Subleyras, Pierre, Historienmaler , wurde 1609 zu Gilles in Leo- guedoc (nach anderen zu Uzes) geboren, und von seinem Vater Mathieu, einem mittelmässigen Maler, unterrichtet, bis er in Tou- louse an A. Rivalz einen Meister fand, bei welchem er fünf Jahre |
sich übte, und schon Proben eines glücklichen Talentes geliefert hatte, als er 1723 nach Paris sich begab, wo sogleich seine Zei- chnungen Aufsehen erregten, und sein Bild der ehernen Schlange |
dem genannten Jahre den grossen Preis der Malerei gewann. Die- |
ses Gemälde befindet sich jetzt im Musée royal zu Paris. Es zeigt nach Waagen schon viel Talent für Composition und Sinn für edile Formen, für harmonische Farbenwirkung und eine sehr acht- bare Ausbildung der Luftperspektive. Dieses Werk setzte ihn in den Stand, auf königliche Kosten in Rom seine Studien fort- zusetzen, wo er so bedeutende Fortschritte machte, dass man ihm
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In Rom gründete er durch ein grosses Altarbild seinen Ruf, welches die Chorherren von S. Giovanni di Laterano in Osti be- stellt hatten. Es stellt die Magdalena im Hause Simon's des Phari- säers vor, wie sie dem Heiland die Füsse abtrocknet. Die Skizze zu diesem 24 Fuss langen Bilde überreichte er der Akademie von S. Johann in Rom, sie wird aber jetzt neben dem grossen Altarwerke im Museum des Louvre aufbewahrt. Eine zweite Skizze ist in der Gallerie zu Dresden, vielleicht diejenige, nach welcher er das Hauptgemälde ausführte. Dieses ist musterhaft in der Haltung, sehr fleissig in einer warmen klaren Färbung gemalt, wenn auch einige Motive etwas theatralisch sind. Ebenso fleissig sind die beiden Skizzen behandelt, die eigentlich als vollendete kleinere Darstellungen desselben Gegenstandes zu betrachten sind. Das Dresdner Bild ist 4 F. 43/4 Z. breit und 4 F. 10 Z. hoch. Das For- mat bedingte das Lokal in Osti, indem das Bild im Refektorium sich befand. Nach Vollendung dieses Werkes erhielt er vom Papste den Auftrag, die Entzückung des hl. Camillus, und die Vermählung der hl. Catharina von Ricci mit dem Jesuskinde zu malen. Diese Bilder wurden bei der Canonisation dieser Heiligen aufgestellt, und dann in den Zimmern von Monte Cavallo aufbewahrt. Hier- auf malte er im Auftrage des Cardinal Staats-Secretair Valenti Gon- zaga ein grosses Altarbild für die St. Peterskirche, welches den Kaiser Valens vorstellt, der während der Messe des hl. Basilius seiner Leibwache ohnmächtig in die Arme sinkt. Dieses Gemälde wurde drei Wochen lang ausgestellt, und ganz Rom strömte her- bei, um es zu bewundern. Nach Verlauf dieser Zeit wurde es in Mosaik gesetzt, eine Ehre, welche wenigen Künstlern bei Lebzeiten zuteil wurde. Dieses Mosaikbild wurde dann in der St. Peters- kirche eingerahmt, und das Original in die Kirche St. Maria degli Angeli gebracht. Gegenwärtig sieht man dieses gepriesene Werk im Musée Royal zu Paris, und die Skizze bewahrt die k. Eremitage zu St. Petersburg. Fiorillo III. 332. zieht diese dem grossen Bilde vor, weil hier die Gruppe des Valens und seiner ihn unter- stützenden Gefährten geistvoller und feuriger ist, als in dem um
750 ausgeführten Gemälde. Die Skizze besass 1753 Mr. de la Curne zu Paris, und bei der Versteigerung des Cabinets Boisset wurde sie um 6799 Livr. gekauft. Auch in der Gallerie zu Schleiss- heim ist eine kleine Skizze zu diesem Bilde. Subleyras wollte ur- sprünglich die Kreuzigung des hl. Petrus für die genannte Kirche malen, und hatte bereits einen ausgezeichnet schönen Entwurf ge- macht, welchen Bailly de Breteuil einige Zeit besass. Dieses ist wahrscheinlich jenes Bild, welches jetzt im Musée Royal aufbewahrt wird. Da sieht man jetzt auch die zwei kleinen Altarbilder, wel- che Subleyras für die Olivetaner Kirche in Perugia malte. Das eine stellt den hl. Bruno oder St. Benedikt vor, welcher ein kran- kes Kind genesen macht, das andere den Kaiser Theodosius zu den Füssen des hl. Ambrosius. Das erstere dieser Bilder gehört zu den Hauptwerken des Meisters. Es ist besonders glücklich com- ponirt, fein empfunden und meisterlich in einem warmen klaren Ton vollendet. Die Skizzen dieser beiden Bilder waren in der alten Gallerie zu München, in der neuen Pinakothek wurden sie
Subleyras malte auch viele Bildnisse, worunter sich jene des Pabstes Benedikt XIV. von 1741, und des Cardinals Valenti beson- ders auszeichnen sollen. Das erstere kam nach Paris, und wurde in einem der Säle der alten Akademie aufbewahrt. Ein drittes ge- rühmtes Bildniss ist jenes des Herzogs von St. Aignan, wie er den Prinzen Vanni zu Rom mit dem französischen blauen Ordensbande beehrt. Auch dieses Gemälde kam nach Paris; wir kennen aber den jetzigen Besitzer nicht. Dann malte Subleyras auch den Hrn. de Vieuville, Vice-König von Sicilien zu Pferd, den Churfürsten von Polen, und andere Bildnisse, deren Besitzer unbekannt sind. Uebrigens finden sich auch Zeichnungen von diesem Meister, in schwarzer Kreide und mit Weiss gehoben, und à la Sanguine. Im Cabinet Silvestre war bis 1810 der erste Entwurf zum Gastmahl des Pharisäers im Louvre, und mehrere Studien. In der Samm- lung des Freiherrn von Rumohr war eine Begräbniss Christi, mit der Feder und in Tusch ausgeführt.
Subleyras ist vielleicht der ausgezeichnetste Historienmaler sei- ner Zeit, und genoss des vollen Ruhmes der Mitwelt. Doch ent- ging er der Critik nicht ganz. Es erhoben sich hie und da Stimmen gegen ihn, die aber zuletzt immer mehr Vorzüge als Mängel bei ihm fanden. Er lebte in einer Zeit, in welcher durch Le Brun die theatralische Scheingrösse zur künstlerischen Ausbildung ge- dient war; bei ihm und einigen anderen Meistern der französi- schen Schule des 18. Jahrhunderts hatte aber ein süssliches Element jene affektirte Grossartigkeit mehr und mehr verdrängt. Inneres Gefühl, individualisirende Gestaltung, Klarheit und Gemessenheit in Auffassung und Anordnung werden nach Kugler (Handbuch S. 824) in den Werken jener Meister in höherem oder geringerem Grade vermisst. Würde der Charaktere, tiefe Wahrheit des Aus- druckes, strenge Beobachtung des Costüms, wurde auch nicht gefordert, und selbst mit der Zeichnung wurde es nicht so eng genommen. Subleyras besass aber alle Vorzüge, welche man schätzte, und er wurde gepriesen. Doch sind diese nicht gering, besonders in seinen Hauptwerken. Seine Compositionen enthalten edle Formen, die jedoch mehr der Phantasie entnom- men, als auf dem Wege eines strengen Studiums der Natur erzeugt sind. Er beabsichtigte eine für das Auge angenehme oder trefflich schlagende Wirkung, strebte nach erkünstelter Grazie, und verfiel dabei nicht selten in ein manierirtes Wesen. Er hatte aber einen feinen Sinn für Harmonie der Farbe, und erzielte eine grosse Wärme und Klarheit des Tons. Die technischen Mittel standen ihm in reichem Maasse zu Gebote. Dann war er auch in der Theorie der Kunst sehr erfahren, überhaupt ein Mann von edlen
Stiche nach den Werken dieses Künstlers.
Papst Benedikt XIV., gest. von P. Pazzi, fol. 3
Camillo Tacchetti, gest. von F. Polanzani, in ovaler Einfas- sung, fol.
Donna Battista Vernazza, gest. von J. H. Frezza, fol.
Le Frere Luce, gest. von Elluin; fol.
Christus beim Mahle im Hause des Pharisäers, gest. von Pazzi, qu. fol. Umriss bei Landon.
Die Marter des heil. Petrus, gest. von Barbault, gr. fol.
Die Verlobung der heil. Catharina, gest. von M. Sorello, fol.
St. Bruno heilt ein krankes Kind, gest. von Lerouge und Ni- quet, kl. fol. Umriss bei Landon.
Die eherne Schlange, Umriss bei Landon II 63.
St. Basil und Kaiser Valens, nach der Skizze in St. Peters- burg gest. von Scotnikoff, fol.
Dieselbe Darstellung, gest. von Cunego, gr. fol. Umriss bei Landon.
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