Suardi, Bartolomeo, genannt Bramantino, Maler und Archi- tekt aus Mailand , war einer der merkwürdigsten Künstler seiner Zeit, obgleich seine Lebensumstände sehr dunkel sind. Er soll der Schüler des Baumeisters Bramante (Donato Lazzari) gewesen seyn, und von diesen den Beinamen erhalten haben; allein das erstere ist sehr in Zweifel zu ziehen, wenn Bramante 1444 geboren wurde, und Bramantino schon unter Papst Nicolaus V. (1447— 1455) im Vatikan gemalt hat, wie Vasari (deutsche Ausg. I. 300) behauptet. Pagave in einer von della Valle bekannt gemachten Anmerkung zu Vasari's Leben des Bramante nimmt wohl desswe- gen einen älteren und einen jüngeren Bramantino an, und nennt den ersteren Agostino, welcher unter Nicolaus V. mit Piero della | Francesca im Vatikan gemalt habe. Der jüngere ist ihm Bartole- meo Suardi Bramantino, der Schüler Bramante's, welcher bis 1529 gelebt hat, wie aus Aktenstücken von ihm aus dem Jahre 150 und von seinen Erben aus dem Jahre 1530 erhellt (Vasari, &. Sav. V. 161 f.). Bartolomeo musste demnach gegen achtzig Jahre thätig gewesen seyn, wovon Vasari nichts weiss. Dieser Schrift- steller scheint unter seinem Bramantino, oder Bramante, wie er ihn auch nennt, nur den älteren zu verstehen, und er schreibt ihm außer den Bauten auch Gemälde zu, die Pagave dem B. Suardi vindicirt. Dagegen läugnet Lanzi den älteren Bramantino, den Gehülfen des Piero della Francesca um 1450, und nimmt nur den Bart. Suardi an, der aber nach seiner Ansicht die Bilder im Vat kan nicht unter Nicolaus V., sondern kurz vor Rafael's Zeit, wahr- scheinlich aus Anlass dieses Meisters, gemalt habe. Den Beweis bleibt er schuldig, und kam vielleicht durch Lomazzo zu dieser Behauptung, da dieser einen Agostino aus Mailand als Schüler des Bramantino anführt, welcher jener Agostino delle Prospettive seyn könnte, der um 1525 in Bologna arbeitete.
Vasari sagt, dass Bramantino's Bilder in jenem Zimmer des Vatikan, wo Rafael das Gefängniss Petri und die Messe von Bol- sena gemalt hatte, zu Grunde gegangen seyen. Wie man ihm zu- zählte waren auf jenen Gemälden einige Köpfe so schön und wahr ausgeführt, dass ihnen nur die Rede fehlte, um als lebend zu g.
Über der Thüre von S. Sepolcro in Mailand sah Vasari einen toten Christus in verkürzter Stellung, der mit so vieler Einsicht gemalt war, dass, obschon das Bild nur eine Höhe von einer Elle hatte, der Körper doch eine Länge erhielt, welche er ohne jene Verkürzung unmöglich hätte gewinnen können. Auch Pagani legt dieses Bild dem Suardi bei. Im Hause des Marchese Gastea zu Mailand waren nach Vasari von Bramantino eine Menge Zim- mer und Gallerien verziert, wo sich ebenfalls eine besondere Fer- tigkeit in Verkürzung der Gestalten zeigte. Ausserhalb des Thores Vercellina daselbst malte er an einigen Ställen, welche zu Grunde gegangen sind, mehrere Knechte, die Pferde streicheln, von denen nach Vasari's Versicherung eines so gut und richtig dargestellt war, dass ein wirkliches Pferd es für lebend hielt, und mit den Hufen dagegen schlug. In der Brera zu Mailand befinden sich Haupt- werke von diesem Künstler, ausgezeichnet durch die zarte Durch- bildung der Modellirung, aber bei vorherrschendem Streben nach dem Auffallenden, statt nach Einfachheit und Schönheit. Da sieht man von ihm eine Darstellung im Tempel, eine Madonna mit dem Kinde und Engel, und ein Bild der hl. Theresia und Magdalena. Im Oratorium von Or san Michele zu Mailand war eine Madonna mit dem Kinde in Begleitung von St. Ambrosius und St. Michael, ein Bild von bizarer Auffassung, aber tüchtig in der Perspektive. Es kam später in die Gallerie Melzi daselbst. In der Certosa zu Mailand sah Lanzi eine Darstellung des Heilandes im Limbus mit wenigen Figuren, die gerade keinen angenehmen Eindruck machen, aber so glücklich gestellt, so wahr und gründlich colorirt sind, dass sie mit ihrer schönen architektonischen Umgebung dennoch aller Augen fesseln,
Dann glaubt ihm L. Schorn (Vasari, deutsche Ausg. II. I. S. 301) auch die Fresken zuschreiben zu müssen, welche sich am Ge- wölbe der Capella des hl. Bruno in der Carthause zu Pavia be- finden, und anderwärts als Werke des Bramante Lazzari gelten. Sie stellen die Familie des Visconti dar, welche der Madonna den Plan der Carthause knieend überreicht. Diese Bilder sind von hoher, fast rafaellesker Vollkommenheit. Auch in Bergamo findet man mehrere Werke von Bramantino. In der Sakristei von S. Bartolomeo sind fünf Bilder von ihm, andere in S. Maria, S. Spi- rito und in S. Alessandro della Croce. Näher finden wir diese Werke nicht beschrieben.
In der Gallerie des Museums zu Berlin werden ihm zwei Ge- mälde zugeschrieben. Das eine, in Tempera gemalt, stellt die Ma- donna auf dem Throne unter einer reichen Architektur dar, wie sie auf Empfehlung des hl. Dominicus einer Anzahl verehrender Männer eine Rose reicht. Das Kind segnet eine auf der anderen Seite befindliche Gruppe von Frauen, und zwei Engel halten über dem Haupte der Maria einen Rosenkranz. Das zweite Bild ent-
hält in einem Prachtbau eine auf dem Throne sitzende allegorische Figur, die einem knieenden Manne ein Buch reicht. Das erstere dieser Bilder erinnert in der Madonna wesentlich an Leonardo da Vinci, und unter den Knieenden sind mehrere ansprechend le- bensvolle Köpfe. Das zweite hat nach Kugler (Besch. d. Gallerie S. 84) eine abweichende Behandlung, eine mehr pastose Malerei, als das eben genannte Bild.
B. Suardi soll auch Architekt gewesen seyn, und mehrere Bau- werke hinterlassen haben, worunter Milizia besonders die schöne, mit Säulen und doppeltem Corridor gezierte Kirche des hl Saty- rus zu Mailand nennt., Allein Bramantino scheint die Baukunst nur in Folge seiner Vorliebe für die Perspektive studirt zu haben, und wendete dieselbe in der Malerei an. Wie Bramante Lazzari als Architekt Auszeichnung erlangte, so erwarb sich Bramantino als Architekturmaler Ruf. Er zeichnete viele Bauwerke, nament- lich antike Denkmäler, welche er in der Lombardei vorfand. Er hinterliess auch einige Aufsätze über Perspektive und alte Bau- kunst, die Lomazzo in seiner Idea del Tempio bekannt machte, Bramante dürfte sich des Rathes dieses Meisters bedient haben, so wie Suardi anderseits Bauten desselben mit Malereien verzierte, wodurch er sich den Namen des kleinen Bramante (Bramantino) erworben haben könnte.
folgte als solcher seinem Schwiegervater Levo Leoni. Dann leistete er auch als Formschneider Vorzügliches. Lomazzo räumt ihm eine würdige Stelle ein, seine Werke sind aber noch nicht erforscht.
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