Stilke, Hermann Anton

Stilke, Hermann Anton, Maler, geb. zu Berlin 1803, begann seine Studien an der Akademie daselbst, und begab sich dann nach Düsseldorf , wo Cornelius die Leitung der Akademie übernommen hatte. Er schloss sich enge an diesen Meister an, der bekanntlich einen Kreis von begabten Schülern um sich gezogen hatte, die den Kern der in ihrem Fortgange so einflussreichen Schule dieses Meisters bilden. Durch den Einfluss desselben erhielten diese Jun- gen Künstler auch ehrenvolle Aufträge. So malte Stilke mit Stürmer im Assisen-Saale zu Coblenz das jüngste Gericht, welches ohne Schuld der Künstler unvollendet blieb und im Verlaufe der Zeit der Ver- gessenheit anheimfiel, aus welcher es aber die herrlichen Fresken auf Stolzenfels wieder glänzend befreiten. Hierauf verzierte Stilke im Auftrage des Freiherrn von Stein den Saal seines Schlosses Kappenberg mit Darstellungen aus der deutschen Geschichte, in der die grosse Zeit des Kaisers Heinrich I. und der Ottonen wählt wurde. In drei Bildern sollte das Hauptwirken dieser Für- sten bezeichnet werden: die Städtegründung unter Heinrich, dann die entscheidende Magyaren-Schlacht bei Merseburg im Jahre 955 und endlich Otto's Aufruf an die deutsche Jugend zur Befreiung des Vaterlandes. Den Carton zum zweiten Bilde, welches als wür- diges deutsches Seitenbild zur Schlacht Constantin's im Vatikan betrachtet wurde, da Heinrich Deutschland und die Christenheit

für immer von den Hunnen befreite, sah man auf der Kunst- ausstellung zu Berlin. Als Cornelius 1826 von Düsseldorf nach München sich begab, um seinen grossartigen, Bildercyclus in der k. Glyptothek zu be- gleiten, begleiteten ihn dahin seine vorzüglichsten Schüler, und darunter war auch Stülke. Diese jungen Künstler erhielten damals vom König Ludwig den Auftrag, die Arkaden des k. Hofgartens mit Darstellungen aus „der bayerischen Geschichte in Fresko zu zieren, und diese Bilder gehören zu den Erstlingen einer in Mün- chen wieder zu neuem Leben erwachten Kunst, was in Hinsicht auf die Ausführung wohl zu berücksichtigen ist. Stülke malte die Krö- nung des Kaisers Ludwig in der St. Peterskirche zu Rom den 14. Jänner 1528. Diese Darstellung zeichnet sich durch Würde und Charakter aus, besonders in den Hauptgestalten. Das Gemälde bildet ein harmonisches Ganze, ist frei von Ziererei und steifem Wesen. Auch die Färbung ist kräftig und warm, so dass es zu den schönsten Bildern dieses Kreises gezählt werden muss. Inzwischen malte Stülke auch Bilder in Oel, und 1820 begab er sich nach Rom, wo der Künstler ebentalls einige Compositionen ausführte, die zu den schönsten Erzeugnissen der neueren Kunst gehören. Später begab er sich wieder nach Düsseldorf zurück, und legte durch zahlreiche Gemälde seinen Beruf zum Künstler dar, fand aber bei allen Verdiensten nicht immer gebührende Anerkennung. Eines der früheren, gerühmten Bilder stellt den Abschied Biondo's von Armida dar, 1832 vom Düsseldorfer Kunstverein angekauft, und dann malte er die Pilger in der Wüste, welche 1834 Graf A. Ra- czynski erwarb, da er dieses Gemälde als eines der vorzüglichsten Werke damaliger Zeit erkannte. Es ist durch den Stich von Ei- chens, und durch eine Lithographie von J. Sprick bekannt. Ein folgendes treffliches Bild zeigt einen Kreuzritter auf der Wache, und ein anderes, gleichzeitiges Gemälde den heil. Georg mit dem Engel, der Legende entnommen. Ein kleines Gemälde von 1835 stellt den Kaiser Maximilian auf der Martinswand dar. Im folgen- den Jahre lieferte er eine grosse historische Composition aus dem Leben des Kaisers Otto, seinen Sohn Rudolph im Bussgewande vorstellend, wie er vor ihm Verzeihung erflehet. Ein kleines Ge- mälde aus derselben Zeit schildert die Flucht der letzten Christen aus Palästina, in der Zeit der türkischen Eroberung des Landes, Im Jahre 1836 erwarb Lord Landsdown das Bild der Jeanne d'Arc, wie sie mit der Fahne vor dem Madonnenbilde betet, in lebens- grosser halber Figur, mit Rahmenbildern. Diese Darstellung wie- derholte der Künstler, und brachte sie zur Kunstausstellung 1837, bei welcher Gelegenheit im Kunstblatte die Auffassung gerügt wurde. Von zwei folgenden Bildern desselben Jahres stellt das eine einen verwundeten Kreuzritter dar, im siegreichen Kampfe mit einem Saracenen, und denselben Ritter im Hospitium der Ordensbrüder der Pflege sich hingebend. Diese beiden Bilder sind nur als aus- geführte Farbenskizzen zu betrachten. Im Jahre 1838 malte er die Farbenskizze zu einem grösseren Bilde, welches Semiramis vor- stellt, wie sie beim Haarflechten die Empörung in Babylon ver- nimmt. Eine lebensgrosse figurenreiche Darstellung zeigt Christen- Sklavinnen beim Feste der Odalisken. Dann fertigte er einen 12 F. längten Carton mit lebensgrossen Figuren, welcher den Auszug der syrischen Christen nach der Zerstörung von Ptolemäis vorstellt. Zu gleicher Zeit (1838) brachte er einen zweiten grossen Carton derselben Darstellung mit Veränderungen. Das Gemälde bestellte die Stadt Königsberg für ihr Museum, und 1841 war es vollendet.

Der Zug geht aus der brennenden Stadt nach den Schiffen, und wird durch den zum letzten Mal betend still sitzenden Patriar- chen gehemmt. Diess ist eines der trefflichsten Werke, welches die Düsseldorfer Schule hervorgebracht hat. Ein Gemälde von 1859 stellt den Abschied des jungen Tobias dar, und dann schilderte er in einigen Bildern die Thaten und den Tod der Jungfrau von Orleans. Im Jahre 1840 waren die Cartons vollendet und 1844 standen die Bilder in Oel ausgeführt da. In diesem Jahre malte

er im Auftrage des Rheinisch-Westphälischen Kunstvereines für

den Kaisersaal im Römer zu Frankfurt a. M. den Kaiser Hein- rich III.

Stilke's Leistungen fanden schon zahlreiche Beurtheilungen, sowohl einzelne Bilder im Kunstblatte, als in Werken über Kunst, wie in Püttmann's Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen. Leipzig 1850, u. s. w. Oefters beruhen sie nur auf freimüthigen, subjektiven Ansichten, die mehr oder weniger richtig motivirt sind, und dann wird des Künstlers nur obenhin und fast mit Ungunst gedacht. Am richtigsten scheint uns E. Förster (Kunstblatt 1844 Nr. 57) den Künstler zu beurtheilen, da ihm Stilke's Streben und Leistungen fast von frühester Jugend an bekannt sind, die nach seiner Ueberzeugung eine ernste Würdigung und jene An- erkennung verdienen, deren sich der Künstler im hohem Grade zu erfreuen hat. Stilke ist nach Förster eine durch und durch ro- mantische Natur; mit dem Nibelungen Liede aufgewachsen, heimisch in den Sagen der Vorzeit, träumend und dichtend von den Kreuz- zügen, von Ritterheldenthat und Minnesang, hat er Phantasie, Ge- müth und selbst die Wirklichkeit um sich mit den Bildern alter Tage, mit ihrem goldenen Glanzschimmer wie mit dem Eisenrost der Waffen erfüllt. Dieser bestimmten Richtung seiner Seele ord- net sich seine künstlerische Natur unter; in ihr liegen ihre Vor- züge, und (wenn man sie als solche erkennen mag) ihre Mängel. Er ist unabhängiger vom Modell, als die meisten Künstler seiner Umgebung; in der Anordnung des Ganzen sowohl als der einzel- nen Theile, in Linien und Massen, selbst in den Formen folgt er einem bestimmten inwohnenden, durch den Zufall natürlicher Erscheinung nicht zu verändernden Impuls; allein durch seinen romantischen Sinn fern gehalten von den Gesetzen antiker Kunst, erstrebt er den Totaleindruck weniger durch Grösse und Zusam- menhang der Linien und Massen, und durch mächtige Formen, als vielmehr durch die harmonische Wirkung von Licht, Helldun- kel und Farbe. Auf diese Weise weder den Naturalisten noch den Idealisten ganz angehörig, erklärt es sich, wenn seine Werke von den Extremen der Einen wie der Andern ausgeschlossen werden, während inmitten eine grosse Anzahl übrig bleibt, welche die Wärme, ja das Feuer seiner Empfindung, die Leichtigkeit seiner Phantasie, die Mannigfaltigkeit in der Gestaltung und vor Allen

die Quelle seiner Kunst, den dichterischen Gedanken mit Freude anerkennt,

In neuester Zeit erhielt Stilke eine seinem Genius in aller Be- ziehung entsprechende Aufgabe. Der König von Preussen hat sich das Ritterschloss Stolzenfels unweit Coblenz im mittelalterlichen Style neu aufbauen lassen, und 1842 den Künstler beauftragt, ein gewölbtes Zimmer mit Fresken zu schmücken. Er hat mit Eit- sicht, Glück und Geschick, mit dem ihm eigenen feinen Geschmack seine Aufgabe gelöst. Als den Inhalt seiner Darstellungen, die in sechs Hauptfeldern und in vier schmäleren Abtheilungen erschei- nen, wählte er die charakteristischen Züge des christlichen Ritter-

Stilke wurde 1835 Mitglied der Akademie in Berlin. Auch in jener zu Düsseldorf hat er Sitz und Stimme.

Stiche und Lithographien nach Stilke's Werken.

Die Pilger in der Wüste, gest. von E. Eichens für die Gesch. der neueren deutschen Kunst von Athanasius Grafen Raczynski. I. B. Berlin 1836. Der Stich in qu. fol.

Dasselbe Bild lith. von J. Sprick, gr. qu. fol.

Der Kreuzfahrer auf der Morgenwache, lith. von E. Ger- hardt, qu. fol.

Die Krönung Ludwig's des Bayer's, lithographirt für folgen- des Werk: Frescogemälde aus der Geschichte der Bayern, in den Arkaden des Hofgartens zu München. München bei Cotta, qu. fol.

Dieselbe Folge erschien auch bei Hermann in München, fol.

Götz von Berlichingen, gest. von X. Steifensand für die Aus- gabe von Göthe's Werken. 2 B., gr. 8.

Galerie zu Schiller's sämmtlichen Werken. Nach Zeichnun- gen von Stilke, Schrödter u. a. Stuttgart 1836 f., roy. 4.

Folgendes Blatt ist von ihm selbst radirt:

Arabesken, gezeichnet und radirt zu Reinick's Gedicht: das kranke Mädchen. Für die Lieder eines Malers (Reinick's), Düss- eldorf 1838, gr. 4.

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