Sthenis, Erzgiesser aus Olynth , nach der vulgaten Lesart Sthenis, wird von Plinius unter den Künstlern genannt, die um Ol. 114 blühten, sichere Werke aber kannte weder er noch Pausanias. Dass aber von Sthenis und Leochares ein bedeutendes Weihge- schenk vorhanden war, hat die neueste Zeit erfahren. Im Jahre 1840 entdeckte man auf einem Plateau vor der Westfront des Par- thenons einen Haufen viereckigter Platten, die in vier Schichten das Piedestal einer Gruppe von wenigstens fünf Figuren bildete; welche aber wahrscheinlich schon zu Zeiten des Pausanias verschwunden waren, da er nichts davon erwähnt. Längs der unteren Reihe der weissen Steinplatten liess auf der einen, langen Seite eine für die Kenntniss der Monumente der Akropolis und die Kunstgeschichte interessante Inschrift, und zwar an fünf Platten, wovon aber nur vier sich vorfinden. Nachrichten über diesen Fund, nebst einer Copie der Inschrift, von Prof. L. Ross, finden wir im Kunstblatte 1840 Nro. 32, und daraus geht hervor, dass Pandätes aus dem
Demos Potamos, Gemahl der Lysippe, und Pasikles (Sohn des Myron), das Denkmal geweiht haben, deren Portraitstatuen auf dem genannten Piedestale gruppirte waren. Die Statuen der Lysip- pe und des Myron waren von Sthenis, wie dies die Inschrift bezeugt (Zevs Exeloev). Die dritte Tafel nennt den Leochares als Verfertiger der Statue des Pasikles. Auf der vierten, jetzt fehlen- den Platte stand wieder das Bild einer Frau, und auf der fünften — ebenfalls ein solches, der Name des Künstlers ist aber unleserlich geworden. Die Zeit der Verfertigung des Werkes fällt um Ol. 108 oder 100, denn es ist dem Plinius entgegen jetzt nachgewiesen, dass sich die Thätigkeit des Leochares, der nach Plinius um Ol. 102 arbeitete, bis Ol. 111 herab erstreckt, und von Sthenis ist ebenso wohl anzunehmen, dass er schon lange vor Ol. 114 thätig war, wie dies von Lysippos ausgemacht ist, der nach Plinius der Zeitgenosse unseres Künstlers war. Die Statuen scheinen, nach den ansehnlichen Verhältnissen der Höhe und Breite des Fussgestelles zu schliessen, nicht unter Le- bensgrösse gewesen zu seyn. Später dürften, nach Ross, falls einige der Männerstatuen verschont geblieben waren, diese, wenn nicht durch neue ersetzt, doch wenigstens andere Köpfe und andere Namen erhalten haben. Denn jede der noch vorhandenen Platten trägt auf ihrer entgegenstehenden Seite, in den Schriftzügen der ersten und zweiten Jahrhunderts, den Namen eines Kaisers oder eines anderen Mitgliedes der kaiserlichen Familien. Drusus, Tra- jan, Augustus und Germanicus sind genannt, deren Zusammen- stellung Schwierigkeit bietet, da, nach der Statue des Trajan zu urtheilen, dem Augustus, Drusus und Germanicus fast hundert Jahre nach ihrem Tode Standbilder geweiht seyn müssten, indem die Handschrift auf die Zeit des Trajan passt. Uebrigens müssen schon vor der Besitznahme des Piedestals durch die Imperatoren die alten Statuen, wenigstens zum Theil, eine andere Bestimmung und andere Namen erhalten haben. Es findet sich nämlich auf einer der Eckplatten des Unterbaues, die entweder unter die Ly- sippe oder unter die Aristomache treffen würde, eine Inschrift in Zügen des Augusteischen Jahrhunderts, in welcher von einer Ale- xandra aus Cholleidä und aus dem Geschlechte des Alkibiades, des Vaters der Lysippe die Rede ist, so dass die Umtaufung der Sta- tue hier noch in der Familie blieb.
Plinius sagt nur, dass Sthenis meistens Figuren von anbeten- den, opfernden und weinenden Frauen gefertigt habe. Weiter heisst es, dass von Sthenis im Tempel der Concordia zu Rom die Statuen des Jupiter, der Ceres und der Minerva gewesen seyen, und Lucullus soll nach der Eroberung von Sinope die Statue des Autolycus als kostbare Kunstbeute mit sich genommen haben.
Dann nennt man auch die Statue des Pyttalus, welcher in Arka- dien und Elis in gleichen Ehren stand, weil er ihr billiger Schieds- richter bei den Gränzstreitigkeiten war. Ueber die Transferirung der Statuen durch Lucullus spricht Plutarch im Leben dessel- ben Cap. 23.
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