Summer, Christoph, Formschneider, nach der gewöhnlichen Annahme der jüngere Bruder des Tobias Stimmer, und 1552 zu Schaffhausen geboren, erscheint als Schüler und Gehülfe dessel- ben Meisters, und ist wahrscheinlich der von Sandrart erwähnte Christoph Heinrich Stimmer, welchen der genannte Schriftsteller zu den berühmten Formschneidern zählt. Bartsch, P. gr. IX. 331, will indessen nicht zugeben, dass Christoph in Holz geschnitten habe, weil ein Christoph Stimmer 1581 »Der löbl. V. O. drey Landstände Diener und General-Einnehmer des Mess- pfennings Elsass und Sundgauischen Gestades sich nennt, worunter er den jüngeren Bruder des Tobias, den Form- schneider Sandrart's versteht. Bartsch meint, ein Beamter habe nicht Zeit gefunden zur Praktik des Holzschnittes; allein auf diese Einwendung ist gerade nicht viel Gewicht zu legen, da einem öffentlichen Einnehmer die Mussestunden nicht gar so spärlich zugemessen sind. Ueberdies könnte er vor seiner Anstellung der Kunst wirklich sich gewidmet haben, was auch der Fall war, wenn der General-Einnehmer jener Bruder des Tobias ist.. Christoph hat nämlich an der Folge der Bildnisse von Päbsten Theil, welche B. Jobin 1573 in Strassburg herausgab. Die Zeichnungen sind von Tobias Stimmer, und die Formschnitte wurden theils von ihm selbst, theils von seinen Gehülfen T. Gwerin, B. Jobin, Chr. Stim- mer u. a. gefertiget. Der letztere war damals ein Jüngling von 20 Jahren, und müsste bald darnach dem Staatsdienste sich ge- widmet haben, wenn er 1581, als junger Mann von 20 Jahren, schon General-Einnehmer gewesen ist, welchen Bartsch nicht als Form- schneider erkennt, worin wir ihm auch beistimmen; denn es war gleichzeitig ein Christoph Heinrich Stimmer, der von Sandrart er- wähnte und dem Verfasser des Peintre graveur unbekannte Form- schneider thätig, der ebenfalls ein jüngerer Bruder des Tobias seyn kann, und von welchem der Schreiber Christoph Stimmer dadurch unterschieden wurde, dass man den letzteren den Jungen nannte. Wer damals zu einer öffentlichen Bedienstung gelangen wollte, musste im Schreiben wohl geübt seyn, und als Schreiber legitimirt den jungen Christoph Stimmer folgendes Werk: »Ein Nuuw Kunstreich Fundamentbuchle von Mancherley gut- ten Tütschen und Lateinischen gschrifften, gar gründtlich geschriben durch den Jungen Christoffel Stimmer von Schaffhausen, ietzund Guldinschrei- ber vnd Rächenmeister zu Rottweyl. Basel 1596, qu. 4. « Dass Ch. Stimmer die Schriften gefertiget habe, besagt auch das letzte Blatt, von wem aber die zarten Holzschnitte herrühren, ist nicht angegehen. Im Jahre 1604 erschien zu Basel die vierte Auf- lage. Wir halten diesen jungen Christoffel Stimmer für den Sohn des Tobias Stimmer und für den früheren Einnehmer des Mess-
Stimmer, Christoph-.
pfennings. von Elsass und Sundgau, der später Guldenschreiber und Rechenmeister wurde. Davon unterscheiden wir den Christoph Heinrich Stimmer, den Bruder des Tobias, der wahrscheinlich vor 1552 geboren wurde, da der Schnitt der Bildnisse der Päbste, über welche wir im Artikel des Tobias Stimmer ausführlicher handeln, von großer Übung zeugt. Dem Christ. Heinrich Stimmer gehört sicher jenes Monogramm an, welches Brulliot I. Nro. 1501 gibt. Es besteht aus den Buchstaben CHS. mit dem Messerchen, und kann nicht auf Christ. van Sichem bezogen werden, wie einige geglaubt haben. Es kommt in den deutschen Ausgaben des Fla- vius Josephus, Titus Livius und im deutschen Florus vor, einmal mit der Jahrzahl 1560. Sein Werk sind auch die meisten der 73 schönen Holzschnitte in Joachim Meyer's gründlicher Beschreibung der freien Ritterlichen und Adelichen Kunst des Fechtens etc. Augsburg bei Mich. Wanger 1600, kl. qu. fol. Auch die Schnitte des Kräuterbuches von Theolus sind von ihm. Dann gibt es auch Holzschnitte nach V. Solis, Hans Rudolph Manuel u. a., welche mit © S.. ohne und mit dem Messerchen bezeichnet, und vielleicht von Ch. Stimmer geschnitten sind. Aus der v. Derschau'- schen Sammlung ist ein mit C. S. bezeichnetes Blatt bekannt, welches Scenen aus dem Kriegsleben des Pfalzgrafen Friedrich vorstellt, aber für unsern Ch. Stimmer zu alt ist. So kann er auch das mit C. S. bezeichnete Bildniss des Kaisers Carl V., dessen Bartsch IX. S. 412. erwähnt, nicht wohl geschnitten haben, wenn der Künstler nicht bedeutend älter ist, als man angibt. Ebenso verhält es sich mit den mit C. S. bezeichneten Blättern in Münster's Cosmographey von 1550. Das oben erwähnte Monogramm kommt auch auf einer Radirung vor. Sie zeigt ein Wappen mit drei Lilien, und darüber einen Helm mit drei Stöcken, deren Knöpfe ebenfalls mit Lilien geziert sind. Das Wappen erscheint in einem ornamentirten Oval, oben mit zwei nackten Figuren, unten mit zwei Genien. Das Zeichen ist ganz klein links unten, und am schmalen Rande bemerkt man eine Bandrolle ohne Schrift. H. 4 Z. 11 L., Br. 3 Z. 3 L.
Christoph Stimmer gehört aber nicht zu jenen vielen Form- schneidern von Profession, die nur die Zeichnungen anderer Künstler nachschnitten, und in der Composition unerfahren wa- ren. Er war selbstschaffender Künstler, wie die Zeichnungen beweisen, welche sich von ihm finden. In der 1835 zerstreuten Sammlung des Dekan Veith zu Schaffhausen war von ihm eine Federzeichnung, welche in einer Rundung die Hochzeit zu Cana vorstellt, 4. Eine mit der Feder und in Tusch ausgeführte Zeich- nung stellt die erhängten Könige der Philister vor, mit der Jahr- zahl 1585, und rührt also aus einer Zeit her, wo der junge Ch. Stimmer Beamter war. Eine grosse Federzeichnung enthält zwei alte Schweizersoldaten mit Hellebarden, von Wappen umgeben, und eine vierte getuschte und mit Weiß geähte Zeichnung stellt ein schönes Wappen oben mit einem Löwen dar, 4,
Das Todesjahr des Künstlers ist nicht bekannt. In keinem Falle. lebte er so lange, dass er auch noch die Blätter nach Chau- vecau geschnitten haben könnte, welche Papillon I. 2960 dem jün- geren Stimmer, dem Bruder des Tobias, beilegt. Sie sollen mit St. bezeichnet und sehr gut geschnitten seyn, wie Papillon be- hauptet, der Verfertiger kann aber nicht Ch. Stimmer seyn, wie der genannte Schriftsteller vermuthet, da Chauveau erst 1620 ge- boren wurde, wo Ch. Stimmer bereits ein Greis war. Wenn je ein Christ. Stimmer diese Blätter gefertigt hat, so war es ein Sohn
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