Tattersall, B., Architekt zu Manchester , gehört zu den besten neueren englischen Künstlern seines Faches. Er machte seine Studien in Italien , und bewies dann in allen seinen Werken die gründlichsten Kenntnisse. Er baute 1853 die gothische Capelle zu Dukinfield (Cheshire ), ein schönes und im reinen Style durch-
ges Gebäude. Tattersall ist aber auch in der alten klassischen Bau- kunst erfahren.
Jatti, Jacopo, genannt Sansovino, Architekt und Bildhauer , wurde zu Florenz geboren, und zeigte schon in frühester Jugend entschiedene Anlage zur Kunst, die sich namentlich in kleinen Modellen aussprach. Der Vater unterstützte diese glück- liche Anlage auf möglichste Weise, und übergab ihn dem Andrea Sansovino, welcher mit väterlicher Sorgfalt das Talent des Schülers pflegte. Diess erzeugte zwischen diesem und dem Meister eine wechselseitige Anhänglichkeit, und zuletzt ging der Zuname Andrea's selbst auf Jacopo über, der von nun an allge- mein Jacopo Sansovino genannt wurde. Er widmete sich anfangs ausschliesslich der Bildhauerkunst , und übte sich mit Andrea del Sarto, der mit Jacopo innige Freundschaft schloss, mit solchem Eifer im Zeichnen, dass beide Künstler es hierin zu seltener Voll- kommenheit brachten. Ihr Streben war zwar ein verschiedenes, aber einer lernte vom anderen, da sie auch ihre Gedanken über Kunst und deren Schwierigkeiten austauschten. Ihr Vorbild war
Michel Angelo. Unter denjenigen, welche nach den berühmten Cartons desselben zeichneten, finden wir namentlich diese beiden Künstler erwähnt.
Von Florenz aus begab sich Sansovino mit Giuliano da San Gallo nach Rom, wo ihn Raphael und andere grosse Künstler höchst schätzten, nur der neidische Michel Angelo ihm grollte, weil er einen Nebenbuhler fürchtete. Buonarotti erkannte in den Werken des jungen Künstlers ein eminentes Talent, das unermü- det nach Vollkommenheit strebte. Tatti studirte mit Eifer die anti- ken Bildwerke, deren er mehrere meisterhaft restaurirte. Auch eini- ge Statuen und Gruppen modellirte er, und nebenbei richtete er nach dem Vorbilde San Gallo's das Augenmerk auf die antike Baukunst, die fortan seine Zeit theilte, bis er zuletzt in Venedig fast ausschliesslich der Architektur den Vorzug gab. Der rastlose
Eifer und die Sucht nach sinnlichem Vergnügen verursachten ihm bereits eine Krankheit, welche ihn nöthigte, zur Herstellung seiner Gesundheit nach Florenz zurückzukehren. Hier bot 1515 der Ein- zug des Papstes Leo X. den Künstlern Gelegenheit zu einer Menge von Verzierungsarbeiten, und Sansovino konnte jetzt in architektonischen Erfindungen sein Talent zeigen. Er erhielt den Auftrag, Zeichnungen für Triumphbögen zu entwerfen, zu de
Wir beginnen mit der Aufzählung seiner architektonischen Werke, in welchen er in eigenthümlicher Grösse erscheint. Er schliesst sich an Michele San Michele an, erscheint aber nüchterner, als dieser Meister. Unter seinen Palästen, die er in Venedig aus- führte, ist namentlich das Gebäude der alten Bibliothek an der Piazetta als ein Werk von edler und geistreicher Behandlung zu nennen, welches seiner gepriesenen Zecca weit vorzuziehen ist.
Zu seinen ersten Werken dieser Art in Rom gehören die Zeichnungen und Modelle der Servitenkirche S. Marcello, deren Bau aber ins Stocken gerieth. Dann baute er im Auftrage des Marco Coscia die schöne Loggia vor der Porta del Popolo an der flaminischen Strasse. Unter den Palästen steht jener der Familie Gaddi an der Strada de' Bianchi oben an, und auch das Haus des Luigi Leoni zeichnet sich durch zweckmässige Eintheilung aus. Die Villa des Cardinals de Monte begann er zu bauen, vollendete aber dieselbe nicht. Sein Hauptwerk in Rom ist aber die Kirche der Florentiner, zu welcher auch Rafael, San Gallo und B. Peruzzi Pläne lieferte, denen aber Leo X. jenen des Sansovino vorzog. Durch die Tiber beschränkt kam der Künstler, um Raum zu ge- winnen, auf den Einfall, in den Fluss einzugreifen, und einen Theil der Substruktion in das Wasser zu führen, welches mit Schwierigkeiten und Kosten verbunden war, so dass Vasari auf- man hätte damit die halbe Kirche gebaut. Ein Fall, welchen der Architekt beim Baue that, rettete diesen aus der Verlegenheit. Er begab sich zur Herstellung seiner Gesundheit nach Florenz, und Antonio San Gallo hatte die Ehre, alle Schwierigkeiten zu be- siegen. Inzwischen traten aber Unfälle ein; Leo X. starb, Adrian VI. baute nichts, und unter Clemens VII. wurde Rom geplündert. Damals entging Sansovino der Gefahr, und in Venedig ging ihm ein neuer Glücksstern auf, wo jetzt sein Talent unbegrenzt Spielraum fand. Er erfreute sich der Protektion des Dogen Gritti, welcher ihn verhinderte, an den Hof Franz I. nach Frankreich zu gehen. Den grössten Einfluss auf das Schicksal seines Lebens
Seine erste Arbeit in Venedig war die Wegräumung der Läden und hölzernen Gebäude, welche die großen Granitsäulen des Haupt- platzes versperrten, und die Aussicht auf den großen Canal entzö-
gen. Von viel grösserer Bedeutung war aber die Restauration der
Kuppeln der St. Markuskirche, welche durch ihr Alter und durch eine hundert Jahre vorher ausgebrochene Feuersbrunst stark gelit- ten hatten. Vor allem galt es, das Vordringen der Sprünge der Haupt- kuppel zu beseitigen, welches er durch einen aus mehreren Schie- nen bestehenden, durch Schraubenmuttern und Keilen von Bronze zusammengezogenen Reif von Eisen bewerkstelligte. Man nennt diesen Reif noch heut zu Tage »il cerchio del Sansovino«, zum Unterschiede von zwei anderen Ringen, die in der Folge ange- legt wurden. Dann restaurirte er auch das Innere der Kuppeln und vollendete die Arbeit mit solcher Einsicht, dass sein Ruf weit- hin sich verbreitete. Auch erhöhte die Republik seinen Gehalt auf 180 Dukaten.
Im Jahre 1532 übernahm Sansovino den Ausbau des schon 1508 von P. und T. Lombardo begonnenen Gebäudes della Scuola della Misericordia, welches in dieser Gestalt von einigen als sein ausschliessliches Werk betrachtet wird, während andere nur eine Nachahmung des Styls des Sansovino erkennen wollten. Das Ge- bäude ist auch nicht ganz vollendet. Der obere Saal ist ohne alle Verzierung, gegen die gewöhnliche Anordnung des Künstlers, der nie in einer solchen Einfachheit componirte. Die schöne Treppe, das Gastzimmer (Albergo), der prächtige Saal im Erdge- schosse und ein zweiter über demselben verrathen Sansovino's Erfindung. Der erstere ist durch zwei Reihen Säulen composed Ordnung in drei Schiffe getheilt. Zur nämlichen Zeit begann Sansovino auf Befehl des Dogen Gritti den Bau von S. Francesco della Vigna, ein Werk von edler Einfachheit, welches aber Palla- dio vollendete. Der Dom und die Facade wird für das Werk dieses Meisters gehalten. Den Aufriss, welchen Sansovino der Kirche geben wollte, zeigt eine Schaumünze, welche zum Andenken ge- prägt wurde. Ein anderes gepriesenes Bauwerk des Künstlers, dessen Ausführung 1535 der Rath der Zehn demselben übertrug, ist der Palast der Zehnt (la Zecca), welcher von einigen als Mei- sterstück gepriesen wird, während in Hinsicht auf den Styl des Gebäudes dieser mehr widrig als schön erscheint, dasselbe der Eleganz entbehret, und durch die Anwendung der Bossagen von Istrischem Gesteine eher einem festen Schlosse als einem freund- lichen Palaste gleicht. Mit Inbegriff des Erdgeschosses, welches
aus neun Bogen von Bossagen besteht, erhebt sich die Masse in drei Stockwerken, wovon das mittlere mit dorischen Pilastern geziert ist, aber durchschnitten durch Vorsetzsteine. Die oberste Etage enthält eine jonische Säulenordnung, die ein mit Kragsteinen ge- ziertes Gesims trägt. Die Verzierung nimmt mit den Stockwer- cken zu. Im Innern des Hofes ist im Allgemeinen dieselbe An- ordnung, die nämliche Säulenordnung, und dasselbe Höhenmass. Es unterscheidet sich bloss durch eine grössere Länge und durch
Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVIII. 9
Im Jahre 1530 beschloss der Senat den Bau einer Bibliothek, und Sansovino erhielt den Auftrag ein Modell zu fertigen, welches sogleich genehmigt wurde. Diese Bibliothek an der Piazzetta bil- det in ihren 21 Bogen eine Fortsetzung der Gallerien des St. Mar- kusplatzes. Die Säulenordnung des Erdgeschosses ist dorisch, die der oberen Etage jonisch, und die obersten Arkaden sind gebogene Fenster, welche selbst durch kleinere jonische Säulen verengt sind. Beim Baue dieser Bibliothek richtete sich Sansovino na der Höhe der beiden Etagen des älteren Flügels, und er dachte sich den linken Flügel als vollendet, welcher eine Fortsetzung der Bogen seiner Bibliothek bilden sollte. Allein Scamozzi nahm da- rauf keine Rücksicht, wie wir im Artikel desselben bemerkt haben, Aus dieser Voraussicht erklärt sich die Höhe der beiden Gesimse seiner Säulenordnungen, wovon das dorische das Drittel einer Säule, und das jonische mehr als die Hälfte einnimmt. Die Ba- lustrade über dem letzteren bestimmt den Höhepunkt, zu wel- chem der neue Flügel hätte steigen sollen. Die Verhältnisse der Bibliothek sind daher ungewöhnlich, der Künstler wusste aber durch die Schönheit und Mannigfaltigkeit der Verzierungen diesen Zwang unmerklich zu machen. Die Archivolten bestehen in Fi- guren von Bildhauerarbeit. Nichts ist aber reicher als die beiden Friese, besonders jener über dem jonischen Architrav, der bei- nahe die Gesammthöhe des Architraves und des Karnisses hat.
Die mit Statuen gezierte Balustrade verbirgt vom unten den An- blick eines sehr hohen Daches. Der mittlere Bogen der Fassade führt zu einer sehr schönen Treppe mit reich verzierten Gewölben von A. Vittoria. Oben gelangt man in einen herrlichen Saal, welchen Scamozzi für eine Sammlung alter Sculpturen einrichtete. Von hier kommt man in das Lokal der Bibliothek selbst. Sie nimmt sieben Arkaden des Gebäudes in der Länge, und drei in der Breite ein, und enthält ein prächtig mit Feldern gezier- tes Gewölbe. Der andere Theil des Gebäudes, zu welchem eine Treppe führt, die mit der erwähnten in Verbindung steht, geht auf die Pescheria und ist für die Geschäfts-Bureaux bestimmt. Die grossen Arbeiten an der Bibliothek sollten um 1545 ihre Vol- lendung finden, denn es war nur noch der Theil zu wölben, wel- cher für die drei Bureaux bestimmt war; allein kaum war das Ge- wölbe vollendet, so stürzte es ein. Man schrieb diesen Unfall ver- schiedenen Ursachen zu, die der Architekt nicht verhindern konnte; allein es war auch die Sprache von Fahrlässigkeit und von zu großem Wagniss des Architekten, der sich wahrscheinlich zu viel auf seine Bänder und Klammern verließ. Sansovino wurde trotz aller Ausreden ins Gefängniß geführt, der Stelle eines Ober- Architekten entsetzt und zu einem Ersatz von 1000 Dukaten ver- urtheilt. Mittlerweile erhoben sich aber zahlreiche Freunde und Aretino an der Spitze, welche zu Gunsten des Künstlers schrieben. Mendoza, der Gesandte Carl V. bei der Republik, erwirkte seine Freiheit, und zuletzt scheint der Künstler sich wieder hergestellt zu haben, da ihm die erwähnte Summe zurückbezahlt, und er wie- der in sein Amt eingesetzt wurde. Er stellte jetzt ein neues Ge- wölbe her, welches aber von Zimmerwerk ist. Mit Rohr benagelt erhielt es einen Bewurf, der die Decoration desselben bildet. Ueber die Lösung eines vermeintlichen Problems an diesem Gebäude s. Q. de Quatremère's Leben der berühmtesten Architekten, deutsch von Heldenmann I. S. 266, oder dessen Dictionnaire d'Architecture. Im Jahre 1552 zerstörte eine Feuersbrunst einen grossen
Die Zahl der Bauwerke dieses Künstlers ist gross, und daher finden sich über einige nur kurze Notizen, aber ohne dass sie nicht den Ruf eines Architekten gründen könnten. Hiczu gehö- ren in Venedig die Kirche S. Martino am Arsenal, jene der Un- heilbaren, deren Bau ursprünglich für ein musikalisches Conserva- torium bestimmt war, die Scuola di S. Giovanni dei Schiavon, der Chor der von einem Meister der Schule der Lombardi begon- nenen Kirche Mater Domini, die Facade von S. Giuliano, an wel- cher auch Vittoria Theil hatte, u. s. w.
Es sind aber wohl nicht alle Gebäude nach seinem Plane, die ihm zugeschrieben werden; denn Sansovino hatte Nachahmer und Copisten. So wird von einigen die Kirche S. Giovanni Maggiore in Verona dem J. Tatti, von anderen dem Michele San Micheli zuge- schrieben. Jedenfalls ist sie eines der schönsten Werke der Re- naissance-Zeit. Als sein Werk gilt auch der Peristyl des Univer- sitätsgebäudes in Padua, obgleich er in den Nachträgen zu Pallı- adio dem letzteren zugeschrieben wird. In dem jetzigen Zustande würde aber Sansovino dagegen protestiren. Die reiche Capelle des heilig. Anton daselbst soll er mit G. M. Falconetto gebaut haben. Auch die Kirche des Campo santo in Ferrara wird ihm zugeschrie- ben, für welche er aber wahrscheinlich nur Sculpturen lieferte. Abbildungen venetianischer Bauten s. Fabriche e Monumenti co- spicui di Venezia, illust. da L. Cicognara, A. Diedo e G. A. Selva 2. Ediz. con notabili aggiunti e note. 250 KK. in fol. und 2 Bogen Text, 8. Venezia 1840. Scamozzi sagt, dass Sansovino selbst ein Werk über Baukunst geschrieben habe. Wo sich dieses, befindet, ist unbekannt.
Die zweite Abtheilung der Werke dieses Meisters bilden die Sculpturen. Durch diese verbreitete er die Richtung Michel An- gelos nach Venedig, wo auch eine bedeutende Anzahl von Schü- lern seinen Styl nachahmten, da er bis zu seinem Tod den grös- sten Einfluss auf die Künste ausübte. Indessen gehört Sansovino keineswegs zu jenen einseitigen Nachahmern Michel Angelos, wel- che in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts so viele auftauc- hten, die nur in der Uebertreibung der Einseitigkeiten des Meisters das Heil für die Kunst zu finden wähnten; im Gegentheil ist in seinen Arbeiten häufig eine zartere Formengebung, eine eigent- hümliche Liebenswürdigkeit zu bemerken, die eben so sehr, wie dem eigenen Sinne des Künstlers, eines Theiles wohl den Nach- wirkungen seines ursprünglichen Meisters, andern Theils dem al- gemeinen künstlerischen Streben, in welches er zu Venedig ein- trat, zugeschrieben werden muss. Unter seinen Schülern und gleid- strebenden Zeitgenossen zu Venedig, mit denen er mehrfach gemeinschaft- lich arbeitete, sind besonders Danese Cataneo, Girolamo Campagna, Alessandro Vittoria, Giulio del Moro, Tiziano Aspetti, Francesco Segala, Tiziano Minio u. s. w. zu nennen. Vgl. Kunst- Handbuch S. 666.
In S. Agostino zu Rom ist von ihm eine Statue der heil. Jung- frau, und in S. Jacopo degli Spagnuoli die Statue des heil. Jacob, in edlem und strengem Style behandelt. In St. Maria del Popolo sieht man zwei Grabmäler von Sansovino, die zu den besseren Werken dieser Art in jener Zeit gehören.
In Florenz sind ebenfalls Sculpturen von ihm. In der Sacri- stei von S. Spirito ist eine Holzstatue des heil. Nicolaus. Für das Oratorium am neuen Markt fertigte er eine Statue der heil. Jung- frau, womit er über B. Bandinelli siegte, und in St. Maria de, Fiori ist eine Statue des heil. Jacobus major. Die Taufe Christi
Brand zu Grunde ging. Im dritten Bande des Mus. Fior. p. 54 ist sie gestochen.
Auch in Ferrara hinterliess Sansovino Werke der Bildhauerei. Für den Herzog führte er die Statue des Hercules aus, und in der Kirche des Campo Santo sind einige der schönen Sculpturen von ihm. In der Capelle des heil. Anton in S. Petronio zu Bologna ist die Statue des heil. Antonius von seiner Hand.
In S. Antonio zu Padua wurde von ihm und seinen Schülern der reiche Reliefschmuck der Capelle del Santo gefertigt. Als ei- genhändiges Werk gilt das Basrelief, welches die Erweckung eines Mädchens durch St. Anton vorstellt. Auch ein zweites Werk die- ser Art in der Capelle Mucius Scävola vor Porsenna, wird ihm zugeschrieben.
In der Cathedrale zu Verona wird ihm der Tradition nach das Monument des Bischofs Nicasola zugeschrieben. Es wurde auf
Kosten des Canonicus Francois Gervais errichtet,
Dann war Sansovino auch bei der Ausschmückung von St. Maria di Loreto in der Mark Ancona thätig. Die Wände sind sehr reich in Stucco verziert. Maggi und Vincent haben die ar- chitektonischen Ansichten und die Ornamente gestochen.
Im Museum zu Berlin werden diesem Künstler ebenfalls zwei Werke zugeschrieben. Das eine ist ein Altaraufsatz aus einer Kir- che in Venedig, mit Maria in der Mitte, welche das Kind stehend auf einer Brüstung hält, rechts St. Jacobus und eine Heilige. Den Hintergrund bildet reiche Architektur im Geschmacke des Cinque- cento. Das Edle und Erhabene in der Madonna erinnert auffal- lend an Michel Angelo, und die durchgängig sehr fleissige Aus- führung erstreckt sich mit ganz besonderer Sorgfalt auf die Ge- wänder, welche bis zu den kleinsten Falten einen höchst gewäh- ten Geschmack zeigen. Dann ist daselbst ein Hochrelief in weis- sem Marmor, welches in dem mehr malerischen als plastischen Styl der Auffassung den Einfluss des Michel Angelo kund gibt. Manche Motive erinnern an dessen durch einen alten Stich be- kannte Composition desselben Gegenstandes.
Im zweiten Bande der Storia della Scultura vom Grafen Ci- cognara sind mehrere plastische Werke dieses Meisters abgebildet.
Sansovino starb zu Venedig 1570, und wurde in S. Gemignano begraben. Hier wurde ihm ein Mausoleum errichtet, mit der von A. Vittoria gefertigten Büste des Meisters. Im Jahre 1807 wurde diese Kirche demolirt, und das Monument wurde in jene des heil Mauritius gebracht. Seit dem Jahre 1822 sieht man dasselbe in der Capelle della Salute im Seminar des Patriarchen, von wo aus es später wieder nach S. Maurizio gebracht werden sollte. Te- manza schrieb das Leben dieses Künstlers: Vita di J. Sansovino. Venezia 1752.
Das von Titian gemalte Bildniss dieses Künstlers hat P. Mo- naco gestochen. R. Pozzi stach das von S. di Tito gemalte Por- trait desselben. Von Cechi haben wir ein kleines Bildniss San- sovino's. Auch bei Vasari und Bottari kommt es vor. In der flo- rentinischen Serie de' ritratti. IV. 125 ist eine Medaille mit seinen Bildnissen gestochen.
In Strehla war eine ähnliche Kanzel, aber von einem Bildschnitzer und Töpfer Michael Melchior Tatze gefertigt, der 164 geboren wurde. Der Künstler brachte ebenfalls Basreliefs an, die bemalt wurden, die Figuren in mehreren Farben und mit Gold. Des Ehebruches überführt soll dieses Kunstwerk den Künstler von einer Todesstrafe gerettet haben. Vgl. sächsisches Curiositäten Cabinet 1734 S. 300.