Stieler, Johann Friedrich

Stieler, Johann Friedrich, Medailleur , wurde 1720 zu Berne- dorf im Erzgebirge geboren, wo sein Vater und Grossvater Stein- und Wappenschneider waren. Er widmete sich derselben Kunst, und zeichnete ohne Anleitung alles, was ihm vorkam. Später er- hielt er in Altenburg, wo sein Vater Christ. Friedrich herzoglich Gothaischer Hofgraveur wurde, vom Bildhauer Martini und von

Heinrich Meil jun. regelmässigern Unterricht im Zeichnen, aber erst in Leipzig , wohin er 1740 kam, fand er an dem älteren Hein- rich Meil einen tüchtigen Lehrer. Hier hatte auch Prof. Christ auf seine Ausbildung grossen Einfluss, indem ihm dieser seine Sammlung antiker und moderner Münzen, und die Abgüsse von schönen alten und neueren Arbeiten in Stein zum Studium darbot. Dadurch wurde sein Geschmack geläutert, und wirklich verdienen seine Werke in dieser Hinsicht vor den Arbeiten vieler anderer Meister Auszeichnung. Im Jahre 1751 wurde er an der polnischen Münze zu Guben in der Lausiz als Graveur angestellt, und als 1755 diese Anstalt einging, ward er in gleicher Eigenschaft nach Dresden berufen. Bis zum Jahre 1767 fertigte er aber ausser einer Denkmünze auf die Errichtung der Münze zu Guben nur Münz- stempel und Wappen, jetzt aber fand er auch Gelegenheit durch Medaillen auf öffentliche Ereignisse seine höhere Kunst zu erproben. Seine erste Arbeit dieser Art ist eine Medaille auf die Errichtung der Artillerieschule zu Dresden , und eine andere Denkmünze ist auf den Tod des Dichters Gellert geprägt. Zu weiteren Me- daillen gab ihm der Frieden zu Teschen, und 1784 die Genesung des Churfürsten von Sachsen Anlass. Diese Denkmünzen fanden

grossen Beifall; und sie gaben die Veranlassung, dass ihm der

Churfürst von Mainz 1784 die Jubiläums-Medaille der Uni- versität Mainz zur Ausführung übertrug. Im Jahre 1773 wurde er erster Münzgraveur in Dresden, wo er noch etliche Medaillen ausführte, die ihm das Lob des besten damaligen Stempel- schneiders erwarben. Der Erzbischof von Salzburg schickte ihm dess- wegen 1786 einen Zögling zu, den Graveur Mazenkopf. Aus die- ser Zeit stammt eine Bergwerksmedaille von 1787, bei Eröffnung der Grube »Bescheert Glück in Freyburg«; dann ein Medaillon mit der Ansicht des Schlosses Morizburg und der Fasanerie, und die letzte Arbeit des Künstlers ist eine Vikariatsmünze von 1790, mit dem Bildnisse des Churfürsten. Im Jahre 1800 starb Stieler.

Von Mailand aus wurde eines seiner Porträte an den König Maximilian von Bayern geschickt und dieses hatte die Folge, dass Stieler 1812 an den Hof nach München berufen wurde, um die Bild- nisse des Königs und der Königin Caroline, so wie jene der kö- niglichen Familie in ganzen Figuren zu malen. In diese Zeit ge- hören die lieblichen Bildnisse der Prinzessinnen als Kinder, welche durch Lithographien bekannt sind. Dann malte er auch das lebens- grosse Bildniss des Prinzen Carl zu Pferde in Cuirassier-Uniform, welches früher in der kgl. Gallerie zu München war, jetzt in jener zu Schleissheim aufbewahrt wird. Auch das Bildniss des Kron- prinzen Ludwig im altdeutschen Rocke, eine kräftige, für Gott und Vaterland begeisterte Gestalt, rührt aus jener Zeit. Besonders schön sind aber die späteren Bildnisse der bayerischen Prinzessinnen, welche Stieler in ihrer Jugendblüthe darstellte, und sie in reizvollen lebensgrossen Bildern vorführte. Als eine Perle seiner Kunst erklärte man das lebensgrosse Bildniss der zu früh hinübergegangenen Prin- zessin Caroline, wie sie, sich der Erde entschwindend, von Engeln er- wartet wird. In dieser seiner früheren Zeit malte Stieler auch einige liebliche Idealköpfe und Madonnen. Im Jahre 1816 schickte ihn der König nach Wien, um die Bildnisse des Kaisers Franz und seiner Gemahlin zu malen, welche so großen Beifall fanden, dass Stieler sofort mehrere Mitglieder des kaiserlichen Hofes und einige Gros- se des Reiches in Gemälden darstellen musste. Erst 1820 kehrte er auf den Wunsch des Königs nach München zurück, wo er denselben im Krönungsorante in ganzer Figur malte, jetzt im Saale der Stifter der kgl. Pinakothek. Dieses Bildniss wurde damals all- gemein bewundert, da er die edle Gestalt des Gebers der Consti- tution mit aller Wahrheit, und in glänzendem Costüme vor den Blick geführt hatte. Als Gegenstück malte er die Königin im

Im Jahre 1825 bestieg König Ludwig den Thron, und im fol- genden Jahre malte Stieler das Bildniss dieses kunstliebenden Mo- narchen im Krönungsornate, welches jetzt neben jenem seines kö- niglichen Vaters im Saale der Stifter in der k. Pinakothek zu se- hen, und so wie jenes des Königs Maximilian in vielen Wieder- holungen vorhanden ist. Als Gegenstück malte er das Bildniss der Königin im Ornate, mit der Diamantenkrone auf dem Haupte, während die Bildnisse beider Könige unbekrönt erscheinen. Dann malte Stieler die Königin Friederike von Schweden, die Erbprin- zessin Eugenia von Hohenzollern-Hechingen, und als ein Werk besonderer königlicher Gnade ist das Bildniss Goethe's zu betrach- ten, welches der Künstler 1828 im Auftrage des Königs malte und als eines der Hauptwerke Stieler's zu betrachten ist. Er hat alles nach der Natur gemalt, denn selbst zu der Hand und zum Ge- wande sass der Dichter. Der greise Goethe sitzt im leichten Haus- kleide, mit einem Blatte in der Hand, worauf sieben Verse des Königs Ludwig stehen. Die Schauspielerin Hagn malte er um diese Zeit als Thekla in Schiller's Wallenstein, ein vorzüglich schönes Bild. Nach Vollendung dieser Arbeiten unternahm Stieler eine Reise nach Berlin und Dresden, und dann ging er im Auf- trage des Königs nach Florenz und Perugia. Nach seiner Rück- kehr malte er das lebensgrosse Portrait der Kaiserin Amalie von Brasilien, welche 1829 den Thron Don Pedro's theilte. Im folgen- den Jahre berief ihn der Fürst von Thurn und Taxis nach Regens- burg, um seine Familie zu malen, und 1832 ging er im Auftrage nach Wien, wo er neben mehreren fürstlichen Personen den Kai- ser Franz I., die Kaiserin Carolina Augusta, die Erzherzogin So- phie mit ihren Prinzen, und den Prinzen Gustav Wasa in ganzer

Stieler malte aber ausserdem noch mehrere Bildnisse, worunter wir vor allen die Bildnisse des Königs Otto von Griechenland und seiner Gemahlin Amalia nennen. Im Jahre 1832 erhielt er einen Ruf an den russischen Hof, um die Porträts der kaiserlichen Fa- milie zu malen, allein seine Gesundheitsumstände erlaubten es da- mals nicht, diesem ehrenwerten Auftrage Folge zu leisten. Um diese Zeit malte er zwei lebensgroße Bildnisse des Königs und der Königin von Sachsen, dann jene der Prinzessinnen Amalie Au- gusta und Augusta von Sachsen, des Herzogs von Leuchtenberg in russischer Uniform, der Prinzessin Hildegard, Erzherzogin von Modena, und der Prinzessin Alexandra von Bayern. Im Jahre 1850 stellte er den Prinzen Carl von Bayern in Cuirassier-Uniform im Brustbilde dar, und 1841 den König Ludwig im einfachen Civil- rocke an einer Pfeiler, mit einer Fernsicht auf die Pinakothek, ebenfalls im lebensgroßen Brustbilde. Dieses ist eines der ähn- lichsten Porträts des Königs, und zugleich eines der Meisterwerke des Künstlers. Ein treffliches Kniestück von 1842 stellt die Prin- zessin Adelgunde dar, und ein zweites liebloches Bildniss ist jen- des der Kronprinzessin Marie von Bayern, welches der Künstler 1850 im Auftrage des Königs Ludwig gemalt hatte. Von zwei neueren Prachtgemälden mit lebensgroßen Figuren stellt das eine den Kö- nig Wilhelm IV. von Preussen in Generals-Uniform mit dem Hute in der Linken dar, zur Huldigungsfeier gemalt. Im Hintergrunde erscheinen in schöner Gruppirung die Reichsinsignien. Stieler vol- endete dieses herrliche Gemälde 1843 in Potsdam, und als Gegen- stück zugleich auch das Bildniss der Königin Elisabeth von Preus- sen, welches er schon 1840 in Tegernsee begonnen hatte. Diese Fürstin sitzt auf dem Throne in reichem Gewande, mit einem gros- sen Diadem von Brillanten auf dem Haupte, so wie mit gleichem Hals- und Brustschmuck. Die Aussicht des Gemäldes geht auf die Brücke, und auf das Reiterbild des grossen Churfürsten in Berlin. Dann malte Stieler zu Berlin im Auftrage seines Königs das Bildniss des Dichters Ludwig Tick, eine lebensvolle Gestalt im Sessel. Ein zweites Bildniss, welches er in Berlin begann, ist jenes des be- rühmten Alexander von Humboldt mit einem Globus im Grunde, übrigens in ganz einfacher Kleidung. Ein früheres Gemälde stellt den Philosophen Schelling dar, ein Brustbild von hoher Wahr- heit in den Zügen. Dann malte er auch den k. preussischen Ge- neral und Kriegsminister von Boyen, ein in Haltung und Ausdruck gelungenes Bild. In die Heimath zurückgekehrt wurde ihm der

Stiche und Lithographien nach Stieler's Werken.

Die Blätter nach diesem Meister sind zahlreich; zu den vor- züglichsten gehören aber folgende:

König Maximilian von Bayern im Krönungsornate, gest. von C. L. Hess, gr. fol. Nach diesem Stiche existirt auch eine Litho- graphie, gr. fol.

König Maximilian von Bayern, Brustbild, gest. von F. For- ster, Oval fol., und dann von Schenker, gr. fol.

Eine frühere Büste desselben ist von N. Strixner lithographirt.

Caroline Königin von Bayern, gest. von Hess, und lith. von Winterhalter, fol.

Eine frühere Büste derselben ist von N. Strixner lithographirt.

Ludwig Carl August, Kronprinz von Bayern, lith. v. N. Strix- ner, von drei Platten, fol.

König Ludwig von Bayern im Krönungsornate, gest. von As Rindelei, gr. fol. Nach diesem Stiche existirt eine Lithographie, gr. fol.

König Ludwig von Bayern, in Generals-Uniform, in einer von Gärtner gezeichneten Einfassung, gest. von F. Forster, fol.

Therese, Königin von Bayern, lith. von F. Dürck, roy. fol.

Amalia, Königin von Griechenland, lith. von Fertig, fol. Otto I. König von Griechenland, lith. von Hanfstängel, fol. Friedrich Wilhelm König von Preußen im Costüme der Huld- igungsfeier, gest. von E. Mandel, gr. fol. Die Königin von Preußen in demselben Ornate, gest. von E. Mandel, gr. fol. Kaiser Franz I. von Oesterreich, lith. von Winterhalter, fol. Carolina Augusta, Kaiserin von Oesterreich, fol. Maximilian, Kronprinz von Bayern, Brustbild von L. Schö- ninger lithographirt, fol. Marie Kronprinzessin von Bayern, lith. von Driendl, fol. Prinz Carl von Bayern, in Cuirassier-Uniform, lith. von Schö- ninger, fol. Eugen Prinz von Leuchtenberg, stehend im Reitermantel in einer Landschaft, lith. von J. Selb, fol. Dann von L. Schönin- ger für das Leuchtenberg'sche Galleriewerk, gr. fol. Auch Muxel hat das Bildniß dieses Fürsten lithographirt, so wie radirt, für dessen Galleriewerk.

Erzherzogin Albrecht von Oesterreich, galvanographirt von Schöninger, fol.

Eugenia Erbprinzessin von Hohenzollern-Hechingen, lith. von Muxel, gr. fol.

Augusta Louise Josepha, Erzherzogin und Gemahlin des Prin- zen Luitpold von Bayern, galvanographirt von Schöninger, fol.

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