Stiglmayer, Johann Baptist

Stiglmayer, Johann Baptist, Erzgiesser, Bildhauer und Medail- leur, geb. zu Fürstenfeldbruck in Ober-Bayern 1701, äusserte schon als Knabe grosse Neigung zum Zeichnen, und machte sich es zur Lieblingsbeschäftigung, die Holzschnitte in Gessner's Thierbuch abzu- bilden, welches sein Vater, ein Schmied, besass. Dies waren aber die einzigen Vorlagen des Knaben, bis ihn ein günstiger Zufall zum Klosterverwalter Pfeifer führte, der im Zeichnen geübt war, und mit Freundlichkeit auch dem Schmidjungen Unterricht in die- ser Kunst ertheilte. Stiglmayer verlebte jetzt glückliche Tage, bis die Zeit kam, welche für ihn eine Lebensfrage wurde. Er sollte

ein Handwerk erlernen, welches seinem Talente entsprach, und bei spärlichen Mitteln schätzten sich die Eltern glücklich, als der Silberarbeiter Sträussl in München den Knaben in die Lehre nahm. Stiglmayer erlangte bald grosse Geschicklichkeit im Handwerke, und wenige besuchten mit solchem Fleisse die Feiertagsschule, als er. Er gewann den ersten Preis zu hundert Gulden, was den Münzdirektor Leprieur auf ihn aufmerksam machte, einen Mann, der Talente anzueifern verstand und sie zu unterstützen wusste. So fand auch Stiglmayer an ihm eine Stütze, da in allen seinen Arbeiten Talent durchschimmerte. Nach dem Vorbilde Cellini's sollte er jetzt aus- ser der Kunst der Gold- und Silberschmide auch mit dem Stempe!- schneiden und mit der Bildhauerei vertraut werden. H. v. Leprieur bewirkte demnach 1810 nicht nur seine Aufnahme in die Akademit

lichkeit. Im Jahre 1825 verfertigte er die Büste des Königs Ma- ximilian, noch kurz vor dessen Tode, und diese Büste wurde in zahlreichen Abgüssen verbreitet.

Mit der Thronbesteigung des Königs Ludwig beginnt für den Erzguss in München eine neue Aera. Es wurde ein neues Guss- haus gebaut, und der Künstler zum Inspektor der Erzgiesserei er- nannt. Den 16. Oktober 1826 sah man zum ersten Male im neuen Flammenofen den Zapfen einstossen. Das erste Gusswerk war der 14 Fuss hohe Candelaber auf der vom Grafen von Schönborn in Gaibach errichteten Constitutions-Säule. Die Bahn war nun ge- öffnet, und die Probe abgelegt, dass der Bronzeguss in Bayern, welcher seit Maximilian I. mehr als 200 Jahre geschlummert hatte, wieder zu kräftigem Leben erwacht sei. Das folgende Werk, wel- ches der großartige Sinn des Königs Ludwig ins Daseyn rief, war das Denkmal der 30.000 Bayern, die in Russland ihren Tod fanden. Ein hundert Fuss hoher Obelisk steht jetzt auf dem Caro- linen-Platze zum Andenken der Tapfern, welche in der Nähe vom theuern Vaterlande Abschied nahmen. Ein Werk dieser früheren Zeit sind auch die 25 Fuss hohen Bronzethore der k. Glyptothek, an welche sich später jene der Walhalla reihen, beide nach Zeich- nungen L. v. Klenze's. Inzwischen fertigte Stiglmaier auch noch andere Werke, worunter wir vor allen das Denkmal des Königs Maximilian im Bade Kreuth nach eigenem Entwurfe nennen. In der Nische dieses Monumentes ist die kolossale Büste des Königs und ein Relief von Stiglmaier. Nach eigenem Modell goss er ferner den Sarkophag der Caroline von Mannlich, welche auf demselben ausgestreckt wie schlummernd daliegt, eine schöne weibliche Gestalt mit wunderbarem Haarwuchs. Man sieht dieses Grabmal in den Arkaden des Gottesackers zu München. Von seiner Erfindung ist auch der eherne Weihkessel der 1705 bei Sendling gefallenen Oberländerbauern auf demselben Gottesacker. Sein Werk ist fer- ner das vaterländische Denkmal bei Aibling, wo die Königin The- rese von ihrem Sohne, dem Könige Otto, Abschied nahm, als dieser nach Griechenland sich begab. Die Madonna und die Wappen sind von seiner Hand gearbeitet. Dann fertigte er auch einige sprechend ähnliche Büsten, wie jene der Königin Therese, des Herzogs Maximilian in Bayern, des Grafen von Törring-Jettenbach, des Ministers Freiherrn von Zentner, des Bischofs von Streber u. a. Uebrigens schnitt er Stempel zu Münzen und Medaillen. Unter letzteren gehört jene auf die Jubelfeier des genannten Baron von Zentner zu den früheren. Eine zweite Denkmünze fertigte er auf die Grundsteinlegung des Königsbaues in München. Später fand Stiglmaier zu solchen Arbeiten nicht mehr Muße, und als Stempelschneider trat bekanntlich Voigt ein,

Der Künstler war jetzt mit dem Gusse grosser monumentaler Werke beschäftigt, die als solche die Giesserei in München zu einer der ersten Anstalt dieser Art erhoben. Vor allen nennen wir das Mo- nument des Königs Maximilian auf dem nach ihm genannten Platze in München. Die Idee zu diesem Werke ging von der Commune Münchens aus, welche dem Geber der Constitution ein Denkmal errichten wollte, welchem an Reichthum und Grossartigkeit für jene Zeit kein anderes an die Seite gestellt werden könnte. Dieses Unternehmen machte den Bau eines neuen Gusshauses nothwendig, wobei der Ofen nach jenem der Fonderie au Roule in Paris eingerichtet wurde. Professor Rauch in Berlin fertigte das Modell, und Stiglmaier leitete die Arbeiten zum Hohlgusse, welcher vollkommen gelang.

Nur die Löwen an den vier Ecken des Piedestals sind massiv.

Die große Anstrengung bei diesen Arbeiten untergrub nach und nach die Gesundheit des Meisters, und er mußte einen Ge- hilfen heranbilden, welcher seinen Ruhm fortzupflanzen übernahm. Diesen fand er in der Person seines Neffen, des Friedrich Müller, der im Besitze aller Erfahrungen des Onkels und als Mann von originaler Kraft die Gußanstalt zu noch höherem Flor brachte, so daß sie jetzt die erste ihrer Art ist. Müller vollendete den Guß der Statue Göthe's in Frankfurt und des Denkmals des Groß- herzogs von Baden in Karlsruhe, beide nach Schwanthaler's Mo- dellen, sowie die Standbilder von Tilly und Wrede in der Feld- herrenhalle zu München. Auch die Statue des Königs Ferdinand in Neapel, und die Statue Bolivar's in Bolivia, beide nach Canova's Modellen, hatte Müller im Guße hergestellt. Zu allen diesen Werken leitete Stiglmayer noch die Vorarbeiten, beim Guße aber konnte er nicht mehr thätig seyn. Eben so wurde zu Stiglmayer's Lebzeiten nur der Kopf der riesenhaften Bavaria nach Schwanthaler's Modell gegossen, und Miller setzte die Arbeit zur Bewunderung der Nachwelt fort. Dieses in der

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