Tagret, Peter, Maler von Rugsburg, ein bedeutender Meister, er erst vor kurzer Zeit in die Geschichte eingeführt wurde, so wie sein Landsmann, der Bildhauer Schramm. Tagpret blühte um 1480, und hinterliess Werke, die zwar jenen des Bart. Zeit- blom nicht gleichkommen, aber doch einen diesem Meister ver- wandten Geist aussprechen. Die anerkannten Bilder Tagret's sind nicht zahlreich, bei der regen Kunstforschung unserer Zeit wird aber noch manches vergessene Werk desselben zu Tage treten. Vor allen erwähnen wir zweier Gemälde in der Sammlung des Obertribunal-Procurators v. Abel in Stuttgart , welcher Bilder zu- sammenbrachte, in denen namentlich die schwäbische Schule in ihrer höchsten Anmuth und tiefsten Innigkeit sich zu erkennen gibt. Von Tagret sind hier zwei Tafeln, welche der um die Ge- schichte der deutschen Kunst hochverdiente k. Württembergische Ober-Consistorialrath C. v. Grüneisen im Kunstblatt S. 410 beschreibt. Diese Bilder gehörten zusammen, da in der Mitte ein Kreuzesstamm war, weshalb ein diesen Stamm umfassender Engel mit dem Obertheil auf dem einen, mit dem nachwallenden Gewande auf dem andern Bilde gesehen wird, Gregor der Grosse mit der symbolischen Taube auf seiner rechten Schulter, Joseph von Ari- mathea mit dem Salbengefäss und die betende heilige Jungfrau sind auf dem einen, Johannes der Evangelist mit dem Buche, Nicodemus mit der Arzneibüchse, und ein Bischof mit Firmstabe und Kirchenmodell auf dem anderen Flügel dargestellt. Dort ist der Donator mit seinem Sohne, hier die Frau desselben mit zwei Töchtern, sämmtlich in kleinen Figuren, betend und knieend im den Vordergrund gerückt. Der jetzt störende dunkle Grund des Gemäldes war unstreitig früher vergoldet. Nach Waagen (Kunst- werke und Künstler in Deutschland II. 218) spricht sich im Ausdruck der Köpfe ein edles, dem Zeitblom verwandtes Gefühl aus, ohne dass es indess zu so schönem und vollendetem Ausdruck durchgebildet ist, als bei diesem; denn die Formen sind mager, die Hände steif, das Oval und die Nasen der Köpfe länglich und einförmig, die sonst kühle Harmonie der übrigens stark gebroche- nen Färbung durch den Gebrauch des Zinoberroths zerstört, der
Vortrag etwas derb, Die Falten zeigen indess einen sehr richtigen Geschmack,
Im Oratorium des Schlosses des Erbprinzen Carl zu Hohenzol- lern in Sigmaringen sind 7 altdeutsche Tafeln, welche nach der Ansicht E. Mauch's (Verhandlungen des Vereins für Kunst und Al- terthum in Ulm IV. S. 24) Werke der Ravensburger Schule seyn mögen, deren Meister Tagret war. Jede dieser Tafeln ist 23 F. hoch, und 2, F. breit, und sie enthalten folgende Gegenstände: 1) die Zusammenkunft der Maria mit Elisabeth, 2) die Vermählung der heil. Jungfrau, 3) die Geburt Christi, 4) die Beschneidung, 5) die Anbetung der Könige, 6) die Darstellung im Tempel, 7) der Tod der Maria. Sämmtliche Bilder sind auf Goldgrund. Die Um- risse sind sehr sichtbar, Composition und Ausführung tragen einen schwerfälligen Charakter. Das Colorit ist nicht klar, Auch die Bilder der Sammlung des H. v. Abel unterscheiden sich in ihrer dunkleren Färbung von anderen schwäbischen Malereien,
In der Sammlung des Professors Hassler in Ulm sind zwei Gemälde, welche früher der Antiquitätenhändler Herrich in Ra vensburg besass, und die als Werke Tagret's gelten. Die eine
Hände und Füße etwas mager und 'steif, die Draperie ziemlich einfach. Die Umrisse sind sehr kräftig, die Farben sällig und leb- haft, und die goldigen Ornamente schwarz schraffirt.
Auch in der Sammlung des 1843 verstorbenen Kaplan Buck
in Weingarten sollen mehrere Tafeln von Tagkret seyn. Diese
Sammlung kam durch Vermächtniss in den Besitz der Gemeinde
Altdorf - Weingarten und sollte veräußert werden. Verhandlungen
etc. Ulm 1813, S. 30.