Steinkopf, Johann Friedrich, Landschafts- und Thiermaler, geb. zu Oppenheim 1737, zeigte bereits als Knabe eine vorherrschende Neigung zur Kunst, welcher sein ihn zu einem andern Stande
bestimmte Vater mannigfache Hindernisse in den Weg legte. Schon in seinem 13. Jahre las er mit Fertigkeit und Verstand sei- nen Ovid und Horaz, vorzüglich aber den Virgil, und sein ganzes Leben blieb ihm eine grosse Liebe zur alten klassischen Literatur. Bei seiner fortdauernden Neigung zur Kunst erhielt er endlich nach vieler Mühe von seinem Vater die Erlaubniss, sich nach Frank- enthal in die kurz zuvor daselbst errichtete churfürstlich pfälzi- sche Porzellanfabrik zu begeben, um sich dem Fache der Schmelz- malerei zu widmen, und schon nach einem Jahre war er der beste Porzellanmaler der Manufaktur. Kaum 18 Jahre alt kam er nach Ludwigsburg in die neu errichtete Porzellanfabrik, und erhielt dort nach einigen Jahren als einer der ersten Maler einen be- stimmten Gehalt mit jährlichem viermonatlichem Urlaub zu seiner weiteren Selbstausbildung. Seine Neigung zog ihn hauptsächlich zur Thier- und Landschaftsmalerei, und jede sich ihm darbietende Gelegenheit, darin seine Kenntnisse zu erweitern, benützte er mit dem grössten Eifer. Nach einiger Zeit gerieth durch die damalige Finanznoth des Herzogs Carl die Anstalt in Stockung, und somit begab sich der Künstler nach Stuttgart , wo er jetzt Thiere, be- sonders Pferde nach der Natur studirte und in Farben darstellte. Dabei copirte er auch Originalgemälde von Wouvermans und H. Roos auf das genaueste und mit höchstem Fleisse, wodurch er grosse Uebung und einen guten Vortrag in Oelgemälden erlangte. Auch seine Zeichnungen fanden bei den Kunstfreunden in Frank- furt Beifall und Absatz. Nebenbei ertheilte Steinkopf Unterricht im Zeichnen, bis er 1786 die Stelle eines Lehrers der freien Hand- zeichnung am Gymnasium zu Stuttgart erhielt, welche er bis 1817 bekleidete. Im Jahre 1801 ernannte ihn der damalige Chur- fürst, nachheriger König Friedrich, zu seinem Hofmaler im Fache der Thiermalerei. Von diesem Zeitpunkte an datiren sich die Bilder (Pferde- und Viehstücke), welche sich in dem k. Lusthause Weil befinden, deren grösseren Theil er erst in seinen 70ger Jahren ver- fertigte. Im Jahre 1817, also in seinem achtzigsten Jahre, wurde er durch Gnade des Königs in den Ruhestand versetzt, mit Beibehaltung seines Gehaltes. Bei seiner fortdauernden, im hohen Alter seltenen Geistes- und Körperkraft, benutzte er die ihm ver- liehene Musse, um einen grossen Theil der schönen, edlen orien- talischen Pferde auf den Gestüten nach der Natur zu zeichnen und zu malen. Mehrere derselben, äusserst schön und richtig darge- stellt, sieht man in den k. Lustschlössern Weil und Sparnhausen, und andere befanden sich in seiner hinterlassenen Sammlung. Seine Gattin hatte er im Jahre 1816 verloren und von 14 Kindern waren zur Zeit seines Todes noch fünf Söhne und vier Töchter am Leben. Im Jahre 1825 starb der Künstler. Wir haben von ihm auch etliche schön radirte Blätter in Rugendas' Manier, die eine numerirte Folge bilden.
1ı — 4) Pferde auf der Weide, immer drei zu einer Gruppe vereiniget, Steinkopf inv. et fec. 1777, qu. 12.
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