Steinbrück, Eduard, Maler, einer der ausgezeichnetsten Künstler der neueren deutschen Schule, wurde 1802 zu Magdeburg geboren, wo er bis zu seinem sechzehnten Jahre im väterlichen Hause lebte, aber weit entfernt in sich einen Künstler vom Fache zu vermuthen, obgleich die Neigung zur bildenden Kunst schon in frühen Jahren beim dem Knaben sich zeigte. Endlich musste er sich zur Wahl eines Standes entschliessen, und er trat nach dem Wunsche seines Vaters 1818 zu Bremen bei einem Kaufmann in die Lehre. Erst hier, fast von allem Umgange abgeschieden, wurde es ihm klar, dass die Muse der Malerei unabweislich ihn begleite, und er zum Kaufmann nicht tauge. Aber erst bei dem bevorstehenden Ablauf seiner Lehrzeit ging er ernstlich mit sich zu Rathe, und ein im- merhin merkwürdiger Vorfall verhalf ihm zu einem festen Ent- schluss, sein Leben fortan der Kunst zu widmen. Es ward näm- lich dem Fandlungshause ein Bild zur Beförderung übersandt, welches von einem Mann gemalt war, der als englischer Sprach- lehrer noch in seinem siebzigsten Jahre den Mut hatte, ei
Bis hicher hatte' sich der Künstler nur an Gegenständen von
Einer, bis höchstens drei Figuren versucht, jetzt brachte er aber auch eine grössere Composition, die hl. Christnacht vorstellend: die Feier der Engel, die Anbetung der Könige und der Weisen. Die ausgeführte kleine Farbenskizze brachte er 1837 neben dem Carton in lebensgrossen Figuren zur Ausstellung, und 1838 führte er diesen in Oel aus. Das grössere Bild kaufte der Consul Höcker in Düsseldorf. Für den Prinzen Carl von Preussen malte er 1837 eine sogenannte Undine, und dieselbe Darstellung wiederholte er nach einigen Jahren für den Prinzen von Preussen. Dann malte er aus Tieck's Märchen die Elfen am Pflanzenstängel auf und nieder schwebend, ein graziöses Bild, welches der Consul Wagener in Berlin bestellte, und das der Künstler sodann für den Thronfolger von Russland, so wie für den Consul Höcker in Düsseldorf wieder- holte. Eine zweite Composition aus demselben Märchen malte er für Fräulein E. von Waldenburg, und noch einmal für die Königin von Preussen. Auch Landschaften malte der Künstler. Eine solche im Charakter des Ilsethales im Harze besitzt seit 1857 Hr. Gräven zu Bremen, und Hauptmann v. Hatten eine Winter- landschaft mit Mond- und Lichtbeleuchtung, und einem Geist- lichen, der zum Kranken eilt. Hr. Huebner in Düsseldorf erhielt 1838 eine Waldlandschaft mit Zigeunern bei nächtlichem Feuer. Mittlerweile führte der Künstler auch einige Bildnisse aus. Unter diesen nennen wir das Portrait des Prof. Th. Hildebrandt, ein kleines Kniestück. Auch lebensgrosse Kniestücke und Brustbilder finden sich von ihm. Der Componist Mendelssohn-Bartholdi be- sitzt eine Zeichnung zum Prachtexemplare von dessen Oratorium: Paulus. Er stellte den Heiligen auf dem Wege nach Damascus dar. Der Magdeburger Kunstverein bestellte später ein Bild aus der Zueignung zu Merlin von Immermann. Neuer sind zwei biblische Compositionen, wovon das eine das Gleichniss vom guten und bösen Saamen vorstellt, im grossen Formate. Dieses in der Handlung und im Ausdrucke bedeutende Gemälde kaufte 1842 der — König von Preussen. Die zweite, ebenfalls grosse biblische Dar- stellung gibt das Gleichniss vom Gastmahl, Lucas XIV. 16. ff. Im Jahre 1843 vollendete der Künstler die Farbenskizze, und 1844 sa- hen wir das grössere Bild zuerst auf der Kunstausstellung zu Berlin. Dieses Werk fand eine verschiedene Beurtheilung. Einmal fanden wir die Skizze als herrliches Bild bezeichnet durch den interessan- ten Gegensatz des Idealen in dem Herrn und seinen Dienern, und des derb Charakteristischen in den übermüthig abweisenden Gästen. Andere dagegen wollten dem tief durchgedachten grossen Bilde nur in Zeichnung und Modellirung ausserordentliche Schönheiten zugestehen, weniger in der Auffassung. Diese meinen, der in einer düsteren Halle im Stuhle sitzende Hausvater lasse es sich merken, dass er über das Ausbleiben der geladenen Gäste ungelenk schmer- ze; auch der Haushofmeister theile die Stimmung des Herrn, und den ausweichenden Gästen, wie den geladenen Armen fehle es am Le- ben, da letztere traurig und scheu herbei kommen. Wir konnten diese Ansicht vor dem Bilde auf der Kunstausstellung in München 1846 nicht theilen, und glaubten einen tieferen Sinn darin zu er- kennen. Der Herr ist in Ernst versunken über die schnöde Wei- gerung der durch seinen Haushofmeister (Christus) berufenen Gäste, an deren Stelle die Armen und Beladenen zur Theilnahme an dem Reiche Gottes geladen werden, welches der Vater durch seine Thüre eröffnet. Nach Vollendung dieses Werkes malte Steinbrück ein Alt- arbild für die St. Jacobikirche zu Magdeburg. Ein anderes Ge- mälde aus der letzteren Zeit des Meisters stellt die Madonna mit dem Kinde und zwei Engel dar. Auch einer Zeichnung zu den
Steinbrück ist ein Künstler von eigenthümlichen Fähigkeiten, der mit Liebe und Begeisterung an das Werk geht. Bei hoher technischer Vollkommenheit herrscht er durch Anmuth und Natür- lichkeit, nicht durch Gewalt und Kraft. Mehrere seiner Gemälde, sagt Graf A. Raczynski (Gesch. der neueren deutschen Kunst I, 219) sind wahrhaft idyllen, andere scheinen Töne vernehmen zu lassen, welche einer Kirchenmusik gleichen; alle werden immerdar jedem gefallen, der ein zartes Gefühl hat. Aus dem Verzeichnisse derselben ersieht man, dass die meisten zwischen der Geschichts- und Genremalerei den Uebergang bilden. Einige derselben sind auch in weitere Kreise durch den Stich und die Lithographie bekannt.
Hagar und Ismael, gest. von A. Hoffman für den Düsseldor- fer Künstlerverein, nach dem Gemälde des Rathes Scheffer in Mün- ster, fol.
Dieselbe Darstellung, lith. von A. Schulten, fol.
Maria mit dem Kinde in der Thüre, nach dem oben erwähn- ten Bilde des Königs von Preussen, von E. Eichens für den Verein, der Kunstfreunde im preussischen Staate gestochen 1834.
Maria, gest. von Glaner. Festgabe, Leipzig (1844), roy. 4
Genovela im Walde, 1830 von J. Felsing gestochen, gr. fol.
Dieselbe Darstellung, gest. von E. E. Schäfer für den Rhein. Westph. Kunstverein 1833, gr. fol,
Dieselbe Darstellung, im Stiche herausgegeben von C. Suse- mühl und Sohn in Darmstadt.
Thisbe an der Wand lauschend, lith. von C. Mittag, gr. fol.
Das Rothkäppchen, lith. von C. Lange und Tempeltei, gr. fol.
Dieselbe Darstellung, kleine Ausgabe, lith. von Funke, fol.
Badende Kinder, lith. von C. Wildt und J. Tempeltei, roy. fol.
Undine, nach dem Bilde der Grossfürstin (Leuchtenberg) von Russland, lith. von C. Wildt, gr. fol.
Die Elfen, Stahlstich im Minıatur - Salon.
Eigenhändige Radirungen.
- Die Landschaft mit der grossen Königsoibe und mit Beten- den vor dem Madonnenbilde. C. F. Lessing pinx. 1837. E. Steinbrück sc. 1837. H. 21 Z., Br. 153 Z.
I. Radirung vor der Schrift. 4 Thlr. 12 gr. II. Radirung mit der Schrift. I. Gezeichnet und radirt von E. Steinbrück, gest. von E. Steifensand. Mit der Schrift. 3 Thlr.
- Lied der Kreuzfahrer von Novalis, radirt für die Lieder und Bilder. 2r. B. Deutsche Dichtungen mit Randzeich- nungen deutscher Künstler I. B. Herausg. von J. Buddeus. Düsseldorf 1843, gr. 4.
Es gibt Aetzungen und farbige Abdrücke.
- Warnung vor der Wassernixe, Arabeske zu Reinick's Lied: die Wassernixe. Für die Lieder eines Malers (Reinick's) mit Randzeichnungen seiner Freunde. Düsseldorf 1838.
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