Taillasson, Jean Joseph, Maler, geb. zu Blaye 1745, sollte Kauf- mann werden, oder den gelehrten Studien sich widmen, fand aber zur Theologie eben so wenig Lust, wie zur Jurispruden z. Er schrieb an jede Mauer mit grossen Buchstaben: Ich will Maler werden oder sterben, diess schwöre ich bei Rafael! Endlich durfte er Maler werden. Er trat zu Paris im Vien'schule, wo er mit solchem Eifer der Kunst sich hingab, dass seine schwache Ge- sundheit litt. Dennoch konnte er keinen Preis erlangen, und ging daher mit Unterstützung der Seinigen nach Rom , wo er jetzt im Verlaufe von vier Jahren die Antike und die Werke Rafael's stu- dirte, aber doch kein Rafael wurde. Nach seiner Rückkehr über- reichte er der Akademie in Paris eine allegorische Darstellung auf die Geburt Ludwig's XII., welche ihm den Titel eines Agrée erwarb, und 1777 wurde er Ehrenmitglied der Akademie, wobei er das Bild überreichte, welches den Philoktet vorstellte, wie ihm Herku- les den Pfeil aus der Wunde zieht. Von dieser Zeit an lieferte er eine Anzahl von Gemälden, welche theilweise grosse Vorzüge be- sitzen, besonders in Hinsicht auf die Wahl der Gegenstände und auf das Streben nach Wahrheit des Ausdruckes. Wenn sich seine übrigen gezeichneten Figuren etwas theatralisch geberden, so ist dies der größte Fehler der französischen Schule. In der Technik steht er den besseren Meistern seiner Zeit nach, da er ängst- lich war, und nicht alle Theile seiner Bilder mit gleicher Kraft und Sicherheit vollendete. Er machte auch wenig Glück, da der
"gewaltigen David allen" Ruhm behauptete; und viele gute Künstler im Schatten stellte. )
An die oben genannten Bilder reiht sich das Gemälde, wel- ches den Virgil vorstellt, wie er dem Augustus aus der Aeneide die Stelle vom Tode des Marcellus vorliest, ein verständlich geord- netes Bild. Besonderen Beifall erwarb ihm eine Scene aus dem fünften Akte von Corneille's Rodogune, wo Olympias der Wuth der zum Morde bestellten Soldaten gegenüber erscheint. Von die- sem Werke spricht auch Ducis in der Epistel an Vien und setz sich an. In den Köpfen herrscht Leben und Ausdruck, nur er- scheinen die Mörder der Bühne entnommen. Von edler und ein- facher Composition ist dagegen sein Bild von Hero und Leander, in lebensgrossen Figuren. Hierauf malte er die Berenice, wie sie dem Ptolomäus Vorwürfe macht, dass er Spiele, während die Rich- ter das Todesurtheil sprechen, eine reiche und angeblich vortref- fliche Composition mit Figuren in einer Höhe von 2 Fuss. Landon preisst dieses Bild in den Nouvelles des arts II. 11. vor allen die- ses Meisters, und rühmt auch die moralische Tendenz, welche fast in allen Werken desselben vorherrsche. Alle diese Werke gibt Landon in seinen Annalen im Umrisse, so wie den Timoleon zu Syracus, den Herkules, wie er dem Admet die Alceste aus der Unterwelt zurückbringt, ein Bild in lebensgrossen Figuren, dann das Gemälde mit Rhadamist und Zenobia, die letzte Scene von Crebillon's Tragödie 1806, und die Psyche in Trauer über die Treulosigkeit des Amor, lebensgrosse Gestalten. Dann malte dieser Künstler auch den Tod des Aeneas, Andromache am Grabe des Hector, Eponina und Sabinnus 1805, Sappho's Sturz vom Leucadischen Felsen und den rasenden Hercules. Diese beiden letzten Bilder erwarb die Gesellschaft der Kunstfreunde, und man zählte sie zu den Hauptwerken Taillasson's. Die Besitzer der Werke dieses Meisters sind uns unbekannt. Einige erwarb der Fürst von Neufchatel, welchen Taillasson früher in der Zeichenkunst unterrichtet hatte. Dieser Fürst fand mehrere Arbeiten im Atelier des Meisters vor, und kaufte deren nach und nach zu höheren Summen, als der Künstler gefordert hatte. Dadurch floss ihm auf schonende Weise eine Unterstützung zu. Eines der letzteren Werke stellt den Tod der Dido vor. Einige andere Bilder waren noch beim Tode des Meisters vorhanden, die vielleicht unbeachtet zu- rückgestellt sind, so wie es vielen Malwerken aus jener Periode erging, besonders solchen von Künstlern zweiten Ranges, wozu man den Taillasson gezählt zu haben scheint. Er war aber einer der edelsten, und von streng wissenschaftlicher Bildung. Für viele Leiden und Entbehrungen entschädigte ihn die Kunst, die Wissen- schaft und Freundschaft. Er war Mitglied mehrerer gelehrten Ge- sellschaften. Auch hinterliess er eine Sammlung von Gedichten, da- runter eines unter dem Titel: Le Danger des regles des arts, une Elegie an die Nacht. Im Moniteur und im Journal des arts erschienen mehrere interessante Abhandlungen über ältere Meister und ihre Verdienste, die dann vollständig in folgendem Werke erschienen: Observations sur quelques grands peintres, dans les- quelles on cherche à fixer les caracteres distinctifs de leur talent. Avec un précis de leur vie. Par Taillasson. Paris 1807, 8. Im
Jahre 1809 starb der Künstler.
Demarteau stach nach ihm eine grosse Büste der heil. The- resa mit erhobenen Händen, und mit aufgerichtetem Blick. Dieses schöne Blatt ist in Kreidemanier ausgeführt, roth und schwarz gedruckt, gr. roy., fol. Willemin stach das Brustbild eines Ge-
fangenen, mit der Unterschrift: Hülas! si jeune‘ encore ete/Umriss nach seinen Werken s. Landon, Annales. IV. Nr. 30. Olym- piae, Nr. 54 Hero; VI, 18 Berenice, IX, 15 Timoleon; XV. 34.
Herkules, Admet, 17 Zenobia, 84 Tailler, s. Teyler. Tailliér, s. le Tellier. Tailor, ... Taylor. 407 40. Taliani, Orazio, Maler von Reggio, war Schüler von P. Desan, nahm aber dann die Carracci zum Vorbilde, und machte sich die Kunstweise derselben vollkommen zu eigen. Er machte in Rom gründliche Studien, sowohl nach vorhandenen Gemälden, als nach den Ueberresten der alten Plastik und Architektur. Auf solche Weise erlangte er einen Geschmack, der vornehmlich auf das Zarte und Edle ging. Zu seinen vorzüglichsten Werken zählt Lanzi zwei große und figurereiche Gemälde im Presbyterium des Domes zu Reggio. Dann findet man auch in mehreren anderen Städten Bil- der von ihm, sowohl in Fresco als in Öl, in welchen er meist Architektur anbrachte. Starb 1706 im 81. Jahre.