren jetzt einige in der historischen Gallerie zu Ver- sailles aufbewahrt werden, und die in Gavard's Gall. hist. de Ver- sailles gestochen sind, wie die Erstürmung des Schlosses Cos-saria bei Milesimo 1706 (gest. von Schroeder), die Schlacht zu Yam- reth 1790 (gest. von Aubert), der Uebergang der französischen Armee über den St. Bernhard 1800 (gest. von Aubert), die Armee im Engpass von Guadarama 1808 (gest. von Huot). Es finden sich aber noch mehrere andere Werke dieser Art, worunter 1801 dasjenige, welches Napoleon vorstellt, wie er auf dem Schlacht- felde die Gefangenen empfängt, den Aufmunterungspreis von 1500 Frs. erhielt. Dieses Bild wurde im Luxembourg aufgestellt. Weiter folgte der Uebergang Napoleon's über die Alpen und der Angriff auf das Fort Bard, Kaiser Napoleon zu München 1808, die Schlacht von Ebersberg 1810, der Einzug der kaiserlichen Garde durch den Triumphbogen an der Barriere Pantin, die Schlacht bei Lodi 1810 (im Besitze des Fürsten von Neufchâtel), und verschiedene militärische Genrestücke aus den französischen Kriegen der Kaiser- zeit. Andere Darstellungen wählte Taunay aus dem Leben Heinrich's IV. von Frankreich. Im Jahre 1804 malte er die Ge- schichte mit dem Bauer, und 1824 wiederholte er die Scene. Ein anderes Bild stellt den König vor, wie er den verwundeten Sully in die Arme schließt. In dem damals sogenannten Fache der Anaekdotenmalerei leistete Taunay von jeher Interessantes. Auch streng historische Darstellungen, oder vielmehr schöne historische Skizzen hat man von seiner Hand: Moses als Knabe aus dem Wasser errettet, Eleazar und Rebecca, Jacobs Ankunft in Meso- potamien, Samson und seine heirathsfähige Tochter, der verschwenderische Sohn, wie er trotz aller Bitten der Angehörigen das vä- terliche Haus verlässt, der barmherzige Samariter, Moses Wasser aus dem Felsen schlagend, die Predigt des Täufers Johannes, die Messe in der Capelle des heil. Rochus etc. An diese Werke schlies-

Darunter werden folgende Bilder genannt: Vafrin, der Knappe Tancred's im Heere der Sarazenen, wie ihn Herminia erkennt, die Hirten Theocrits mit der Herde auf der Weide, die Hirtin der Alpen, Mönche, welche kranke Soldaten in ihr Kloster brin- gen, ein Eremit, welcher einer bunten Versammlung Worte des Heils predigt, der Bau der grossen Carthause in Grenoble (Um- riss im Pausanias francais 454), die Hochzeit mit fröhlichen und tanzenden Gästen, die Rückkehr von der Hochzeit, ein Knabe, welcher zwei seiner Kameraden aus den Wellen rettet (im Lu- zembourg), ein Mädchen von einem Bären überrascht, das Aeus- sere eines Militärhospitales, ein Charlatan beim Zahnausreissen, der reisende Musikant, Halte von militärischen Bagagewägen, ein Jahrmarkt, der Brand am Sechafen, das Glück und das Kind, ein Greis mit seinen Enkeln, die Gänse des Frater Philipp, meh- rere Pastoralen, u. s. w. Auch einige Bildnisse malte der Künst- ler. Besonders schön wurde jenes von Ducis befunden.

Im Jahre 1816 begab sich Taunay auf Veranlassung des Gra- fen von Abarca nach Rio Janeiro, da König Johann IV. daselbst eine Akademie der Künste zu gründen beschlossen hatte. Er nahm zu diesem Ende seinen Bruder August mit sich, und mehrere sei- ner Söhne sollten dort ihre Laufbahn beginnen. Ausserdem ging der Historienmaler Debret, der Architekt Grandjean de Montigny, der Kupferstecher Simon Pradier, die beiden Medailleurs Ferrer und der Bildhauer Fr. Bonrepos mit ihm. Allein das neue Institut fand kein günstiges Gedeihen, und als endlich José de Silva zum Direk- tor ernannt und August Taunay gestorben war, kehrte der Künst- ler nach Frankreich zurück, wo er auch einige der oben genannten Bilder ausführte, wozu ein Theil der historischen gehört. Grand- jean blieb aller Hindernisse, zum Trotz in Brasilien, und nach Silva's Tod wurde Felix Taunay Direktor der Akademie in Rio Janeiro, wo auch Felix Emil Taunay lebt, beide Söhne unsers Künst- lers. In Brasilien malte dieser meistens Landschaften, schmückte sie aber mit einer geistreichen Staffage aus. So erscheint der oben

genannte Prediger Johannes in einer brasilianischen Landschaft, im Jahre 1822 malte er eine Ansicht des Stadttheiles Matta-Ca- vallo in Rio, den Eingang in die Bucht daselbst, die Ansicht der Kirche St. Maria de la Gloria u. s. w. Er war Mitglied des fran- zösischen Instituts und Ritter der Ehrenlegion. Im Jahre 1830 starb der Künstler.

Die Werke Taunay's tragen das Gepräge eines geistreichen und originellen Meisters. Seine Compositionen sind meistens reich und glücklich durchgeführt. Er war ein ausgezeichneter Praktiker, der, ohne strenge Studien nach der Natur zu machen, ein sehr effektvolles Bild hervorzubringen wusste. In der Fär- bung verfiel er zuweilen in's Grauliche, da er viel Weiss anbrachte, Doch lassen auch viele seiner Gemälde in dieser Hinsicht wenig zu wünschen übrig, besonders seine späteren Arbeiten, die sich auch durch Farbentrische empfehlen. Mehrere seiner Werke sind durch den Stich und die Lithographie bekannt. Im Jahre 1802 wurden einige seiner Zeichnungen für die Prachtausgabe von B. de St. Pierre's Paul und Virginie gestochen. In jener von Ra- cine's Werken 1804 ist le Plaideur nach ihm gestochen. Bocquet stach nach ihm ein grosses Blatt in Lavismanner; Rentree du mi-

Dann haben wir auch eine Landschaft mit der Schrift: Tan- nay pinx., ohne Namen des Stechers. Links zeigt sich eine Brü- cke, über welche das auf dem Pferde sitzende Weib die kleine Heerde führt. Auf dem Berge rechts ist eine Windmühle. Im Rande steht: Du Cabinet de Mr. Poullin, qu. 4.