Strange, Robert

Strange, Robert, Zeichner und Kupferstecher , geb. zu Pomona, auf einer der Orkadischen Inseln 1723, kam als Knabe bei dem älteren R. Cooper zu Edinburgh in die Lehre, wo er über die kurze Zeit zubrachte, da der Meister einem Talent, wie das von Strange, nicht aufhelfen konnte. Er begab sich daher schon in jungen Jahren nach Paris , um unter Ph. J. Le Bas, dem Lan- dschafter, seine weiteren Studien zu machen, welchem er nur im technischen Teile einige Übung verdankte, da Strange zum landschaftlichen Fach keine Neigung hatte. Le Bas erkannte aber die Vortheile, welche ihm dieser junge Künstler gewähren konnte, und er wollte ihn daher mit Gehalt in seine Dienste nehmen, um nach Boucher zu stechen, der damals als Maler der Grazie galt, und dessen Bilder um die Wette gestochen wurden. Allein Strange fühlte sich zu Höherem bestimmt und lehnte daher das Anerbieten ab. Er wollte in die Fußstapfen der früheren Meister treten, gleich einem Vorstherman, Bolswert, Audran, durch Arbeiten nach streng historischen Vorbildern sich auszeichnen, und richtete sein ganzes Augenmerk auf die großen italienischen Meister, an welchen man aber damals in England wenig Gefallen fand.

meine Geltung verschafft hatte. Dann hat Strange ausser den eigenen Verdiensten auch das, andere Talente geweckt, und ihnen Bahn gebrochen zu haben. Sherwin und die Heaths hätten ohne ihn vielleicht gegen die wuchernden Manieren Sharp's und Barto- Jozzi's nicht aufkommen können. Im Jahre 1792 (nicht ) starb dieser Künstler.

Kein anderer Stecher hat Gemälde von säftiger Farbe und starkem Impasto besser dargestellt als Strange. Niemand verstand besser die Porosität und Weichheit des Fleisches mit leichterer Mühe und ohne sklavische Regelmässigkeit auszudrücken, als er. Deshalb konnte von dieser Seite keiner den Titian besser über- tragen, und die Stiche nach demselben sind als unschätzbare Ma- ster zu betrachten. Die Vorarbeit ging nach J. Longhi (die Ku- ferstecherkunst, übersetzt von C. Barth, S. 168) ziemlich weit im Radiren und Aetzen, indem er die erste Taille in den Fleisch- parthien abgesetzt bis zum Licht fortführte, dann mit dem Grab- stich und der Schneidnadel vermalte, abwechselnd mit verschie- denen dazwischen gesetzten kurzen Linien und einigen länglichen und runden Punkten, was viel beitrug, in den Lichtparthien die natürliche Porosität der Haut, mittelst der sehr angemessenen Kir- nung hervorzubringen. Diese Körnung, welche sich übrigens auch bis in die Schattenparthien ausdehnte, mochte anfänglich nicht sehr günstig scheinen, um die Durchsichtigkeit der Lichtreflexe anzu- deuten, aber wenn die zwei ersten Strichlagen richtig diagonal ge- kreuzt und das Ganze lieblich mit kleinen etwas zarten Linien erfüllt und wieder mit einer dritten, gleichfalls zarten Strichlage überdeckt wurde, dann zeigte sich der dadurch bewirkte Ton immer schön und durchsichtig. Auch in den Haarmassen, die er anzuwenden pflegte, führte er zuerst eine gemischte Behandlung von stärkeren, bald subtileren Linien, jetzt eng geschlossen, dann ein- mal entfernter von einander, von angenehmer Bewegung und Abwech- selung ein. Von dieser Seite empfiehlt ihn Longhi den jungen Kup- ferstechern zur verständigen Nachahmung; er kann aber nicht dasselbe von seinen Gewändern sagen, welche oft so gemacht sind, als ob sie aus verschiedenen Stücken beständen, den Gesetzen der Kupferstecherei zuwider, den Ton an einem und demselben Blat- te, alle Augenblicke verändernd. Auch ist Longhi nicht mit sei- ner Art, die Lüfte zu behandeln, einverstanden, die gewöhnlich rauh und schwerfällig sind. Die Zeichnung kann er ebenfalls nicht rühmen, behauptet im Gegentheil, Strange habe die besten Werke italienischer Meister entstellt und verschwächt, während diese Künstler einen so grossen Ruf als Zeichner in Anspruch nahmen, dass er nicht anders als nach seinen eigenen, mit Kreide von ver- schiedenen Farben verfertigten Copien stechen wollte. Ohne die- sen unverzeihlichen Fehler würde nach Longhi's Meinung Strange vielleicht der erste Stecher für historische Gegenstände gewesen seyn, weil er ausser den ihm gebührenden Vorzügen in den sehr wichtigen Theil der Fleischgebung eine gewisse Mittelstrasse hielt zwischen der Rauheit und Ungleichheit der Schnitte des Audran und Edelinck's glatter Gleichentfernung, was sowohl für das Por- trait, als für Compositionen im breiten und grossen Styl ange- messener ist.

Das erste Meisterwerk des Künstlers in technischer Hinsicht ist die liegende Venus nach Titian's berühmtem Bilde in der ve- netinischen Gallerie, womit der Stecher die schwierigste Aufgabe gelöst hat. Dieses Blatt gibt in seiner meisterhaften Rundung der Formen allen Reiz des Bildes, und lässt fast das Blut durchschim-

Ueber die Preise der Blätter lässt sich jetzt nichts Bestimmtes mehr angeben; sie hängen von der Erhaltung und Schönheit der Abdrücke ab. Von einigen Platten gibt es neue Abdrücke, die in geringerem Werthe stehen.

  1. Carl I. König von England, im Krönungsurate stehend, nach A. van Dyck 1770. H. 19 Z. 10 L., Br. 13 Z. 2 L, (Bei Weigel 12 Thl.)

  2. Carl I. mit seinem Stallmeister, dem Grafen Hamilton, nach van Dyck. Rob. Strange sc. 1782. H. 23 Z., Br. 17 Z. 2 L. (Bei Weigel 16 Thl. Longhi werthet dieses Blatt auf 70 Lire.)

  3. Henrietta Maria, Königin von England, die Gemahlin des Obigen, mit ihren königlichen Kindern, dem Herzog von York und dem Prinzen von Wales, nach van Dyck's Bild in Windsor Castle 1784. H. 23 Z., Br. 17 Z. 2 L.

I. Vor aller Schrift. Bei Weigel 48 Thl., II. Mit der Schrift. Bei Weigel 12 Thl. Ging auf Auktio- nen zu 6 — 8 Thl. weg.

  1. Die Kinder Carl's I. von England. Charles prince of Wales, James Duke of York and Princess Mary. Nach van Dyck's Gemälde in Kensington. H. 13 Z. 5 L., Br. 16 Z. 5 L.

I. Vor der Adresse des H. Street. Ging auf Auktionen zu 6 — 8 Thl. weg. II. Mit der Adresse.

  1. Die Apotheose zweier früh verstorbenen englischen Prin- zen, welche ein Engel zusammenführt. Ah! si qua Fata aspera! Nach B. West's Bild in Windsor Castle 1786. H. 23 Z., Br. 17 Z.

I. Vor der Schrift, selbst vor den Künstler Namen. Sehr selten.

II. Mit der Schrift.

  1. Rafael Sanzio von Urbino. Ille hic est Raphael. Nach des- sen berühmtem Bilde in der Pinakothek zu München, 1764 gezeichnet und 1787 gestochen, kl. fol.

  2. Antea, die Geliebte des Parmigiano, mit dem Kinde. Par- migiani amica. Nach dem Bilde des genannten Meisters in der Gallerie zu Neapel. Rob. Strange del. et sc. 1762, kl. fol.

  3. Dr. Pitcaire, französischer Arzt, nach J. Medina, 4.

Dieses Blatt ist aus der frühesten Zeit des Stechers.

  1. Abraham verabschiedet die Hagar, halbe Figuren. Abram ancillam Agar dimittit. Nach Guercino's berühmtem Bilde in der Brera zu Mailand 1767. H. 14 Z. 9 L., Br. 18 Z. (Bei Weigel 8 Thl.)

  2. Esther vor Ahasverus, wie sie ohnmächtig in die Arme zweier Frauen sinkt, Esther coram Assvero. Nach Guercino's Bild aus dem Palast Barberini 1767. H. 14 2 1/2 L., Br. 17 Z. 1 1/2

Das Gegenstück zur Hagar. (Bei Weigel 5 Thl.)

  1. Joseph und Putiphar's Frau, halbe Figuren. Josephi Pudici- tia. Nach G. Reni's Gemälde aus dem Palaste Bronelli in Neapel 1760, gr. qu. fol.

  2. Der sitzende kleine Johannes eine Dornenkrone flechtend, mit dem Lamme zur Seite. Nach Murillo's Bild aus dem Cabinet Hunter, gr. qu. fol. Seltenes Blatt.

  3. Der in einer Landschaft schlafende Johannis Knabe, mit der Bandrolle in der Hand, nach van Dyck's Bild in der Galleria zu Neapel. Das seltene Gegenstück zu obigem Blatt.

  4. Christus erscheint nach der Auferstehung der Mutter, nach Guercino's Bild aus der Kirche Nome di Dio zu Cento 1773, fol.

  5. Die hl. Cäcilia, oder die fünf Heiligen. St. Caecilia Sanctis — — comitata. Nach Rafael's Gemälde in der Gallerie zu Bologna. Robert Strange del. 1763 aere incid. 1771 Lond., H. 19 Z. 11 L., Br. 13 Z. 6 L. (Bei Weigel 12 Thl.)

  6. Der hl. Hieronymus, nach Correggio, auch der Tag genannt. Dieses Bild stellt die Madonna mit dem Kinde dar, umge- ben von Magdalena, Hieronymus und einem Engel. Robert Strange del. et incid. Lond., 1771. H. 19 Z., Br. 13 Z. 4 L. (Bei Weigel 8 Thl.)

  7. Die hl. Agnes stehend, wie ihr ein Engel Krone und Palme bringt, nach Dominichino's Bild im Palast Kensington zu London. Robert Strange del. et sc. 1750, gr. fol.

  8. Die hl. Jungfrau, wie sie das schlafende Jesuskind betrachtet, halbe Figur. Nach G. Reni's Gemälde aus der Sammlung Strange's, unter dem Namen Amoris Primitiae bekannt, gr. qu. fol.

  9. Die Verkündigung Mariä, nach Guido Reni's Bild in der Carmeliter Kirche zu Paris. Rob. Strange del. et sc. Ram- boz imp. gr. fol.

I. Vor der Schrift, und vor den Künstler Namen. Sehr selten. II. Mit derselben, 22) Die Madonna der Verkündigung, Brustbild nach G. Reni, gr. 4.

  1. Der verkündende Engel, nach demselben, und Gegenstück.

Die Originale besass Dr. Charles Chauncy. Die alten Abdrücke haben Strange's Adresse.

  1. Eine Heilige (Cäcilia) mit dem Buche in der Hand singend, mit Engeln zu den Seiten, bekannt unter dem Namen des Tantum Ergo, nach C. Maratti, fol. (Bei Weigel 5 Thl.)

  2. Maria lüftet der hl. Catharina den Schleier des schlafenden

Parce somnum rumpere, nach C. Maratti. fol. (Bei Wei- gel 5 Thl.) : 20) Die reuige Magdalena, wie sie sich von ihrem Schmucke begehnt, halbe Figur nach G. Reni, gr. fol. . Dieses Blatt stach der Künstler in London nach seiner Rückkehr von Paris 1752.

  1. Die im Buche lesende Magdalena, Diva Magdalena. Cor- reggio's berühmtes Bild in der Gallerie zu Dresden, aber halbe Figur. Rob. Strange del. et sc. 1780. Oval, qu. fol. Selten.

  2. Die büßende Magdalena in der Höhle, mit zwei Engeln über ihr. Nach G. Reni's Bild aus dem Palast Barberini, gr. fol.

  3. Liberality and Modesty, zwei fast nackte Frauen, nach G. Reni, gr. fol. .

  4. Die Gerechtigkeit mit dem Strauß zur Linken; Seitenbild von Rafael's Schlacht des Constantin, Robert Strange sc. 1765, gr. fol.

  5. Die Milde oder die Comitas, mit dem Schafe zu den Füßen, das Gegenbild zum obigen 1765, gr. fol.

  6. Zwei Kinder mit der Lerntafel, halbe Figuren, nach B. Schidone's Bild in der Gallerie zu Neapel. Imprimis venerare deos. Rob. Strange sc. 1781. Oval fol.

Das Gegenstück zur Magdalena nach Correggio,

  1. Die nackte Venus liegend auf dem Ruhebette, nach Titian's Bild in der Tribune zu Florenz 1768. . H. 14 Z. 10 L. Br. 18 Z. 4 L. I Vor der Schrift, II. Mit der Schrift, III. Von der von Strange aufgearbeiteten Platte.

  2. Danaë, nackt auf dem Bette liegend, wie sie den goldenen Regen empfängt, nach Titian's Gemälde in der Gallerie zu Neapel. R. Strange Neap. del. 1762 atque aere incid. 1708. H. 14 Z. 10 L., Br. 18 Z. 4 L.

Die Abdrücke wie oben.

  1. Venus verbindet dem Amor die Augen, links zwei ihrer Nymphen. Venus blinding Cupid. Nach Titian's Bild in der Gallerie Borghese 1760. H. 14 Z. 10 L., Br. 18 Z. 4 L.

  2. Venus und Adonis, wie sie den Geliebten von der Jagd zu- rückzuhalten sucht. Nach Titian's Gemälde in der Gallerie zu Neapel 1779. H. 18 Z., Br. 21 Z. 8 L.

  3. Apollo bestraft den Hochmuth und belohnt das Verdienst, Allegorie auf einen berühmten Musiker. (Apollo rewarding merit and punishing arrogance.) Nach A. Sacchi's Bild aus der Sammlung des H. Furnese in London. Robert Strange sc. Lond. 1755, gr. fol.

  4. Venus von den Grazien geschmückt, nach G. Reni's Bild im Palast Kensington, 1750. H. 18 Z. 9 L., Br. 14 Z.

  5. Die Fortuna auf dem Globus, wie sie Gaben austheilt, nach G. Reni's Bild aus dem Cabinet Strange 1778. H. 18 Z. 11 L., Br. 22 Z. 6 L.

  6. Der schlafende Amor auf dem Ruhebette (Cupid sleeping), nach G. Reni's Bild bei Baronet Dundas, gr. qu. fol. (Bei Weigel 4 Thl.)

  7. Amor in einer Landschaft am Fusse eines Baumes sitzend, nach B. Schidone's Gemälde in der Gallerie zu Neapel, fol.

  8. Sappho: ihre Leier der Venus weihend, halbe Figur, nach C. Bolce's Bild im Palast Corsini zu Florenz 1787, fol.

. 44) Herkules zwischen der Tugend und dem Laster. Herculis judicium. Nach N. Poussin's Bild aus der Sammlung des H. Hoare 1750. H. 18 Z. 9 L., Br. 14 Z.

  1. Luomedon verweigert dem Agollo und dem Neptun die Be- zahlung des Tributes, nach Salvator Rosa's Bıld aus dem Cabinet Hunter 1775. Seltenes Blatt, gr. fol.

  2. Belisar stehend und um Almosen bittend, nach S. Rosa's

' Bild aus der Sammlung des Lord Townshend. Rob. Strange sc., gr. fol.

  1. Dido auf dem Scheiterhaufen, nach Guereino's Bild der

' Gallerie Spada in Rom. Accipite hanc animam etc. Robertus Strange incid. 1761 et del. 1776. H. 17 Z. 9 L., Br. 21 Z. 6 L.

  1. Die Findung des Romulus und Remus durch Faustulus, nach P. da Cortona's Bild im Stadthause zu Toulouse. Robert Strange del. et fec., gr. fol.

  2. Cäsar verschmäht die Pompea und heirathet die Calpurnia, nach P. da Cortona's Gemälde aus dem Cabinet zu Toulouse. Das Gegenstück zu Romulus und Remus.

  3. Cleopatra auf dem Ruhebette sterbend mit der Schlange an der Brust, halbe Figur nach G. Reni's Bild aus der Samm- lung der Prinzessin von Wales, jetzt in der englischen Na- tionalgallerie, 1753 nach seiner Rückkehr von Paris gesto- chen. H. 15 Z. 5 L., Br. 11 Z. 5 L.

  4. Cleopatra stehend mit der Schlange an der Brust, nach G.

| Reni's Bild aus dem Cabinet Montriblou, s. gr. fol.

— 52) Das Bild einer Flamlanderin, nach le Nain, 4.

Aus der frühesten Zeit des Meisters.

  1. Die Rückkehr vom Markte, nach Wouvermane, gr. fol. Dieses Blatt gehört zu den frühesten Werken des Mei- sters. Er führte es in Paris aus.

I. Vor der Adresse. II. Mit Schrift und Adresse,

"Stranl{en, B., Maler, lebte um 1836 in Düsseldorf der Kunst. Es finden sich Genrebilder von seiner Hand. ,

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