Swart, Jan, auch Swarte Jan und J. Schwarz genannt, Maler von Gröningen in Ost-Friesland, ist durch C. van Mander bekannt, welcher ihn für einen Schüler des Jan Schoorel zu halten scheint, wenn er sagt, dass Swart jenen Meister aufgesucht habe, als die- ser nach seiner Rückkehr aus Italien (1522) in Breda neuen Ruhm erndtete. Das Geburtsjahr des Künstlers war ihm unbekannt; wir lauben es aber bestimmen zu können, und zwar aus einer alten handschriftlichen Notiz auf der Rückseite der Zeichnung des Jan Swart, welche A. G. Weigel in Leipzig besass, und sie in der Kunstblümlein auf dem Felde der Kunst Nr. 2177 beschreibt. Diese Zeichnung, in Bister ausgeführt und mit Weiss gehöht, stellt den Besuch der Maria bei Elisabeth dar, wie sich beide Frauen um- armen, während Joseph aus einem Gebäude mit Säulen heraus- tritt. Auf der Rückseite steht, dass Swart geboren und 1535 gestorben sei, während er nach der gewöhnlichen Annahme um 1480 geboren und 1541 gestorben seyn soll. Wenn nun die er- stere Angabe sich so verhält, so war Swart schon ein Mann bei Jahren, als er sich an Schoorel anschloss, um von ihm zu lernen. Er nahm sich jetzt diesen Meister zum Vorbilde, da ihm dessen italienisirende Manier besonders gefiel. Später reiste er selbst nach Italien , und er ist jener Gio. di Frisia da Gramingie des Lo- mazzo, welcher nach der Behauptung dieses Schriftstellers zu Ve- nedig die von Schoorel angenommene Kunstweise verbesserte. Auch Ridolfi (Maraviglie etc. I. 204) weiss von einem Nordländer Schwarz, dass er in Venedig die weniger gute Manier mit den Vorzügen der venetianischen Schule vertauscht habe. Darunter kann wie- der nur J. Swart von Gröningen gemeint seyn; nicht Christoph Schwarz, wie man auch geglaubt hat. Ob indessen unser Friese den Beinamen Vredeman geführt habe, lassen wir dahingestellt seyn, da uns aus C. van Mander nur ein Hans Fredeman de Vries bekannt ist, welcher nicht aus Friesland stammte, sondern in Leu- warden geboren wurde, und jünger ist als unser Künstler.
Ueber seinen Aufenthalt in Italien ist wenig bekannt; nur Ti- cozzi will wissen, dass er in Venedig drei Jahre die Werke des Gio. und Gentile Bellini, jene Titian's und Giorgione's studirt habe, und dass er dann nach Holland zurückgekehrt sei, wo er Werke im modernen italienischen Style hinterlassen habe, welche aber äusserst selten geworden seyen. Die Gemälde dieses Meisters sind allerdings nicht häufig, und selbst von diesen, welche ihm zugeschrieben werden, dürften ihm nicht alle angehören. Ver- muthlich sind noch mehrere unerkannt, oder sie werden anderen Meistern zugeschrieben. So wird in der Sammlung zu Corsham- house eine Anbetung der Könige dem A. Dürer beigelegt. In der Weise dieses Meisters könnten also mehrere seiner früheren Werke behandelt seyn. Dann brachte er auch landschaftliche Hinter- gründe in der Manier Schoorel's an. Im k. Museum zu Brüssel sieht man von diesem Meister eine Anbetung der Könige mit zwei Flügelbildern. In der k. Pinakothek zu München ist eine Anbe- tung und Opferung der heil. drei Könige, ein schönes, naturge- mäss und sorgfältig behandeltes Bild mit vielen kleinen Figuren.
C. van Mander erwähnt summarisch auch zweier Formschnitte, welche nach Gemälden oder Zeichnungen dieses Meisters ausgeführt sind. Der genannte Schriftsteller bezeichnet sie nicht als eigenhän- dige Werke, Gori, Malpich, der Herausgeber der neuen Ausgabe des Werkes van Mander's u. a. nehmen sie aber für Originalholz- schnitte. Wir kennen folgendes Blatt. —
- Christus im Nachen dem Volke predigend, welches in Menge am Ufer des Sees versammelt ist. Eine Gruppe von vier Orientalen, wovon einer nach dem im Grunde rechts predi- genden Heiland deutet, macht sich besonders bemerklich. Fast in der Mitte unten ist das Monogramm J. S. H. 8 Z. 10 L., Br. 13 Z. 7 L.
Bartsch, P. gr. VII, p. 4902 legt dieses Blatt einem ano- nymen Meister bei.