Sweerts, Michael

Sweerts, Michael, Maler und Radierer , ist nach seinen Lebensver- hältnissen unbekannt. Basan nennt willkürlich 1649 als Geburts- jahr des Künstlers, und auch die Angabe im Cabinet Paignon-Di- jonval, dass Sweerts um geblüht habe, ist nicht mehr begrün- det. Er arbeitete in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, und wie weit er in das folgende Jahrhundert hineinreiche, ist noch zu ermitteln. Er malte Bildnisse, und wahrscheinlich auch reli- giöse Darstellungen und Genrebilder. J. Troyen stach nach ihm das Bild des Knaben Jesus, unter dem Titel: Jesus admirabilis.

Sweerts ist durch mehrere Blätter bekannt, die in einer un- gewöhnlichen Manier ausgeführt sind, aber zu den grössten Selten- heiten gehören. Er stellte die Schattenmassen mit geraden Linien

dar, die er meistens mit dem Lincal zog, und bald mit einer,

bald mit zwei Strichlagen kreuzte; dabei punktirte er, um die Run- dung herauszubringen. Bartsch P. gr. IV. 413 ff. beschreibt 16 Blätter, unter welchen nur eine einzige, aber schlecht gezeichnete historische Darstellung sich findet. Die übrigen enthalten Köpfe von Männern und Frauen, bis auf zwei anonyme. Zu den bess- ten gehört das Bildniss des W. van der Borght, und sein eige- nes. Nr. 2, 3, 6 sind überdiess noch zu nennen. R. Weigel (Suppl. au Peintre graveur. Lpz. 1843 S. 224 ff.) gibt Zusätze zu dem Werk von Bartsch, die wir hier beifügen. Sie gehören zu Nr. 2 3, 6 — 16. Sub Nr. 17 und 18 gibt Weigel einen Anhang von zwei Blättern, welche Bartsch nicht kannte, die aber im Cata- log Royal beschrieben werden.

  1. Die heilige Jungfrau, Johannes und Magdalena beweinen den Leichnam des Herrn. Maria sitzt nach rechts am Grabe mit dem Leichnam auf dem Schosse. Magdalena zerfließt gegenüber in Thränen, und Johannes zwischen den beiden Frauen kreuzt im Schmerze die Hände. Im Rande stehen zwei Distichen: Quid patieris tantos etc., und rechts ganz unten liest man: Michael Sweerts Eques pin. et fecit. H. 10 Z. mit 8 L. Rand, Br. 12 Z. 9 L.

I. Vor der Schrift. Einen solchen, selten vorkommenden

Abdruck kannte Bartsch nicht. II. Mit dem Namen des Stechers.

  1. Der Raucher im Lehnstuhle, auf dessen Lehne er die rechte Hand legt, während er die andere, in welcher er die Pfeife hält, auf die Schulter des Knaben stützt. Links unten: Michael Sweerts Eq. pi. et fe. Dies ist das Hauptblatt des Meisters, und sein eigenes Bildniss, wie R. Weigel behauptet. Es gehört zur Folge Nr. 6 — 16. H. 9 Z. 5 L. Br. 8 Z. 3 L.

I. Vor der Schrift. II. Mit der Schrift wie oben von Bartsch beschrieben.

  1. Das angebliche Bildniss des Meisters, halbe Figur en face, mit Pinsel und Palette. Im Rande: Michael Sweerts Eq. et fe. H. 7 Z. 2 L. mit 9 L. Rand, Br. 5 Z. 9 L.

Bartsch erkennt darin das Bildniss des Michael Sweerts, R. Weigel glaubt aber, es stelle den Maler G. Terburg vor; denn Füssly fand irgendwo angemerkt, dass Sweerts das Bildniss dieses Meisters gemalt und radirt habe, ohne Ab- druck des Namens von Terburg.

  1. Das angebliche Bildniss eines Willem van der Borght, halbe Figur in ¾ Ansicht nach links. Er hält ein Papier in der Hand, auf welchem vier Zeilen stehen, deren Schrift aber nicht zu lesen ist. Darunter steht: G. V. Borght. Im Rande links: Michael Sweerts Eq. Pi. et fe. H. 7 Z. mit 6 L. Rand, Br. 5 Z. 8 L.

Bartsch erkennt darunter das Bildniss des Willem van der Borght, in der Royal'schen Sammlung war aber ein Abdruck, wo im Rande folgender Name geschrieben stand: Andreas von Trier J. V. L. Greffier du Grand- Conseil de Malines 1731.

  1. Bildniss eines Mannes, halbe Figur in ¾ Ansicht etwas nach rechts. Er stützt die Rechte auf die Hüfte und mit der andern knöpft er den Rock zu. Im Rande links: Ca Michael Sweerts Pi. et fe. H. 7 Z. 7 L. mit 6 L. Rand, Br. 5 Z. 10 L.

Bei Weigel 5 Thl.

Strutt nennt die Bildnisse von Jan van Bronckhorst und Herman Saftleven als Werke von Sweerts; allein die beiden oben genannten Porträts gleichen weder dem Bronckhorst, noch dem Saftleven. Bronckhorst hat indessen das Bildnis Saftlevens radirt, welches Strutt wahrscheinlich dem Sweerts beilegen will.

  1. Eine junge Frau in halber Figur, wie sie das Kind in den Armen anblickt, H. 3 Z. 6 L., Br. 2 Z. 3 L.

  2. — 16) Verschiedene Büsten von Männern und Frauen, Folge von 9 Blättern, welche ursprünglich unter folgendem Titel erschienen: Diversa facies in usum Juvenum et Alio- rum, delineata per Michaelem Sweerts, Equit, Pict etc. Bruxellae Anno 1656. Bartsch beschreibt 9 Blätter aus die- sem Werke, die Folge dürfte aber aus 12 Blättern bestehen, und das dreizehnte bildet der Titel. Dieses Werk kommt im Catalog der Sammlung des M. Woodhouse, IL. 126 vor, und ein zweites in jenem der Sammlung des Herzogs von Ursel, wenn nicht dasselbe. Auch Füssly jun. kennt ein solches, und gibt den Inhalt auf 13 Blätter an. Vollständig sind diese Büsten äusserst selten. Selbst in der Royal'schen Sammlung war nur eines dieser Blätter.

    1. Ein Alter mit grossem Barte, in 3 Ansicht nach rechts. Er ist ohne Bedeckung und in einen weiten Mantel gekleidet.
    1. Ein junger Mann, en face etwas nach links. Er trägt eine mit Pelz besetzte Mütze, und einen Rock mit Knöpfen auf der Brust.
    1. Ein lachender junger Mann, en face etwas nach rechts, Er trägt eine Haube und ist in den Mantel mit Knöpfen

gekleidet.

    1. Ein Mann in 3 Ansichten nach links, mit einer Art Tur- ban auf dem Kopfe und einem weiten Mantel. Dieses Blatt ist allein von links beleuchtet, alle übrigen von rechts.
    1. Eine junge Frau en face, mit einem weissen Tuch um den Kopf.
    1. Eine junge Frau in 3 Ansichten nach rechts, mit einer Art Turban auf dem Kopfe, und in ein faltenreiches Gewand gekleidet.
    1. Eine lachende Alte en face, mit einem grossen runden Hut auf der Haube.
    1. Eine bejahrte Frau en face, mit trauriger Miene und im blossen Kopfe.
    1. Ein Knabe en face, in einem Rocke mit Knöpfen.
  1. Ein junger Mann in halber Figur, mit einer Federmütze auf dem Kopfe, wie er lächelnd ein Glas trägt. Er steht vor einem Kerzenlichte, welches sich im Glase bricht, und die treffenden Stellen sehr scharf beleuchtet. Composition im Geschmacke des G. Honthorst, ohne Namen, unten mit weissem Rande, H. 7 Z. 11 L. mit 7 L. Rand, Br. 5 Z. 4 L.

  2. Eine sitzende alte Frau mit der rechten Hand auf dem Bu- che. Der Kopf ist en face etwas nach rechts gerichtet. Sie trägt eine Krause und ein Halstuch. Links oben im Grunde steht: J. V. Campen, pinx. Ohne Namen des Stechers. Im

In Walker's Painters Etchings ist eine Copie,

  1. Ein Wilder mit Bogen und Pfeil, vom Rücken gesehen. Michael Sweerts Eq. in. et fec,

Dieses Blatt nennt Weigel und bemerkt, dass sich noch etliche andere Blätter von Sweerts finden, die aber noch eine nähere Beschreibung erwarten. So wie alle Blätter des Meisters, gehören auch diese zu den Seltenheiten.