Stewart, Gilbert

Stewart, Gilbert, der ausgezeichnetste Portraitmaler Amerika's, geb. 1755 in Narraganset unweit Newport, von schottischen Eltern, kam sehr früh mit einem Schotten nach England, wo er sich auf die Malerei verlegte, kehrte aber nach dessen Tod wieder nach Newport zurück, um da als Maler sein Heil zu versuchen. Unzu- frieden mit seiner Ausbildung, eilte er wieder heim (home), d. h. nach England, und studirte in Glasgow , wo er fleissig die alten Sprachen erlernte und auch graduirte. Hierauf ging er nach Lon- don, um West's Schüler zu werden, was für seine weitere Ausbil- dung den günstigsten Erfolg hatte, so dass Stewart bald neben West und Reynolds mit Ehren genannt wurde. Er kam mit den bedeutendsten Personen seiner Zeit in Berührung, sah fast alle Leute von Wichtigkeit in England und Paris , und wurde, allent- halben wegen seiner Kunst, seines frischen Geistes und gewandten Witzes aufgesucht. Aus jener Zeit erzählt man eine Anekdote. Stewart war zu Hof eingeladen, und steckte unglücklicher Weise seinen Pinsellappen statt des Sacktuches ein. Indem er im Vor- zimmer wartete, wollte er sich das Gesicht mit dem Tuche wi- schen, denn es war sehr warm, und wischte zum grossen Ge- lächter der Anwesenden das Gesicht voll Oelfarbe. Obgleich er in England einen bedeutenden Erwerb gefunden haben würde, trieb ihn doch die Vaterlandsliebe nach Amerika zurück; denn er wollte Washington malen. Er reiste 1794 ab und malte in Philadelphia den Helden Amerika's. Das erste Bild vernichtete er; das zweite ist das einzige Originalbild von Washington in der neuen Welt, wie wir im Kunstblatt 1828 lesen *). Er behielt diesen Kopf für sich; die einzige Wiederholung, die er davon machte, erhielt der verstorbene Marquis von Landsdown, nach des- sen Tode das Bild von einem Herrn Samuel Williams in London erworben wurde. Später soll es von einem Russen gekauft worden seyn, und sich nun in St. Petersburg befinden. Von diesem Bildniss verbreitete sich ein Kupferstich durch die ganze Welt. Im Jahre 1801 verliess Stewart Philadelphia und lebte dann bis an sein Ende in Boston.

Nach seinem Tode wurde eine Ausstellung seiner Gemälde im Athenäum zu Boston veranstaltet, und zugleich eine Subscrip- tion in der Stadt eröffnet, um das Originalbild Washington's zu kaufen, und es im Stadthause aufzuhängen. Die Einnahme für die Ausstellung, in welcher sich gegen 300 Bilder befanden, war

*) Auch J. Turnbull hat das Bildniss des General Washington gemalt, welches V. Green gestochen hat.

hatte, und so darstellte, dass sie jeder, der sie gekannt hatte, so- gleich wieder erkannte,

G. Stewart starb zu Boston 1828.

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