Suavius, Lambert

Suavius, Lambert, Zeichner und Kupferstecher von Lüttich , einer derjenigen Künstler, dessen Geschichte noch immer etwas unklar ist. Einige erkennen darunter den Lambert Lombardus (Suter- nian), und auch wir glaubten diesen beistimmen zu müssen, da auch Sandrart den Lambert Lombardus Suternah mit Lambert

Suavius für Eine Person hält. Allein Vasari unterscheidet von sei- nem Lamberto d'Amsterdam , unter welchem sicher Lambert Lo- mbardus Suterman, dessen Leben Lampsonius beschrieb, zu ver- stehen ist, mit Bestimmtheit einen Lamberto Suave da Liege. Er nennt ihn im Leben Marc Anton's »bonissimo architetto e intaglia- tore di stampe col bulino.« Unter seinen Blättern rühmt er be- sonders die Erweckung des Lazarus von 1544, und fügt bei: nella quale si veggono cose bellissime — — perche e fatto con bella e capricciosa maniera.« Dann unterscheidet auch Bernhard Jobin in der Vorrede seines 1573 in Strassburg gedruckten Werkes mit den Bildnissen der Päpste (s. Tob. Stimmer Nr. 13.) einen Lam- brecht Schwab von einem Lamprecht Lombard zu Lüttich. Diese alte Autorität dürfte nicht zu verwerfen seyn, da Jobin der Zeit nach nicht so ferne steht. Lampsonius, der Biograph des L. Lo- mbardus (Suterman's), sagt eben so wenig, als C. van Mander, dass dieser auch in Kupfer gestochen habe, er war es aber ver- muthlich, der den Vasari auf die Stiche des L. Suavius aufmerk- sam gemacht hat. Letzterer war also ohne Zweifel ein Zeitgenosse des Lombardus, und stand diesem in so fern nahe, dass er Com- positionen desselben in Kupfer gestochen hat, wobei sich Lamb.

Lombardus als Erfinder (L. Lombardus inv.) und L. Suavius (L. S. sc.) als Stecher bezeichnet. Dieser Suavius erscheint aber auch als selbstständiger Künstler, denn wir lesen auf seinen Blättern: L. Suavius inv., oder Inventore ac caelatore Suavio.

Das Todesjahr dieses Künstlers ist unbekannt. Er ist so alt, wie L. Lombardus, und kann kaum als Schüler desselben genom- men werden, wie man geglaubt hat. Um 1544 war er bereits in seiner künstlerischen Kraft, wie das Blatt mit der Auferweckung des Lazarus beweiset. Bald darauf erscheint er auch als Besitzer einer Druckerei. Die 12 Apostel von 1548 gingen unter seiner Presse hervor. Man liest auf dem ersten Blatte: L. Suavius Leod. inv. etc. typogr. 1548. Ein anderes Blatt trägt aber eine frühere Jahrzahl (1545). Im Jahre 1567 arbeitete der Meister noch. Andere wollen seine Lebenszeit bis 1572 ausdehnen.

Die Herstellung eines genauen Verzeichnisses der Blätter die- ses Meisters dürfte zu den Schwierigkeiten gehören, da nicht alle den Namen oder die Initialen des Stechers tragen. Es könnten ihm auch einige Blätter nach Lambertus Lombardus angehören, auf welchen nur H. Cock als Verleger erscheint; allein Suavius hätte dieselben wohl selbst gedruckt. Von Cock selbst sind die wenig- sten gestochen.

  1. Jesu54 Christus Salvator mundi, Kopf im Profil. Suavius 1559-. 4.

  2. Kopf der Maria, im Profil: Ecce abhine beatam me di- cent etc. Ohne Namen, 4.

  3. Der Heiland und die 12 Apostel, Folge von 13 eben so schön gezeichneten als gestochenen Blättern. Ersterer erscheint in Wolken mit zwei Engeln. Man liest auf diesem Blatte: Eyw sinmı t7o A xaı to . L. Suavius Leod. inve. et tipogr.

  1. Die Apostel stehen neben Ruinen und anderen Archi- tekturtheilen, meistens aus dem Colisseum, bezeichnet: Suavius inv. 1545. 1547. H. ? Z. 4 L., Br. 4 Z. 4 L. Selten.

Es gibt noch eine andere Folge, welche nach Lamb. Lo- mbardus Figuren von Aposteln und Heiligen enthält, stehend mit Attributen, Ohne Namen und ohne Inschriften, gr. 4

  1. St. Petrus und Johannes heilen an der Pforte des Tempels einen Lahmen, Composition von 20 Figuren. Mit der De- dication: Ser. ac Pot. Regni Hungarici Viduae Reginae Ma- riae ab Austria etc, 1553. Am Steine: Hujus Protopi Inven- suavius, qu. fol.

I. Mit obiger Schrift am Steine,
II. An der Stelle derselben: Inventore ac caelatore Suavio.

  1. Die Erweckung des Lazarus, figurenreiche Composition. Huc ades et fastum etc. Am Steine: Lambertus Suavius
  1. H. 7 Z. 8 L., Br. 12 Z.

Diess ist wahrscheinlich dasjenige Blatt, von welchem Va- sari spricht, Es gibt aber auch noch eine größere Darstel- lung der Erweckung des Lazarus, mit der Schrift: Lazarum quatriduanum Jesus a morte suscitavit. Lamb, Lombardus inv. H. Cock exc., gr. qu. fol.

  1. Christus im Hause der Maria und Martha, reiche Composi- tion von L. Lombardus oder F. Floris. H. Cock pictor excud. 1550, gr. qu. fol.

Dieses Blatt könnte ebenfalls von Suavius seyn.

  1. Die Kreuzabnehmung, im Charakter des Michel Angelo componirt. Unten: Si bene .... pyx. Schön gestochen,

  2. Die Begräbniss Christi, acht Figuren in einer Grotte. Oben rechts: An ignorantes fratres etc. Links unten: L. Suavius inuentor 1548. Seltenes Blatt, kl. qu. fol.

  3. Die Grablegung Christi. L. SVAVIUS inventor 1548, kl. 8.

  4. Die hl. Margaretha. L. Suavius inv., 12.

  5. Spes, Fides et Charitas, schöne Composition von L. Lam- bardus. H. Cock excud. 1558. Wahrscheinlich von Sua- vius, fol.

  6. Die Charitas stehend auf einer Erhöhung, von Kindergrup- pen umgeben. Lambertus Lombardus inventor. L. S., 4.

Eine solche Darstellung erwähnt Brulliot II. 1915., und gibt das Format in 4. an. Direktor Frenzel nennt aber im Cataloge der Sammlung des Grafen Sternberg III. Nro. 244. eine schön radirte und gestochene Darstellung in gr. fol. Er legt dieses Blatt dem gl. Lombardus selbst bei, mit dem Bemerken, dass Heinecke I. 3530. den Meister mit L. Suavius verwechsle. Es muss also diese Charitas von zwei Künstlern gestochen worden seyn.

  1. Die Philosophie, nach Rafael's Bild unter der Statue der

Minerva in der Schule von Athen, von der Gegenseite, gr. 8. Es finden sich Abdrücke mit und ohne Namen des L. Suavius. 14) Die Sibyllen, stehende weibliche Figuren mit Attributen in Nischen, 12 Blätter. Lamb. Lombardus inv. L. S., gr. 8. Diese Blätter sind schön und selten,

  1. Die vier Cardinaltugenden, L. Suavius, 8.

  2. Psyche überreicht der Juno das Wasser aus dem Styx, nach dem Entwurfe Rafael's zum Bilde in der Farnesina. L. Sua- vius. H. 9 Z. 6 L., Br. 6 Z. 3 L.

  3. Ein Römer in Mitte von Ruinen, kl. 4.

  4. Ein stehender Mann mit einem Tuche auf dem Kopfe, 8.

Gutes Blatt,

  1. Divus Augustus et Nero Claudius Imp. Rom. Unten in der

Mitte: 1553. Suavius. Medaillon, Durchmesser 3 Z. 4 L.

  1. Claudius Nero, Medaillon.
  2. Poppaea Sabina, Medaillon,
  3. Julius Caesar, Medaillon.
  4. Lollia Paulina, Medaillon.

Diese Medaillons gehören zu einer Folge von römischen |

Helden und Heroinnen, angeblich nach Rosso Fiorentino,

  1. Antonius Perennot Episc., fol.

  2. Thomas Philologus Ravennas. An. 1260, 8. Selten.

  3. Erasmus Schetus Aetatis sue 61. A. D. 1554, 8.

  4. Melchior Schetus Aetatis sue 37. A. D. 1501, 8.

  5. Anna a Stralen, Melchioris Scheti Conjux. Aetatis 31. A. D. |

  6. Gaspar Schetus, 8.

  7. Baltasar Schetus. Dom. in Hoobocken 1561, 8.

  8. M. Perez, Bildniss ohne Namen 1553, 8.

  9. Ursula Lopez, M. Perez Conjux, 8.

  10. Michel Angelus Buonarotus Nobilis Florentinus Anno Aet |

LXXI., 8. Alle diese Bildnisse sind in Rundungen. 35) Rogerius le Strange et Dorothea uxor ejus. Oval, 12.

Sub. P., s. Peter Subleyras.

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