Stengel, Georg, Baron von, königlich bayerischer Ministerial- rath, ein Mann von hohen Vorzügen, erscheint hier in der Reihe der ausgezeichnetsten Kunstliebhaber, welche dieses Werk enthält. Als Staatsmann gehört er nicht in unsern Bereich, über seinen Wirkungskreis verbreitete sich aber eine kleine Schrift, welche ein treuer Freund, der damalige k. b. Ministerialrath von Milden- hausen desselben widmete *). Freiherr von Stengel war ein Mann von feinem Kunstsinne und selbst als Künstler von Bedeutung. Er lernte die Kunst schon im väterlichen Hause lieben, und als er beim Priester Simon Schmid, der in diesem Künstler-Lexicon neben Alois Senefelder erscheint, einen Erzieher erhalten hatte, fand sein Talent zum Zeichnen nur noch frühere Pflege. Er zeichnete jetzt viel nach der Natur, und machte auch Versuche in Radiren. Das freundschaftliche Verhältniß der Familie zu den trefflichen Künstlern C. Hess, Ferd. und Franz Kobell äusserte sich auf die weitere Ausbildung des Jünglings den günstigsten Einfluß,
und die Kunst blieb zeitlebens seine treue Gelährtin, welche in die ersthsten Berufsgeschäfte verfiess. Ja, er wollte nach seiner Rückkehr von der Universität Heidelberg, wo er in der maler- schen Umgebung zahlreiche landschaftliche Studien machte, sich sogar ausschliesslich derselben widmen, und unternahm von München aus wiederholte Wanderungen in das Gebirg; allein 1799 übernahm er die Pflichten eines Staatsdieners, und die Zei- ten erfüllte nur mehr die freien Stunden aus. Im Verlaufe der Jahre brachte er aber eine grosse Anzahl von Zeichnungen zusammen, die von Künstlern und Liebhabern des grössten Lobes gewürdigt werden, da sie, obwohl nur mit Kreide, oder mit der Feder und dem Stifte auf farbiges Papier ausgeführt, auf gehobten Lichtein oder ausgetuscht, als wahre Landschaftsgemälde zu betrachten sind. Die Gattin dieses edlen Mannes, Freiin Catha- rina von Stengel, besitzt an 300 solcher Zeichnungen, gewöhn- lich in grossem Formate. Sie sind alle von geistreicher Auffassung und von grosser Wirkung. Im Jahre 1801 ehrte selbst die Akad- emie der Künste in München seine Verdienste, indem sie ihm das Diplom eines ordentlichen Mitgliedes übersandte. Der König be- lohnte 1800 seine dem Staate gewissenhaft geleisteten Dienste mit dem Civil- Verdienst- Orden der bayerischen Krone. Diese sind *) Dem Andenken an Georg Freiherrn von Stengel. Mün-
mässigfertiger Art, und theilweise auch in Hinsicht auf Kunst und Technik von Belang. Er brachte 1822 die Errichtung der poly- technischen Sammlung in München zu Stande. Die großen Durch- stiche und Dammbauten am Rhein, der Maindurchstich bei Grafen- rheinfeld, die neue Felsenstraße von Passau nach Vilshofen, treff- liche neue Straßenanlagen in mehreren Kreisen, besonders im Rheinkreise, die neue steinerne Donaubrücke bei Passau, die Wie- derherstellung der verfallenen Canäle auf dem Donaumoore, die Herstellung des Canals von Frankenthal, wichtige Verbesserungen im Betriebe des Hüttenwesens, der K Porzellan-Manufaktur, strenge Ordnung in den seiner Aufsicht untergeordneten technischen Zwei- gen gehören unter die nennenswürdigsten Gegenstände der amt- lichen Thätigkeit des Baron von Stengel. Sein Sinn für Kunst, und sein gebildeter Geschmack wirkten besonders wohlthätig auf Ver- vollkommnung der Erzeugnisse der Eisenhütten und der Porzellan- Manufaktur. Er veranlasste Entwürfe zur Einrichtung einer Gies- serei in Bronze. Sein Haus stand jedem Künstler, jedem in seinem Fache ausgezeichneten Techniker offen; sie versammelten sich bei ihm an bestimmten Abenden jeder Woche, welche vorzugs- weise der Unterhaltung über Kunstgegenstände, der Anschauung vorzüglicher Kunstwerke aus seiner Sammlung, der Ausstellung ihrer eigenen Erzeugnisse gewidmet waren. Auf junge Künstler wirkte Stengel ermunternd und rathend, vorzüglich auch dadurch, dass er sie mit Meistern ihres Faches in Verbindung brachte. Diese Kunstabende gehörten zu seinen frohesten Stunden, und nur die Freuden seines Landaufenthaltes zu Schlehdarf am Kochelsee, wo viele seiner Zeichnungen entstanden, schätzte er noch höher. Im Jahre 1824 starb dieser Mann in einem Alter von 49 Jahren. Ausser den trefflichen Zeichnungen hinterließ G. v. Stengel auch einige Radirungen.
- Der Hof vor einem Bauernhause mit Hühnern, Copie nach Ferd. Kobell von der Originalseite, Nro. 441, qu. 4 12.
- Das Landhaus auf dem Berge. Links unten sind zwei Bau- ern und vom Mittelgrunde her kommt ein Eseltreiber. Copie nach F. Kobell, von der Gegenseite, Nro. 158, 1/2.
- Landschaft mit einem Flusse, auf welchem ein Mann im Kahne sitzt. Links sind zwei Bauernbütten unter einem Baume, und rechts hin zieht sich ein Zaun, innerhalb wel- chem andere Bäume stehen. Copie nach Dietrich, von der Gegenseite, Nro. 6. Oval, qu. 12.
- Die Tells-Capelle, in einem länglichen Achteck, von einem Blumenkranz umgeben. Darüber ist eine Vase mit einer Aloe. Hoch in 16.
- Der Bühlhof, württembergisches Oekonomi egut, wo Stengel die Landwirthschaft erlernte. Links ein Baum. Im Um- riss, qu. 8.
- Ein Stengel, ähnlich einem S. Anspielung auf den Namen des Radirers. Arabeske, 12.
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