Stella, François, Maler, der berühmtere Künstler dieses Namens, wurde zu Lyon geboren, wo ihm sein Vater Franz den ersten Unterricht erteilte, aber bald mit Tod abging. Stella scheint sich jetzt einige Zeit selbst überlassen gewesen zu sein, brachte es aber schon als Jüngling zu einem Rufe, der ihn über seinen Vater hob. Im zwanzigsten Jahre begab er sich mit seinem Bruder Frans nach Italien , zunächst nach Florenz , wo ihn der Grossherzog Cosmo de' Medici beschützte. Er führte im Verlaufe von sieben Jahren für diesen Fürsten mehrere Gemälde und Zeichnungen aus, bis er endlich nach Rom sich begab, wo Poussin den Künstler freundlich aufnahm, und ihm mit Rath und That an die Seite ging. Sie unterhielt auch in der Ferne noch ihre warme Freundschaft, und Poussin beschenkte ihn mit mehreren Bildern. Zu diesen gehört Moses, der Wasser aus dem Felsen schlägt, der Raub der Dejanira, und Rinaldo bei Armida. Dieses letztere Gemälde überschickte er dem Künstler von Rom aus, und begleitete es mit einem Brief, wovon ein Bruchstück bei Felibien Entretiens VIII. abgedruckt ist. Seine ersten Arbeiten waren einige Bilder, die bei der Canonisa- tion von Heiligen in der Kirche aufgestellt wurden. Dann führte
Bald darauf (1634) kehrte Stella mit dem Marquis de Crecqui nach Paris zurück, wo er dem Cardinal Richelieu und dann dem Könige vorgestellt wurde, der ihn mit einem Gehalte von 1000 Fr. zum Hofmaler ernannte. In dieser Eigenschaft war er der erste, welcher Ludwig XIV. noch als Dauphin malte. Auch für das Ca- binet der Königin und für ihre Capelle im Palais royal führte er einige Bilder aus. Andere Werke dieses Meisters sah man in den Tuilerien, im Noviziate der Jesuiten, bei den Carmelitern der St. Jakobsvorstadt u. s. w. In der Gallerie des Musee royal sind von ihm zwei Bilder: Christus, wie er der Magdalena erscheint, und Minerva von den Musen umgeben. Zur Zeit Napoleon's sah man im Museum zu Paris auch eine Vermählung der heil. Jungfrau, die Aufnahme der heil. Jungfrau in den Himmel und Clelia's Flucht aus dem Lager, alle drei in Landon's Annales VI, VII, XII. im Umprisse gestochen. In deutschen Gallerien kommen selten Bilder von ihm vor. In der Esterhazy'schen Sammlung zu Wien ist eins Vermählung Maria mit mehr als 30 Figuren von lebendiger An- ordnung, ein liebliches Bild von grosser Frische und Wärme der Färbung, 3 F. hoch und 4 F. 4 Z. breit. Von fast gleicher Grösse ist auch das oben erwähnte Gemälde, welches zur Kaiser- zeit im Central- Museum zu Paris war. In der Gallerie des Bel- vedere ist das Brustbild eines Mannes mit Schnurbart, 1 F. 6 Z. hoch. In der ehemaligen Gallerie zu Salzdahlen wurde ihm ein Bild der Leda mit dem Schwane zugeschrieben, 3 F. 1 Z. hoch, und 4 F. 4 Z. breit. In den Winterabenden beschäftigte er sich mit Folgen von Zeichnungen. So stellte er das Leben der Maria in 22 Blättern, und auf 50 Blättern Kinderspiele dar. In 10 klei- nen Bildern schilderte er ländliche Belustigungen und die Künste, und sein letzterer Cyclus stellt in 30 kleinen Bildern die Leidens- geschichte dar. Im Jahre 1645 erhielt der Künstler den Orden des heil. Michael und 1657 wurde er in der Kirche St. Germain- l'Auxerrois begraben.
Jakob Stella ist ein sehr eleganter, aber etwas kalter Nachah-
mer des N. Poussin, Schon Watelet bemerkt es, und sagt, man fühle bald, nicht Poussin's Seele habe diese Bilder geschaffen; ihre Weisheit sei kalt, und der Zuschauer schätze und verlasse sie. Die Zeichnung nennt er rein und richtig, in jder Draperie findet er antike Einfachheit, die in's Rötliche fallende, manierirte Farbung verdient ihm aber weniger Lob. Noch strenger beurtheilt ihn Landon bei Gelegenheit der Beschreibung der oben genann- ten Bilder des Musée Napoleon. Er findet die Zeichnung und Färbung mehr graziös als natürlich, die erstere; wenig gelehrt, und in der Gewandung geringe Sorgfalt verwendet. Dann spricht er allen Compositionen Stella's das Gepräge des Genies, Leben, Feuer und Kraft des Ausdruckes ab. Er erkennt darin den Aus- druck seines persönlichen Charakters, welcher kalt und schwächlich war. Zu den geschätztesten Bildern gehören seine Hirtenstücke und die Kinderspiele. Auch seine perspektivischen Darstellungen fanden großes Lob,
Eine bedeutende Anzahl von Werken dieses Meisters ist im Stiche und durch den Formschnitt bekannt. Es finden sich über 100 Blätter, welche Propheten, Sibyllen, Apostel, Märtyrer u. s. w. darstellen. Er zeichnete diese Bilder mit der Feder, wahr- scheinlich auf die Holzplatten, deren viele von P. Maupin geschnit- ten wurden. Mehrere sind in Helldunkel gedruckt. Einige Schrift- steller vermuthen in diesen Holzschnitten durchaus fremde Hand, da nämlich seit Bartsch die Meinung entstanden ist, dass die älteren Maler sich mit der Technik des Holzschnittes nicht befasst haben. Unter den früheren Schriftstellern zählt ihn Papillon zu den Form- schneidern, und auch Malpe schreibt ihm eine Folge von Heiligen in Camayeu zu, die mit seinem Zeichen und mit der Jahreszahl 1625 bezeichnet sind. H. 11 Z., Br. 8 Z. Auch in der neuesten Zeit hat man die Sache wieder in's Auge gefasst, und ausser Zweifel gesetzt, dass die Maler in Holz geschnitten haben. Geistreiche Blätter dieser Art nennt man jetzt Originalholzschnitte. Wir fügen unter den Radirungen des Meisters solche Arbeiten bei. Viele an- dere rühren aber nur der Zeichnung nach von Stella her, an et- lichen hat er mehr oder weniger am Schnitte Theil. Der Form- schneider nennt sich nicht. Auf einigen steht der Name Stella, J. Stel. oder Jacobus mit beigefügtem Stern, auf anderen nur der Buchstabe J. mit dem Stern, mit Hinzufügung des Wortes fecit oder invenit, gewöhnlich in abgekürzter Form: f., fec., inv.
Das Bildniss des Künstlers, gest. von Claudine Stella, dann bei d'Argensville, Le Sauveteur du Monde, halbe Figur, gest. von S. Klauber, fol. Das schlafende Jesuskind mit Engeln, gest. von G. Edelink, fol. Dominus Sapientiae, kleine Vignette, gest. von Vallet, . Heil. Familie mit St. Elisabeth und dem kleinen Johannes in einer kleinen Landschaft, gest. von F. Poilly, gr. qu. fol. . Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, welchem Joseph eine Lilie reicht, gest. von G. Edelink, qu. fol. ' Maria mit dem Jesuskinde auf dem Schoosse, daneben ein Knabe mit dem Blumenkorbe, gest. von J. Boulanger, gn fol.
Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, St. Elisabeth und Johannes in einer Landschaft, C. Galle exc. qu. fol.
Heil. Familie in einer Landschaft, gest. von Cl. Stella, fol. Maria mit Nähen beschäftigt, gest. von Cl. Stella, qu. fol.
Heil. Familie mit dem Jesuskinde, welches auf dem Lamm reitet, und wie letzterem Johannes Kräuter reicht, gest. von G. Rousselet, fol. . . '
Die Ruhe der heil. Familie auf der Flucht in Aegypten, gest. von Cl. Stella, ;
Maria mit gefalteten Händen betrachtet das schlafende Jesus- kind, gest. von A. Bosse, fol. ;
Die Madonna dem Kinde die Brust reichend, gest. von van Schuppen. Oval fol.
158 Madonna mit dem Kinde, welches auf den Vogel deutet, der am Korbe nach der Frucht pickt, gest. von Poil, fol.
Maria mit dem Jesuskinde, dabei Johannes und das Lamm, gest. von J. Falk, fol. ;
Die Aufnahme der heil. Jungfrau in den Himmel, gest. von Lerouge und Villerey, qu. 8° .
Die Himmelfahrt der Maria, gest. von J. Couvay, fol.
Vita della gran madre di Dio, incise da Felice Frollanzani, fu i disegni orig. del celebre Pittore N. Pussino, 25 Blätter, fol.
Der Titel nennt den Poussin als Zeichner, man legt aber die Composition dem Stella bei.
Christus am Oelberge, gest. von Villerey für de Ligny's Hist. de la vie de Jesus-Christ. . .
Job von seinem Weibe geplagt. J. Stella inv. in Roma. Ein solches Blatt wird im Winckler'schen Cataloge als äusserst selten genannt,
Die Darstellungen für ein Breviarium, welches auf Kosten Pabst Urban VIII. von Audran und Greuther gestochen wurden.
Die Communion der heil. Catharina, qu. fol.
Die Sibyllen, 12 Holzschnitte von 1625, mit J° Fecit bezeich- net, kl. fol. . .
Die Propheten, Holzschnitte, theils mit Jacobus * inv., oder J° F. bezeichnet, .
Die 12 Apostel, Holzschnitte, eben so bezeichnet.
Eine Folge von Heiligen und Martyrern, J° inv. 1625, kl. fol.
Les Pastorales, 17 Blätter von Cl. Stella, qu. fol.
Les Jeux d'enfants, 52 Blätter von derselben, qu. 4.
Aardige speelende Kinderkens geinventeert door J. Stella t'Am- sterdam. Gest. von J. Folkema für C. Dankert's Verlag, qu. 4.
Eigenhändige Radirungen.
Robert-Dumesnil, P. gr. france. VII. p. 160 schreibt diesem Künstler fünf Blätter zu, welche alle selten vorkommen. Das Hauptblatt ist die Huldigung der toskanischen Städte am Tage des Taifers. Johannes ;
- Die Kreuzabnehmung. Der heil. Leichnam liegt auf dem Boden, links von Nicodemus unterstützt, während Johannes in Thränen zerfliesst. Zu den Füssen des Heilandes ist Maria von zwei Frauen umgeben, und Magdalena gibt sich dem Schmerze hin. Im Grunde rechts zeigt sich Jerusalem. Links an der Terrasse steht: Jacobus * inv. Im Rande liest man zu den Seiten des Wappens: Perillvstri Ac Adm. R. D. Jo. Baptistae Nerio Prothonot Apost. — — Dominicus de Rubeis D. D. Rechts unten: Romae Superior — licentia 1653, H. 325 m., Br. 304 m.
A
St. Georg zu Pferd in Mitte des Blattes, wie er dem Dra- chen die Lanze in den Rachen gestoßen. Die Jungfrau sieht man rechts nach dem Grunde zu, dem Himmel dan- kend. Unten am Steine: Jacq. Stella fecit Roma 1623 H. 175 m.? Br. 237 m. ?
Nackte Kinder, welche vor einem Wirthshause tanzen und Possen treiben. Eines derselben erhält von einem Zuschauer eine Gabe in den Hut. Links unten steht: Jacques Stella fecit. H. 117 m. mit 5 m. Rand, Br. 155 m.
Die Ceremonien bei Entrichtung des Tributes der toskani- schen Städte an den Grossherzog Ferdinand II. Der Künst- ler stellte einen öffentlichen Platz in Florenz dar, mit einem ungeheuren Zug von Menschen. Links unten sitzt er selbst und zeichnet unter dem Sonnenschirm, welchen ein Mann hält. Links am Himmel ist die Sonne, und gegenüber das Wappen der Medici. Im Cartouche unten in der Mitte steht: Serenissimo Ferdinando III. Mag., Etruria® Duci Jacobus Stella Pictor Lugdunensis Dedicat consecrat: que ipse inuenit et delineauit 1621. Im Rande liest man: Offerta de Tributi, e censi di paliotti di seta, Vasi d'Ar- gento, e Ceriche si fa in Fiorenza ogn' anno d'anni al Sermo. Gran' Duca di Toscana dalle Cita Terre e luoghi dei suoi stati, e dai SS. Raccomodati e feudatarij la mattina della solennita di San' Gio' Battista. Con priuilegio. H. 455 m. mit 27 m. Rand, Br. 612 m. (
I. Abdruck mit obiger Schrift. }
II. Mit der Schrift: Cum privilegio Regis. A Paris chez N'! colas Langlois rue St. Jacques a la Victoire. Holzschnitte.
Werke dieser Art schreibt Robert-Dumesnil dem Künstler zu, die folgenden Blätter sind aber ganz im Geist des Meisters behandelt und überdiess ist eines mit J. Stella f. bezeichnet. Über die Holzschnitte nach Stella's Zeichnung haben wir oben gehandelt. Die folgenden erwähnt R. Weigel in seinem Cataloge, wertet sie auf 3 Thlr.,
- Die Fusswaschung des Herrn, schöne Composition von 1 Figuren in drei Blättern, qu. fol. ;
- Das Abendmahl des Herrn, schöne Composition von 15 Fi- guren, in drei Blättern, qu. fol.
Diese Darstellungen sind in Friesformat, und zwar auf 2 Blättern gefügt, gr. qu. imp. fol. (
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_jE1QmVcKYywC/