SYDER, Daniel

SYDER, Daniel, auch Saiter, Sayter und Saeter, genannt, wurde 1647 (nach anderen oder 1649) zu Wien ge- boren, und kam in früher Jugend nach Venedig , wo sich Carl Lotter seiner annahm. Später ging er nach Rom , um unter C. Ma- ratti seine Ausbildung zu erlangen, und er blieb etliche Jahre in dieser Stadt, bekannt unter dem Namen Auster, welchen ihm die Schreiber gaben. Von Maratti an den Hof nach Turin em- pfohlen, gründete er in dieser Stadt den Ruf eines grossen Künst- lers, welchen ihm die Werke erwarben, welche er im K. Schlosse — und in den Kirchen der Stadt ausführte. In einem Saale des Schlos- ses malte er an der Decke die Apotheose eines Helden, nach wel- cher der Saal den Namen der Gallerie Daniel's erhielt, weil da- selbst auch noch andere Bilder von ihm waren. Besonders ge- rühmt wurde eine Pietà, die in der Schule der Carracci gedacht zu seyn schien. Seine Malereien an der Cuppelle des grossen Spi- tals wurden zu den Hauptwerken der Stadt gezählt. Auch die Em- pfangniss Mariä am Hauptaltare der Kirche des heil. Philipp wurde gerühmt. Dann malte er auch das Bildniss seines Fürsten, so wie andere Mitglieder des Hofes. Als er eines Tages am Portraite des Herzogs malen sollte, und keinen Malstock zur Hand hatte, gab ihm derselbe seinen Stock, und schenkte ihm zuletzt dem Künst- ler, obgleich der Knopf von Gold und mit Edelsteinen besetzt war. Der Herzog erhob ihn auch in den Adelstand, und verlieh ihm den Orden des heil. Mauritius . Später ging der Künstler wieder nach Rom zurück, und führte auch da noch mehrere Bilder aus.

Jener immer Ehre wiederfahren, mit Ausnahme weniger Bilder, die er in der Weise des C. Loth behandelte. Seine Werke waren sehr zahlreich und ausser Turin und der Umgebung auch in Pa- lästen zu Rom, Venedig, und anderwärts zu finden. Auch in der Gallerie zu Schleissheim sind drei Gemälde von ihm: die Marter des heil. Erasmus, der Selbstmord der Lucretia, und der barmherzige Samariter. Von zwei anderen Bildern, welche ehre- dem in der Gallerie zu München waren, stellte das eine den Joseph und Potiphar's Frau, das andere Venus, Bacchus, Ceres

und Amor beim Mahle vor. Diese Gemälde sind jetzt zurückge-

stellt. Auch das kleine Bild der Dresdner Gallerie, welches den heil. Hieronymus vorstellt, ist nicht aufgestellt. In der Gallerie zu Pommerstelden sind neun Gemälde von Syder, meistens le- bensgrosse Figuren: Cimon von der Tochter gesäugt, Aurora und Cephalus, Venus und Adonis, Herkules mit Lorbeer bekränzt, Bacchus bei Venus und Ceres, Venus im Schlafe vom Satyr be- lauscht etc. Die Gallerie in Salzdahlen bewahrte vier lebens- grosse Bilder: Cain's Brudermord, Dädalus und Icarus, die Ver- wandlung der Daphne und St. Hieronymus. Auch Zeichnungen finden sich von ihm, meistens in Tusch und Bister mit aufge- legten Lichtern. Syder starb zu Rom 1705.

Folgende Werke sind im Stiche bekannt:

Der heil. Hieronymus, nach einer Zeichnung für das Cabinet Crozat von Caylus radirt und von N. le Sueur in Helldunkel aus- geführt. Auch zwei leichte Skizzen sind im Stiche nachgeahmt, fol. und 4.

Salmacis und Hermaphrodit, von J. A. Schweickart nach ei- ner Zeichnung in Lavirmannier gestochen, fol.

Apollo und Marsias, von demselben und in gleicher Manier gestochen, fol.

Prometheus an den Caucasus geschmiedet, nach einer Tusch- Zeichnung von einem Ungenannten gestochen, qu. fol.