Stuerhout, Dierick

Stuerhout, Dierick, einer der vorzüglichsten Meister aus der zwei- ten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der aber erst in neuester Zeit näher bekannt wurde. C. van Mander nennt ihn Dirk van Haar- lem, und einen meer enemend goed Schilder, dessen Meister unbe- kannt sei. In Leyden sah er von ihm eine Tafel mit Flügeln, wel- che im Mittelbild den Heiland und auf den Thüren St. Petrus und St. Paulus vorstellt. Dabei stand eine lateinische Inschrift, dass Meister Dirk, von Haarlem gebürtig, im Jahre 1462 dieses Bild in Löwen für die Stadt Leyden gefertigt habe. Vasari nennt die- sen Künstler Diric da Lovanio, einen guten und sehr hoch ge- schätzten Meister vor der Zeit des M. Coxcie, Calcar u. a. Seine Blüthezeit ist jetzt um 1462 — 1468 festgestellt,

In Museum des Prinzen von Oranien zu Brüssel sind von ihm zwei grosse Gemälde von fast lebensgrossen Figuren aus dem Rathhause zu Löwen, die aber im Palast für Hans Hem- ling ausgegeben werden, mit dem sie sehr grosse Verwandtschaft haben. Ihre Gegenstände sind aus einer alten Chronik von Löwen, der »Gulde Legende« entnommen. Auf dem einen Bilde verur-

theilt Kaiser Otto einen Grafen, welchen die Kaiserin angeklagt hatte. Die Gattin begleitet ihn zum Richtplatze, von vielem Volke umgeben, und über die Mauer der Burg blickt der Kaiser und seine Gemahlin dem Unglücklichen nach. Im Vorgrunde reicht der Scharfrichter der unglücklichen Gattin das Haupt des Gemahls, in Gegenwart vieler Zuschauer. Auf dem zweiten Gemälde er-

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVII. 33

Herr Zanoli in Köln besitzt ein Bild des Täufers Johannes mit Flügeln auf Goldgrund, welches so sehr in der Art Stuerbout's aus- geführt ist, dass es Passavant ohne Bedenken diesem Meister beilegt:

Im Kunstblatt von 1841 und darnach im Messager p. 327 wird ihm muthmasslich auch ein kleines Bild im Besitze des Schöffen Brentano von Frankfurt beigelegt, da es ebenfalls mit den Bildern in Brüssel übereinstimmt. Dieses Gemälde stellt die Tiburtinische Sibylle dar, welche den Augustus auf die Madonna mit dem Kinde hinweist. Die Scene geht in einem Saale von flämischer Archi- tektur vor, wo mehrere Personen versammelt sind, sämmtlich Por- traitfiguren.

Dann besitzt auch der Ober-Procurator Abel in Stuttgart zwei grosse Rundbilder, welche mit den beglaubigten Bildern des Königs von Holland übereinstimmen. Sie stellen Jakobs Freiwer- bung bei Laban und die Verkaufung Josephs vor, letztere mit dem falschen Bericht an seinen Vater. In E. Förster's Nachträgen zu Passavant's Beiträgen, im Kunstblatt 1843 S. 270, gelten als übereinstimmende Kennzeichen ein fast italienischer, an Ghirlan- dajo erinnernder Charakter der Zeichnung, namentlich bei den markirten und ausdrucksvollen Köpfen, ein bei den Extremitäten mangelnder Formensinn und eine unverkennbare, fast handwerks- mäßige Gleichgültigkeit in Behandlung von Nebendingen.

Bilder aus des Dierick's, oder überhaupt aus der Harlemer Schule, scheinen Passavant auch jene zwei Seitenbilder im Museum zu Neapel zu seyn, von denen das eine König Robert von Sicilien, das andere Carl Herzog von Calabrien in ganzen Figuren darstellt, worüber das Kunstblatt vom 15. Mai 1823 Näheres berichtet.

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