Tardieu, Jean Charles (genannt Cochin), Maler, geboren zu Paris 1765, war der Sohn des Jean Nicolas Tardieu, genoss aber den Unterricht des Malers Regnault , welcher ihn in kurzer Zeit zu seinen besten Schülern zählte. Dennoch wurde ihm der grosse Preis nicht zu Theil, obgleich er zu wiederholten Malen con- currirte. Die Schüler David's wurden bevorzugt, und Tardieu musste es sich daher 1790 zu grossem Glück rechnen, den zwei- ten grossen Preis der Malerei erlangt zu haben. Von dieser Zeit an brachte er in einer Reihe von Jahren eine grosse Anzahl von Gemälden zur Ausstellung, wovon die meisten das Gouvernement bestellte oder erwarb. Sie wurden in den Gallerien des Luxem- bourg, zu Versailles , St. Cloud , Fontainebleau und Compiegne, in den Museen zu Rouen, Besançon , und in den Cathedrales zu Rouen, Nismes und Lons-le-Saulnier aufgestellt. Darunter sind auch mehrere Copien nach Ph. de Champaigne und anderen äl- teren französischen Meistern, welche das Ministerium anfertigen liess. Für einige Präfecturen malte er das Bildniss des Königs Karl-X. Ueberdies sind auch im Privatbesitze mehrere Gemälde dieses Meisters, sowohl historische Darstellungen als Genrebilder. Gabet (Dict. des artistes p. 447) zählt die Hauptwerke dieses Mei- sters auf, die aber durchhin keineswegs der Kritik entgingen, besonders die früheren. Zu diesen gehört der Tod des Correggio, welchen Tardieu malte, aber in Abwesenheit der Grazien, wie es im Pausanias français p. 455 heisst. Auch einige Unrich- tigkeit in der Zeichnung und Verstösse gegen das Costum werden gerügt. In der Hauptfigur erkennt dieser Pausanias eher einen schweizerischen Alpenbewohner, als einen Italiener, und überdies ist die Färbung schwarz und undurchsichtig. Talent wird aber dem Künstler nicht abgesprochen, der sicher Besseres leisten könnte. Zu den Hauptwerken zählt dann Gabet auch die Episode aus dem Leben Napoleon's, wie dieser in Tilsit die Königin von Preussen empfängt. Dieses Bild wird im Morgenblatte 1808 S.