Stuntz, Maria Elektrie

Stuntz, Maria Elektrie, Malerin , die Tochter des Obigen, wid- mete sich unter Leitung des Vaters der Kunst, und nahm schon frühe an dessen Arbeiten im Fache der Lithographie Theil. Schon ihre ersten Compositjonen sprechen ein entschiedenes Talent zur historischen Kunst aus, und als sie dann in den Jahren 1821 — 1822 in Italien die Kunstschöpfungen eines Rafael und anderer grossen Meister geschaut hatte, galt sie bald als eine der vorzüglichsten Malerinnen. Ueber ihre Leistungen hätten wir im Artikel »Elek- trine Freifrau von Freyberg« ausführlich handeln können, denn sie wurde 1823 die Gattin des k. b. Oberstallmeisters Baron von Freyberg, und somit erscheint sie von dieser Zeit an unter dessen Namen. Nur manchmal fügt sie auf ihren Werken »geborene Stuntz« bei,

Auch eines Monogrammes bediente sie sich, welches aus den verschlungenen Buchstaben EF. geb. ST. besteht. Den Familien- namen E. Stuntz, den Namen ihres Gatten, oder das Monogramm findet man auf einer Anzahl von Gemälden, auf Radirungen und Lithographirten Blättern von der Hand dieser Meisterin. Zu den ersteren gehören Portraite, Landschaften , historische Darstellun- gen und Genrebilder . Ihre Madonnen und Kindergestalten sind von hoher Schönheit und Anmuth; ernst oder naiv, immer von grosser Wahrheit. Der Ausdruck aller ihrer Figuren ist tief ge- fühlt, ohne Sentimentalität. An Ernst der Gedanken, an Correkt- heit und Adel des Styls steht sie weit über der ehedem so geprie- senen Angelica Kauffmann, welche sich nie zur Würde der Rafael- schen Schule erheben konnte. Davon ist aber unsere Künstlerin durchdrungen, und bei Betrachtung ihrer Werke, muss man sich, auf jenen Standpunkt erheben, von welchem aus vor mehr als zwei Decennien unsere gefeierten deutschen Künstler das Heilig- thum ächter religiöser Kunst wieder zu eröffnen suchten. Mit den neuesten Leistungen der Malerei können sie nicht verglichen wer- den. Im Colorite haben ihre Bilder einen mehr oder minder bräun- lichen Ton, der aber weder der Wahrheit der Carnation, noch der Kraft der übrigen Farben Schaden thut, und ein getäliges Helldunkel bewirkt. In der malerischen Technik wetteifert sie mit gepriesenen Künstlern. Ihre früheren Bilder gingen in verschie- denen Besitz über, die späteren blieben grösstentheils im Hause des Baron von Freyberg, wo sie als theuere Erinnerung an eine geliebte Gattin und Mutter gelten. Darunter sind einige grössere Gemälde historischer Art, und Familienbilder. In der herzog- lich Leuchtenberg'schen Gallerie ist ein Bild der heil. Frauen am Grabe, lith. von Strixner. Baron von Eichthal in München be- sitzt eine Madonna mit dem Kinde, lith. von V. Schertle, H. Koh- ler lithographirte ein Bild der Charitas, und C. W. Müller die Madonna auf Wolken mit dem Kinde von Engeln verehrt. Strix- ner lithographirte nach ihrer Zeichnung vier Blätter zu Hinsberg's Uebersetzung des Nibelungen Liedes. Diese Blätter gehören zu den Incunabeln der Lithographie. Freifrau von Freyberg starb 1847, in einem Alter von 49 Jahren,

  1. Das Bildniß A. Dürer's, für die Ausgabe der Randzeichnungen dieses Meisters, welche Joh. Stuntz herausgab. In diesem Werke sind noch andere Blätter von ihr gezeichnet, wenn nicht alle. S. darüber Joh. Bapt. Stuntz.

  2. Maria mit dem Kinde knieend. Electrine Stuntz fec., gr.fol.

  3. Die Vermählung der heil. Jungfrau, Composition von drei Figuren, mit E, sc. bezeichnet. 8.

  4. Italiener hören drei musicirenden Mädchen zu, 1828. qu.fol.

  5. Mes lecons de Mythologie, lith. et compos. per Electrine Stuntz à Munic, das oben erwähnte Jugendwerk der Künstlerin. Mit Ton gedruckt, qu. fol.

  6. Eine allegorische Darstellung. Erinnerung an das, was die deutsche Jugend zur Entscheidung des großen Freiheitskampfes beigetragen hat, 1814 nach dem Entwurfe des Hofrathes Thiersch lithographirt. Das Blatt trägt das Motto: Sic tu Germania triumphas! Die Unterschrift: die Zöglinge der höheren Lehranstalten von Berlin auf dem Schlachtfelde von Dannewitz am 6. Sept. 1813, ist in vier Sprachen, fol.

  7. Der die Schalmei blasende Hirtenknabe, radirt 1825, 4.

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