Steen, Jan van, Maler, einer der berühmtesten holländischen Mei- ster des 17. Jahrhunderts, wurde 1630 zu Delft geboren, wo sein Vater eine Bierbrauerei besass, aus welcher der Sohn schon in jungen Jahren reichlich schöpfte. In Folge seiner Neigung zur
Kunst gab ihn der Vater zum Maler Knüpfer in Utrecht in die Lehre, bis A. Brouwer sich seiner annahm, dessen Lebensweise auf den jungen Steen nicht den besten Einfluss übte. Später kam er zu J. van Goyen, welcher sich von dem Talente des jungen
Malers so viel versprach, dass er ihm seine Tochter Margaretha zur Ehe gab. Jan van Steen erfreute sich auch schon in frühen Jahren eines bedeutenden Rufes, fand aber doch nur einen gerin- gen Erwerb, da er zu viel Zeit auf die Vollendung seiner Bilder setzte. Um ein reichlicheres Auskommen zu finden, richtete ihm der Vater eine Bierbrauerei ein; allein Steen war der beste Gast seiner eigenen Schenke und zuletzt trat eine gänzliche Ueberschul- dung ein. Jetzt ergriff er den Pinsel, den er bald wieder mit grosser Sicherheit führte; aber nur wenn ihn der Mangel dazu zwang. Durch seine Familie neuerdings unterstützt, errichtete er endlich eine Schenke, die viel besucht wurde, ihm aber nur Anlass gab, seine liederliche Lebensweise fortzusetzen. Der lu- stige Wirth trank am meisten, und malte nur, wenn die Fässer leer waren. Die Schenke war sein Studium, aber keiner wusste Wirthshauscenen besser darzustellen, als Steen. An Geist, Humor und Erfindungsgabe übertrifft er alle anderen holländischen Genre- maler. An derbem Witz stehen ihm selbst Ostade und Teniers nach; in Wahrheit, Helldunkel und Vollendung kommt er in sei- nen besten Werken dem Metsu nahe. Besonders geschätzt sind seine Bilder von klarer, warmer Färbung, weniger beliebt sind die im stark braunen Ton und von dunklem Aussehen. Mehrere dieser Gemälde sind flüchtig und von geringem Werthe, in dürstigen Ta- gen gefertigt. Diese Werke gehören der späteren Zeit an, in wel- cher er mit Noth zu kämpfen hatte, da seine Wirthschaft zu Grunde gegangen war. Seine erste Gattin hinterliess ihm sechs Kinder, und die zweite, eine Wittwe, die er 1680 heirathete,
brachte ihm noch einen Zuwachs von zwei anderen. Diese Familie
verliess der Künstler bald im bittersten Mangel, da er noch in demselben Jahre zu Delft starb. Einige neueren Biographen neh- men auch einen jüngeren Jan van Steen an, der zu Alkmaer glei-
che Darstellungen malte, aber mit geringerer Kunst, als der J. v. Steen aus Delft. Diese Angabe scheint nicht begründet zu seyn, und ist vielleicht aus der Ungleichheit der Werke des letzteren
entstanden. Das eigenhändige Bildniss unsers Künstlers findet; man zu wiederholten Malen in seinen Gemälden, und auch im Stiche ist es bekannt. Es ist in den Werken von Descamps, Weyerman und Houbraken; J. Gole lieferte ein schönes Mezzotintoblatt, in welchem Steen mit der Guitarre erscheint. Heudelot stach den Künstler mit seiner Frau in zwei Blättern. Er sitzt mit der Pfeife am Tische, und die Margaretha van Goyen sitzt ebenfalls am Ti- sche mit Glas und Bouteille, V.
Im Vaterlande ist gegenwärtig die geringere Anzahl seiner Ge- mälde, da die meisten nach England gewandert sind, Zeichnun- gen kommen sehr selten vor. Im Museum zu Amsterdam ist ein berühmtes Bild, welches das St. Nicolausfest vorstellt, ein Familienfest in der Stube, in einer ungemein launigen, aber etwas gemeinen Weise behandelt. Es ist von grosser Klarheit des Tones und fleissig ausgeführt. Ein zweites berühmtes Bild dieses Mu- seums ist unter dem Namen des Bäckers bekannt. Es stellt einen Dorfbacker und Milchverkäufer vor, eine höchst lebendige Scene. In der k. Gallerie im Haag sieht man die Familie des Mei- sters und ihn selbst beim Austernschmaus; dann ein Bild des menschlichen Lebens vom Kinde bis zum Greise. Diese Gemälde gehören zu den Hauptwerken des Künstlers. In der Sammlung des M. Schamp d'Aveschoot zu Gent waren bis 1840 zwei Bilder von Steen: die fette und die magere Küche. Das erstere wurde bei der Auction in dem genannten Jahre um 3050 Frs. ver- kauft, und das letztere galt 1425 Frs. In Six van Hillegom's Sammlung ist die Austernesserin, welche 1841 von D. J. Sluyter gestochen wurde. In der Sammlung des Baron Verstolk van Oelen im Haag ist das Bild eines Hochzeitfestes, und eine Zeich- nung, welche einen Sackpfeifer vorstellt. Eine zweite Zeichnung im Besitze dieses Barons: der Flötenbläser, stammt aus der Samm- lung des Ploos van Amstel, und ist mit Kreide und Tusche ausge- führt. Eine andere Zeichnung dieses Cabinets stellt einen Advoka- ten vor.
England ist besonders reich an Bildern dieses Meisters, worüber Dr. Waagen in seinem Werke über Kunstwerke und Künstler in England genau berichtet.
In der Sammlung Robert Peel's ist eines der schönsten, reizvollsten Bilder des Meisters, welches, nur 1 F. 4 Z. hoch, Peel 1818 in einer Versteigerung zu Paris um 7740 Fr. erwarb. Es stellt ein junges Mädchen im gelben Mieder und blauen Kleide am Clavier vor, wie es in Gegenwart des Meisters mit ganzer Seele spielt. Hinten ist ein Knabe mit der Laute. Dieses Bildchen, 1671 gemalt, ist von delikater Ausführung, von grosser Frische und Klarheit der Färbung, und meisterhaft im Helldunkel. In der Bridgewater-Gallerie ist ein Fischhändler, der in Gegenwart von vier Personen einem jungen Mädchen einen Fisch anbietet, halbe Figuren voll Leben, doch von dem stark braunen Tone in den männlichen Köpfen, der minder beliebt ist, und von einer gewissen Härte in den Umrissen. Lord Ashburton besitzt ein wahres Kunstjuwel, eine Schenke mit dreizehn Figuren, worunter Steen selbst lachend das Glas hebt. Das Abendlicht fällt durch die offene Thüre. Zu dem heitern Humor kommt hier eine Zartheit der Touche, eine Klarheit und Wärme der Töne, eine Feinheit der Luftperspektive, wie man sie nur selten bei ihm findet. (H. 4 Ft. 54 Z., Br. 1 F. 91/2 Z.) Ein zweites Bild dieser Sammlung stellt zwei Figuren beim Kegelspiel vor der Schenke dar. Es ist dies ein Muster von malerischer Anordnung, der vollen Wirkung eines
Hellen, abendlichen Sonnenlichtes und feiner geistreicher Touche. Dieses reizende Bild lässt sich von der Sammlung Poulain bis zu der von Talleyrand durch sieben Cabinette verfolgen (H. 1| F. 1}| Z., (Br. 10| Z.) Auch in der Sammlung in Aspleyhouse, dem Pa- last des Herzogs von Wellington, sind einige sehr vorzügliche Bilder dieses Meisters. Ein Arzt, welcher einem kranken, elegant gekleideten Mädchen in Gegenwart der Mutter den Puls fühlt, ge- hört zu den delikaten, solide impastierten Werken des Meisters, worin er sich dem Metsu nähert. Ein Knabe mit Pfeil und Bogen und ein Bild mit Venus und Adonis deuten die wahre Ursache der Krankheit an. (H. | F. 6 Z., Br. 1 F. 3| Z.) Das zweite Bild, eines der geistreichsten des Künstlers, stellt eine Familie dar, wel- che sich das Einsinken der berauschten Mutter auf verschiedene Weise zu Nutzen macht. Der Knabe leert ihre Tasche aus, zwei andere stimmen ihm freudig bei, die älteste Tochter überlässt sich den süßen Empfindungen für ihren Liebhaber, der Fiedler macht sich mit der Magd zu schaffen, der Affe spielt mit den Gewichten der Uhr, und Austernschalen und andere reichliche Ueberreste zeigen, dass der Tisch nicht mager besetzt war. Außer der Le- bendigkeit und Wahrheit der Affekte hat dieses ungefähr 2 F. 6 Z. hohe und 3 F. breite Bild das Verdienst einer fleissigen Ausfüh- rung und einer guten und klaren Färbung. Zwei andere, noch grössere Gegenstücke enthalten zwar einen seltenen Reichthum der originellsten Züge, wozu Wein, Tanz und Liebe eine ausge- lassene Gesellschaft der niederen Stände bringen können, gehören aber übrigens zu den zahlreichen Bildern Steen's, welche durch einen durchwaltend braunen Ton ein einförmiges und dunkles An- sehen haben. H. T. Hope in London bewahrt drei ausgezeich- nete Werke von Steen. Das eine, mit Namen und Jahrzahl 1661, stellt einen Schlürfer dar, wovon Waagen sagt, dass nicht leicht der Ausdruck des hohnlosen Leichtsinns und des gänzlichen Auf- gehens im augenblicklichen Lebensgenuss mit solcher Meisterschaft dargestellt worden sei, als in diesem lustigen Kameraden, der mit dem ganzen Gesicht lachend im ausgelassensten Behagen ein hüb- sches Mädchen ansieht, welches ihm ein Glas Wein reicht, wäh- rend eine alte Frau ihm Austern aufmacht. In einem hinteren Raume spielen zwei Herren Tric-Trac und im Vorgrunde ist ein Hund. Das Bild einer Fortuna über dem Camin hat die Unter- schrift: So gewonnen so verteerd. Die sorgfältige Behandlung dieses Gemäldes ist dabei so geistreich und frei, wie die Auffas- sung; die Farben sind blühend und kräftig, die Lichtwirkung von der Klarheit und Tiefe des de Hooghe (H. 2 F. 7 Z., Br. 3 F. 5 Z.) Das Gegenstück ist ein Kindstaufschmaus. Dieser wird am Tische im hin- teren Raume gehalten, und vorn bemerkt man neben dem Tauf- ling in der Wiege die junge Mutter, welcher die alte Gevatterin etwas vorschwätzt. Dieses Bild ist voll Humor und steht auch in andern Stücken dem ersten nicht nach, nur sind beide durch Ver- waschen hart angegriffen. (H. 2 F. 04 Z., Br. 3 F. 3| Z.) Ein drittes Bild stellt eine grosse Gesellschaft vor, die sich im Hof und unter der Weinlaube einer Dorfschenke mit Tanz und Schmaus unterhält, 1605| gemalt. Reich an humoristischen Motiven und voll Lebenslust, fleissig beendigt und klar in der Färbung. (H. 3 F., Br. 4 F.) Lord Dudley besitzt ein Gemälde, welches die Hoch- zeit zu Cana vorstellt, aber in der Sphäre des Meisters. Doch enthält diese reiche Composition so glückliche, humoristische Züge, ist so geistreich behandelt, dass sie viel Vergnügen gewährt. Es 2 F. | Z., Br. 2 F. 8 Z.) Der Schottländer Munro in London besitzt ein Bild, welches J. Steen vorstellt, wie er raucht, während
seine Hälfte schläft und zwei Knaben, Seifenblasen machen. In der Sammlung des H. Beckford in Bath ist ein Hauptwerk des Meisters, welches uns die verderblichen Folgen der Unmässigkeit auf die ergötzlichste Weise vor Augen führt. Der Künstler selbst und seine Ehehälfte sind in diesem Zustande am Tische eingenickt, und alles beeilt sich davon Vortheil zu ziehen. Ein kleines Mäd chen langt in die Tasche der Mutter, der kleine Bruder zeigt be- reits triumphirend ein Stück Geld, das Kind schlägt nach dem Weinglase auf dem Stuhl, im Grunde steckt der Knecht seinem Schatze Geld zu, der Hund hat sich über eine Pastete auf dem Tische hergemacht, die Katze hascht nach dem Vogel, und zer- schlägt Porzellan, der Affe ist über Bücher und Urkunden her und das Feuer verzehrt die Gans am Spieß. Zu einer Laune, welche keinem andern holländischen Maler in dem Grade zu Ge- bote steht, gesellt sich hier eine sehr fleissige Durchbildung aller Theile, und eine seltene Helligkeit und Klarheit des Tons. Dieses 2F. 9Z. hohe und 3F. 5} Z. breite Bild ging durch die bekann- ten Sammlungen Danser, Nyman, Smeth van Alpheo, Sereville und Dalberg, und 1823 ersteigerte es der jetzige Besitzer aus Watson Taylor's Sammlung um 220 Pf. In der Sammlung zu Alton Tower ist ein sehr artiges Bildchen: Zeitvertreib mit Tocadille und Kartenspiel. In der Sammlung zu Reddingtonhall sieht man das Gemälde eines blinden Bettlers, ein klares, fleissiges Bildchen. Von grösserer Bedeutung sind aber Steen's Gemälde in der Sammlung zu Lutonhouse. Da ist ein Hahnengefecht, eine Composition, von 12 Figuren, voll geistreicher Motive. Auch in der Klarheit der Farbe, in der geistreichen und dabei fleissigen Behandlung ist dieses eines der schönsten Werke des Meisters, (H. 2 F. 10 Z., Br. 3 F. 9 Z.) Ein zweites Gemälde stellt Nachzügler vor, welche einen Meierhof plündern, nach Waagen erfassend in der dramatischen Wahrheit. Die Verzweiflung des Bauern, welcher dem Soldaten mit einer Heugabel zu Leibe gehen will, aber von Frau und Kind zurückgehalten wird; der übermüthige Hohn der Soldaten, deren einer den Hahn seiner Flinte spannt, der andere nach Tauben schiesst, bilden einen schlagenden Gegensatz mit zwei Mönchen, welche sich an Speise und Trank gütlich tuend, Frieden zu stiften suchen. (M. 1 F. 5} Z., Br. 11 F. 8 Z.) Das dritte Bild dieser Sammlung stellt ein in weisse Seide gekleidetes Mädchen vor, welches dem Lautenspiel eines Herrn zuhorcht, während hinter dem Pfeiler ein alter Klammer sie belauscht. In solchen seltenen Gemälden nähert sich Steen in Klarheit, Kraft und Delicatesse dem Metsu, hat aber vor ihm meist ein grösseres dramatisches Interesse voraus. (H. 1 F. 3 Z., Br. 1 F.) — Minder bedeutend ist ein zierlich in Seide gekleidetes Mädchen, welchem eine widrige Kupplerin einen Brief bringt. Die Gestalt des Königs David, welchen man durch die Thür auf einer Terrasse sieht, belehrt den Beschauer, dass die Dame Bathseba vorstelle, (H. 11 F. 5 Z., Br. 1 F.) Mr. Norton kaufte 1844 aus Harman's Sammlung eine Bauernscene um 210 Pf. St. In der Privatsammlung des Königs Georg IV. von England sind 7 Bilder von Steen, 1) Ein zierlich gekleidetes Mädchen zieht sich, auf dem Bette sitzend, die Strümpfe an. Neben ihm ist ein Spaniel, und auf dem Tische steht ein Licht, eine Flasche und eine Schachtel mit Perlen. Bez. 1663. Das treffliche Impasto, die geistreiche und mit dem feinsten Metsu wetteifernde Ausführung, das helle, meisterlich abgetönte Morgenlicht, die kühle Harmonie der Farben, worin Blau und Violet vorwalten, machen dieses zu
Voll der glücklichsten Motive und dabei solide impastirt und delicat beendigt,' nur im Hlurton etwas dunkel. H. 2 F., Br. 2 1/2 Z.) 4) Das Bohnenfest. Die Aufmerksamkeit ist auf den Boh- nenkönig gerichtet, der so eben ein Glas leert, während ein Knabe die auf dem Boden stehenden Kerzchen auszupissen sucht. Ein Bild - von ungemeiner Laune in dieser gemeinen Sphäre, doch min- der fleissig und etwas schwer und braun in der Farbe. 5) Eine Schenke am Canal, in welcher eine Gesellschaft von Landleuten toll und ausgelassen hauset. In einem Boote kommen noch sieben lustige Gesellen an. Ein fleissiges und reiches Bild,' aber im Haopt- ton zu braun. H. 3 F. 8 Z., Br. 4 F. 1 1/2 Z.): 6) Eine Ge«ellschaft von vier Männern und einer Frau beim Kartenspiel. Ein fleissiger, schätzbares Bild. (H. 1 1/2 F. 5 1/2 Z., Br. 1 F. 3 Z.) 7) Familienscene in einem Zimmer.
Im Museum des Louvre zu Paris ist eine zahlreiche Gesell- schaft aus den unteren Ständen in einem grossen Zimmer bei Musik und Tanz, und lässt sich bei Wein und Liebe wohl sein.
Reich an glücklichen Motiven, und voll Laune, aber zerstreut und haltungslos. Die Färbung ist klar, die Behandlung geistreich, wenn gleich nicht sehr sorgfältig. (H. 1 m. 18 c., Br. 1 m. 61 c.) Im Jahre 1843 wurde die Hochzeit zu Cana, als lustige Bauern- hochzeit, aus der Sammlung des Herzogs von Berry mit 16501 Fr. bezahlt. Dieses Gemälde galt 1853 nur 5300 Fr. Ein Gemälde aus der Sammlung Martini's, welches Bauern und Re- sende im Hofe vor der Schenke vorstellt, wurde 1844 in Paris mit 3450 Fr. bezahlt. Die getuschten Zeichnungen, welche bis 1810 im Cabinet Paignon Dijonval waren, gingen wahrscheinlich in das königliche französische Cabinet über. Sie stellen fahrende Musikanten vor einer Hausthüre, das Innere eines hollaändischen Hauses am Drei- königs-Abend, und eine Quäckerversammlung dar.
In der k. Pinakothek zu München ist eine Bauert- schlägerei in einer Dorfhütte, eine ungemein lebendige Handlung roher Naturen, mit warmer Färbung fleissig vollendet. Die um Hülfe rufende Bäuerin hält einen mit einem Besen bewaffneten Mann zurück, welcher auf einen anderen eindringt, der zu Boden liegt. H. 2 F. 1 1/2 Z., Br. 3 F. 9 Z. Ein kleineres Bild stellt einen Arzt vor, wie er der kranken Frau den Puls fühlt. H. 1 F. 11 Z., Br. 1 1/2 F. 7 Z. Dieses Bild stammt aus Düsseldorf,
In der Gallerie des Museums zu Berlin ist ebenfalls ein Gemälde von Steen, welches zwar nicht zu dessen bedeutendster Leistungen gehört, aber in der Behandlung und in der Auffassung des Einzelnen einen bestimmten Beleg seiner Richtung gibt. Es stellt einen Wirthshausgarten mit mehreren Tischen vor, zwischen welchen sich ehrsame Bürgersleute in bequemer Philisterhaftigkeit
der Künstler selbst, beleuchtet von der Sonne beschienen, indem er sich so eben einen Hering
bereitet, und in höchster Vergnüglichkeit den Beschauer einzuladen
scheint. Dieses Bild trägt den Namen des Meisters. H. 2 F. 2 1/2 Br. 10 1/2 Zo.
In der Gallerie zu Dresden findet man das Bild einer Frau, die ihrem Kinde mit dem Löffel Speise reicht, Kniestück. H. 1 F. ½ Z. Br. 10½ Z.
In der Sammlung R. Weigel's zu Leipzig ist eine der seltenen Zeichnungen des Meisters, ein Dorffest mit Kegelspiel vorstellend, beschrieben in der feineren Lesart 1665 No. 430.
Bei der 1840 in Dresden erfolgten Versteigerung der Samm- lung des Barons von Münchhausen kamen zwei Zeichnungen von Steen vor: ein auf dem Stuhle sitzender und rauchender Bauer, und ein auf dem Stuhle schlafender Bauer, beide in schwarzer Kreide und mit Weiß gehöht auf blauem Papier, 9½ Z. hoch und 6 Z. breit. Diese Figuren sind von höchster Naturtreue.
In der Gallerie zu Salzdahlum waren einst zwei Bilder, die zu den grössten gehören, welche Steen malte. Das eine, der Hei- rathscontract, ist über 4 E. hoch und 6 F. breit, und das zweite, eine Musikgesellschaft, fast von gleicher Grösse. In beiden er- scheint der Maler als Freund des Bieres. Ein Bild des Heiraths- contract sah man 1807 unter der französischen Kunstbeute in Paris.
In der Sammlung des Direktors Spengler in Cothen waren bis 1839 vier Zeichnungen, welche dem J. v. Steen zugeschrieben wurden, alle in rother Kreide: 1) Ein Mann und eine Frau in Umarmung, 2) Ein Mann, der eine Wunde am Backen ver bindet, dabei ein Knabe mit einer Schüssel in den Händen, fol. 3) Ein mit dem Glase in der Hand am Tische sitzendes Männ- chen; 4) Der Violinspieler.
Einige Werke dieses Meisters sind auch in Stiche bekannt, darunter solche aus Privatsammlungen:
A Dutch School. Die Dorfschule, nach dem Bilde aus der Sammlung von Thomas Pratt von W. Green in Mezzotinto gesto- chen, für Boydell's Verlag 1772, fol.
A Dutch Ghymist. Der Chemiker sitzt im Vorgrunde, neben ihm ein lesender Bauer, ein Mann mit spitzen Hute, und rechts eine Frau mit dem Kinde an der Brust. Gest. von J. Boydell nach dem schönen Bilde aus Lewin's Sammlung, sgr. fol.
Auch J. Wilson hat eine solche Darstellung gestochen.
Conversation in which the painter has introduced himself. Zwei Frauen am Kamin hinter ihnen zwei Männer mit Pfeifen und vor dieser Gruppe der Maler. S. Par. se., R. Sayer exc.
Der Dorfschulmeister, etc. von L. A. Claessens, fol.
Der Heirathscontract (Le contrat de Mariage), nach dem Bilde der Sammlung des Grafen von Brühl von Ch. Baquier gestochen,
Sint Nicolaasfeest, das berühmte Bild im Museum zu Amster- dam, gest. von J. de Mare 1819, roy. fol.
La Collation hollandaise. Eine Gesellschaft am Tische, dabei
ein Dudelsackpfeifer, F. Basan exc., roy. fol.
Eine Gruppe von Bauern im Wirthshause, nach einer Zeich- nung aus Basan's Werk, Nr. 8. Umriss kl. fol.
La Treille, Tänzer und Trinker unter einer Laube, aus Ba- san's Werk.
Les souffleurs et le paysan credule, gest. von F. Godefroy
Ein Garten am Wirthshause mit Kegelspielern und Trinkern, gest. von F. de Ghendt, fol.
- Bauern in der Schenke, vorn die trinkende Wirthin, im Mittel- grunde Tractracspinetur, gest. von J. Nolker, Mezzotinto, fol. . Jeune femme malade, von Avril für das Musée Napoléon ge- stochen, wahrscheinlich die folgende Darstellung. Der Arzt, welcher der Frau den Puls fühlte, gest. von Oort- man, kl. 4. Die eingebildete Kranke, nach dem Bilde in München von Thelot gestochen, gr. fol. Der Arzt, welcher einer Frau das Clistier geben will, von A. de Blois geschabt. Die fünf Söhne durch Bauern vorgestellt, fünf Blätter, von J. de Gole geschabt, so schön wie Du Sart. Die hollandische Kneipe mit Brettspielern, von demselben gesticht. Ein Kind, das am Fasse mit Bällen spielt, von demselben. Les plaisirs de chaquete, gest. von Bettioli geätzt und von Oortman vollendet, kl. 4. Der Knabe, welcher vor mehreren Zuschauern dem Hund tan- zen ließ, gest. von Dambrodt, nach dem Bilde aus dem Cabinet Poullain, 4. Ein unglücklicher Fall, wo der Knabe der Frau einen Hering bringt, nach dem Bilde des Alt Poullain von Delignon gest. und gestochen, 4. Drei Bauern um ein Paar, thätend und einer stehend, radirt, ohne Namen, 4. Eine lustige Gesellschaft von Changnier radirt und von Oort- man mit dem Stichel vollendet, gr. 8.
- Zwei Männer am Tische, jeder mit einem Papier in der Hand, eine von Plous-van Amstel imitierte Zeichnung, kl. 4. Der Flötenspieler, von demselben in Zeichnungsnummer be- handelt, 4. Der Advocat in gleicher Manier. Diese drei Blätter gehören in das Werk des Plous-van Amstel.
Dass sich J. van Steen auch im Radiren versucht habe, dürfte wohl nicht unbedingt zu verneinen seyn, doch ist es nicht ausgemacht, dass gerade die folgenden Blätter von ihm wirklich her- rühren. Im Charakter und Ausdruck sind sie ihm wohl verwandt,
a). Ein, auf dem Lehnstuhl sitzender Bauer mit spitzen Mütze, wie er sich die Wunde am rechten Arme zudeckt. Er ist nach links gerichtet, wo man einen Bettvorhang bemerkt, Oben in der Mitte ist ein Gitterfenster. Ohne Namen. H. Dieses höchst zarte, fast nur im Umriss radirte seltene Blättchen, finden wir in Frenzel's Catalog der Sammlung des B. v. Rumohr (Lübeck 1846 Nro. 1800) erwähnt. Der Besitzer hielt es für Arbeit van Steen's, 2). Büste eines lachenden Bauers mit rundenem Hute, in Profil nach rechts, wo man gegen den Rand hin die Höhe der Büste einer Bäuerin bemerkt. Ohne Namen; H.22 — Dieses Blättchen wird von einigen dem Ostade, dem D. Ryckaert oder P. Snayers, von anderen dem J v. Steen bei- gelegt, ohne hinlängliche Rechenschaft geben zu können, Es ist sehr geistreich behandelt, aber, wie R. Weigel (Suppl. au Peintre-Graveur 1, 173) behauptet, ganz bestimmt im Ge- schmacke des T. Wyck. Die ersten Abdrücke sind weniger vollendet, und das Scheidewasser hat nicht gut Hurchge- griffen. Es fehlt auch die mit dem Stichel geührte Ein- fassungslinie, 3). Das Innere eines Zimmers, wo links ein Weib im Sitzen schläft, wie sie in der Linken ein Glas, in der Rechten die Bouteille hält. Neben ihr liegt ein Bauer auf dem Boden, welcher die Geheimnisse ihres Rockes belauscht. Drei an- dere Bauern lachen darüber. Auch ein Greis ist bei dieser Gruppe. Links liest man: JSteen (J verschlungen) und rechts: H(ans?) Steen, H.3 Z. 11 L., Br. 4 Z. 11 L. Dieses Blatt ist sehr selten, und auch ohne Namen Steen's würde sich der Componist kund geben. Die Arbeit ist sehr geistreich.
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