Steinle, Johann-— Eduard;—mini

Steinle, Johann-— Eduard;—mini, einer der ausgezeichnetsten Mei- ster der religiösen Schule der Malerei in Deutschland , wurde 1810

in Wien geboren, und begann daselbst seine Studien an der k. k.

Akademie; Von jeher stille; Gemüthes und begeistert für seinen Glauben, zog es ihn schon frühe zur Kunstweise Rafael's und der ihm gleichgesinnten Meister, und deswegen entschied er bald für jene Richtung, welche Overbeck in Rom bezeichnet, hatte, so wie überhaupt wenige Künstler in dem Grade mit jenem Meister in reli- giöser und geistiger Verwandtschaft stehen, als Steinle; Von Wien aus begab sich der Künstler 1837 nach München , wo ihn Cornelius in seiner Richtung bestärkte, und welche er dann in Rom , als er die verwandten Schöpfungen eines Overbeck geschaut hätte, mit neuer Begeisterung verfolgte. Die Oelgemälde dieses Meisters sind noch nicht zahlreich; mehrere seiner Compositionen nur in Zeichnungen vorhanden, die aber mit aller Sorgfalt behandelt sind. Einige der- selben sind durch den Stich und durch die Lithographie bekannt, wie aus dem beigetügten Verzeichnisse zu ersehen ist.; Ein Gemälde von 1830, trefflich in Auffassung, Färbung und Durchführung, stellt das Ringen Jakob's mit dem Engel dar. Ebenso so meisterhaft ist ein späteres Bild der Madonna mit dem Kinde und einem die Laute spielenden Engel, welches in den Besitz eines Kaufmann's zu Frankfurt kam. Ein anderes Gemälde, den Heiland unter der

Kelter vorstellend, ist durch den schönen Stich von Keller be-

kannt, und sein Bild der Jeanne d' Arc zu Pferde, dessen in In- digo auf gelbes Papier ausgeführte Zeichnung 1840 bewundert wurde, kam in den Besitz des Hrn. von Radowitz, Die Zeich- nungen machen bei weitem den größeren Theil seiner Werke aus, und wir verweisen dabei auf das unten folgende Verzeichniß der weiteren Compositionen des Meisters, an welche sich einige aus-

drucksvolle Bildnisse reihen.

Im Jahre 1838 wurde dem Künstler auch ein Auftrag, zu Theil. Dieser

liess seine im byzantinischen Style erbaute Capelle auf dem Schlosse

Rheineck mit Fresken verzieren, und wählte zur Ausführung den E. Steinle, welcher sofort an die Herstellung der Cartons ging, wovon man die Bergpredigt und die Parabel vom barmherzigen

Samariter zuerst auf der Kunstausstellung zu München desselben

Jahres sah; neben mehreren Aquarellzeichnungen. Zu dem auf die- selbe sich beziehenden Darstellungen, welche er später zu Frank- furt in grösseren Cartons ausführte. Diese Capelle hat im Innern

die Form eines im Halbkreis oben abgeschlossenen Fächers oder

eines Netzgewölbes, von einer einzigen in die Mitte gestellten

Säule und vormacht Bogen getragen. In den grösseren Feldern über

den beiden Eingängen und in den facherartigen Räumen stellte der Künstler die Bergpredigt, ihre Seeligpreisungen und ihre Wirkung dar, und zwar in folgender Weise: Über dem einen Eingang

redigt Christus dem versammelten Volke, und über der zweiten Thüre ist er sitzend dargestellt, gleichsam verklärt; und umgeben von den acht Hauptgestalten, die in den oberen Räumen darge-

stellten Seeligpreisungen. Da, sieht man als Seeligpreisungen: 1) Die Verkündigung Maria, 2) das Noli me tangere, 3) David im Zelte

Die oberen führte Brentano und Sutter aus, worunter sich die Verkündigung durch grosse Anmuth, und das Noli me tangere, in der Morgendämmerung gedacht, durch eine tiefe harmonische Stimmung auszeichnet. In der Bergpredigt scheint einem Bericht- eber im Kunstblatt 1843 S. 35. Steinle zu tief in die materielle, in dem Bilde der Seeligkeit zu hoch in die ideelle Färbung ge- gangen zu seyn.

Auch im Domchores zu Köln begann Steinle 1843 die Ausfüh- rung von Freskogemälden, wobei ihn A. G. Lasinsky unterstütz- te. Cherubim (flammenroth), Seraphim (blaulicht) und Throne umgeben zunächst das Heiligthum, grossartige Köpfe von wunder- barem Ausdruck, mehrflügelig, ohne Leiber. An diese mittleren sieben Felder schliessen sich zu beiden Seiten in den grösseren Gurtbögen grosse Engelgestalten an, die der Künstler so geordnet hat, dass die der christlichen Vorstellung näher stehenden und gleichsam vertrauteren: die Erzengel Gabriel, Michael und Raphael, so wie die Schutzengel, in ermahnder, lobender, wehrender und schützender Stellung, an beiden Seiten des Chores sich der Gemeinde nähern, Figuren von 11 F. Höhe. Die Gemälde er- hielten gepressten Goldgrund, und die Bogenräume sind von far- bigen Bändern begrenzt. Moralt aus München diente ihm bei die- sen grossartigen Arbeiten als Gehülfe. Dann restaurirte Steinle auch die Temperabilder aus den Legenden der kölnischen Bischöfe hinter den Chorstühlen des Domes, wobei ihm ebenfalls tüchtige Gehülfen zur Seite standen.

Noch Vollendung dieser Arbeiten übertrug ihm das Städel'sche Institut in Frankfurt die Ausführung eines Bildes für den Kaiser- saal, welches das Urtheil Salomon's darstellt, und den Künstler

von 1844 an beschäftigte.

Steinle gehört zu den ausgezeichnetsten Repräsentanten jener Kunst Richtung, die von Overbeck gegründet wurde, und die für

die Anschauung der gesamten geistigen Entwicklungsverhältnisse

unserer Zeit von so schlagender Bedeutung ist. So sagt Kugler (Kunstblatt, 1846 Nr. 11) und fügt weiter bei, es sei die neue Be- lebung des alten Catholicismus, der, auf der mittelalterlichen Ge- staltung fussend, von dort her Kraft und Form entnehme, und in den Kunstwerken dieser Richtung oft eine Schönheit und Grazie

entwickle, welche den Ausserhalbstehenden staunen mache und

vielleicht mehr als irgend welche andere Erscheinungen das inner- liche Produktionsvermögen dieser Seite des heutigen Lebens, allem Widerspruch der Andersstrebenden zum Trotz, darlege.

Die Gemälde und Zeichnungen dieses Meisters sind als festes Besitzthum nur wenigen zur Betrachtung gegönnt, in einem wel-

teren Kreise sind aber die Kupfer- und Steindruckblätter nach dem-

Die Krippenfeier des heil. Franciscus, auf Stein ge- zeichnet von H. Knauth, qu. fol. In einer kleinen Felsenhöhle ist eine figürliche Darstellung der Geburt Christi und davor ein Altar mit dem Priester und mit Chorknaben. Auf der einen Seite sieht man kniende Mönche, auf der anderen den heil. Franz, welcher die heranziehende Schaar zur Verehrung einladet. Ueber ihm, in den Zweigen des Baumes, sind musicirende Engel, und das als Unterschrift dienende Gedicht enthält die Erzählung von dem Ursprunge der Krippenfeier. Das Bild führt in einen religiö- sen Cultus von ländlicher und kindlicher Naivetät ein; der demü- thige, gläubige und hingebende Charakter, den die ganze Dar- stellung hat, stimmt damit auf's vollständigste, Alles bewegt sich in zartester und unbefangenster Grazie und zugleich in jener feier- lichen Ruhe, die mit innerer Nothwendigkeit zu einer gemessenen Stylistik in der Zeichnung führt, Kugler würde kein anderes Bei- spiel der gesammten in Rede stehenden Kunstrichtung zu nennen,

as auf ähnliche Weise rein, anspruchslos und darum so höchst ansprechend erschiene.

Die sieben Werke der Barmherzigkeit, sieben kleine Darstellungen auf einem Blatte. Auch hier sind die Aufgaben mit den einfachsten Mitteln gelöst und darum zunächst auf das Gew müth eindringlich wirken; doppelt wirksam durch das feine Ge- fühl in Formenbeziehung und Ausdruck. Diese Darstellung hat F. A. Pflugfelder trefflich gestaucht, Umrisse mit geringer Schat- tenangabe, hoch fol. J. Fay hat sie lithographirt für den dritten Band der Geschichte der neueren deutschen Kunst von A. Grafen Raczyński, roy. fol. Die Zeichnung ist im Besitze des H. Springs- feld im Frankfurt, S. 6.

Der verlorne Sohn, lith. von Chr. Becker, qu. fol. Diese Darstellung, schon entschieden symbolischen Inhalts, findet Kugler angenehmer als die vorigen, und darum minder naiv. Nach seiner Behauptung ist der Künstler nicht recht dahin gelangt, die tiefere Bedeutung der Darstellung in der letzteren ganz aufgehen zu lassen. Die Hauptgruppe des Vaters mit dem Sohne, beson- ders die Weise wie der Sohn sich jenem in die Arme wirft, findet er zwar noch vortrefflich componirt, in der Gestalt des Vaters aber auch eine gewisse Feierlichkeit, die durch den schlichten Vorgang nicht recht motivirt ist. Die Knaben zur Seite, die Ge- wand und Kästchen herbeibringen, sind nach seiner Ansicht schon ziemlich entschieden zu blosse Repräsentanten des Gedankens ge- worden, und haben damit zugleich an der Schönheit und Sehnst an der Richtigkeit der Zeichnung Einbusse gelitten;

Der Heiland als guter Hirt, das verlorne Schaf wieder findend, gest. von J. Keller, gr. qu. fol. Das Schaf ist auf einer Felsenhöhe zwischen den Stämmen des trockenen Dornbusches ein- geklemmt, und der Heiland, kniet vor dem Busche, um, wie es scheint, das Thier frei zu machen. Mit dieser Darstellung findet sich Kug- ler am wenigsten befriediget, obgleich die hohe Schönheit des bibli- schen Gleichnisses, und die Fähigkeit zur künstlerischen Darstellung desselben Niemand läugnen wird, Steinle hat sich nach seiner An- sicht allzu einseitig an den blossen Gedanken gehalten, und aus der

Darstellung: nur ein Symbol-genauet. Schon die äusserliche Si- tuation des Bildes findet Kugler sehr bedenklich! Wie dieselbe hier gegeben ist, hatte das Schaf keine Veranlassung, sich zwi- schen die Dornenstämme einzuklemmen. Auch das lange kirchlich typistische Gewand findet der genannte Critiker zum Hirtenleben nicht passend, da die altchristliche Kunst dem Heilande stets das aufgeschürzte Hirtengewand und oft sogar noch die kurze, gegen den Regen schützende Casula gab. Er trägt aber auch hier noch die Dornenkrone und die Wundmale, Bezeichnungen, die uns völlends von der eigentlichen Darstellung abführen. Dass der Künstler selbst nicht mit warmer künstlerischen Begeisterung ge- arbeitet habe, erkennt man nach Kugler sehr deutlich aus der un- entschiedenen, thatenlosen Weise, wie der Heiland sich dem Schafe gegenüber verhält, und aus der Unbestimmtheit seiner Gesichtszüge in Bezug auf Charakter und Ausdruck. Hierbei fährt der genannte Schriftsteller weiter fort, helfe es nichts, dass die ganze Darstellung übrigens in allen Einzelnheiten und namentlich in den Details der Gewandung des Heilandes mit seltener Sorgfalt und Feinheit durch- geführt sei; der Zwiespalt zwischen Gedanken und Darstellung habe den Künstler um den eigentlichen Erfolg seiner Mühe ge- bracht, statt ein reines Kunstwerk zu schaffen, habe er ein reli- giöses Tendenzbild geliefert. Der Stich ist vortrefflich, und ge- hört in Betreff der Ausführung zu den besten dieser Richtung.

Die Erweckung der Tochter des Jairus, lithographirt von H. Eichens, qu. fol.

Christus: Vulnerasti cor meum, gest. von Ruscheweyh, kl. fol. Maria, das Gegenstück zu obigem Blatte: Pulchra ut luna, specta ut sol, gest. von demselben, beide Figuren in Glorien,

Madonna in einer Glorie auf dem Monde stehend. Pulchra ut Luna, electa ut sol, lith. von Brandmüller, gr. fol.

Der Heiland und die Madonna in ganzen Figuren, im Nim- bus, nach J. Seltegast und E. Steinle aus dem bei J. Buddeus in Düsseldorf erschienenen Gebetbuche: Ave Maria, auf einem Blatte einzeln abgedruckt, qu. fol.

Der Christusknabe am Kreuze, in einer Glorie, gest. von J. Keller, gr. 8.

Der Heiland unter der Kelter, gest. von Keller. Die Bergpredigt, Matthi V., 1843 von C. Hahn für den Frank- furter Kunstverein lith. Roy. fol. der Zeichnung bei Rath Schlosser, qu. roy. fol.

Die heil. drei Könige, nach der Zeichnung bei Baron von Raphael von Hahn lithographirt, Tondruck, qu. fol.

Christus vor der heil. Catharina von Siena, welche sich die Krone auf das Haupt drückt: Passionsmitleiden der heil. Catharina, Titelblatt zum Leiden Christi der K. Ennerich, auf Stein radirt, 8.

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